Im vergangenen Jahr hat die Polizei in Ludwigsburg 5854 Straftaten erfasst. Foto: IMAGO/Fotostand

In der Summe gab es in Ludwigsburg im Jahr 2025 nicht außergewöhnlich viele Straftaten. Trotzdem lohnt sich der Blick auf einige Auffälligkeiten – denn teilweise wird es bizarr.

Das Praktische an der polizeilichen Kriminalstatistik Ludwigsburgs aus 2025 ist, dass man sie von zwei Seiten betrachten kann. Positiv formuliert sind es im Stadtgebiet nicht mehr Straftaten geworden – im Vergleich zum Ausreißerjahr 2024 hat die Tendenz sogar wieder abgenommen. Allerdings: Weniger Straftaten werden es eben auch nicht.

 

Tatsächlich liegt die Zahl der Delikte im Jahr 2025 genau im Schnitt der vergangenen fünf Jahre: 5854 Straftaten hat die Polizei vergangenes Jahr im Stadtgebiet Ludwigsburg erfasst, durchschnittlich waren es in den vergangenen Jahren 5852. Sechs Auffälligkeiten aus der Kriminalstatistik 2025 im Überblick.

1. Der Bahnhof ist nur scheinbar ein Schwerpunkt

Immer wieder entsteht der Eindruck, dass es am Ludwigsburger Bahnhof besonders gefährlich ist. Nur: Der Blick in die Zahlen gibt das in dieser Form gar nicht her. Im Vergleich zu vergangenen Jahren gibt es keine nennenswerte Zunahme an Kriminalität und auch im Verhältnis zu anderen Stadtteilen fällt der Bahnhof nicht aus der Reihe.

„Es sind einzelne Delikte, die besonders schwerwiegend sind und das Bild verzerren“, erklärt Polizeirevierleiter Guido Passaro. „Es ist aber kein Geheimnis, dass sich dort Jugendbanden treffen – das sind einige wenige Leute, die da für eine unangenehme Atmosphäre sorgen.“

Im krassen Kontrast dazu steht der Stadtteil Poppenweiler, den Bürgermeister Sebastian Mannl gerne als „Oase der Glückseligen“ bezeichnet. Im gesamten Jahr 2025 hat die Polizei dort gerade einmal 72 Straftaten registriert, so wenige wie in keinem anderen Stadtteil.

2. Nichtdeutsche Tatverdächtige sind überrepräsentiert

Zwar hat sich die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen (1420) im Vergleich zu 2024 (1595) reduziert, im Verhältnis zur Gesamtzahl der Tatverdächtigen ist sie aber auf 53 Prozent angestiegen – ausländische Tatverdächtige sind also weiterhin deutlich überrepräsentiert.

Dazu muss gesagt werden, dass es Straftaten gibt, die Deutsche gar nicht begehen können. So berichtet Passaro davon, dass immer wieder Menschen im Polizeipräsidium auftauchten und Asyl beantragen wollten – „das erfüllt an sich schon den Straftatbestand des unerlaubten Aufenthalts“, sagt der Revierleiter.

Unter den Tatverdächtigen seien besonders viele Syrer. „Das kann verschiedene Gründe haben: Traumata oder auch eine gewisse Perspektivlosigkeit“, erklärt Passaro. „Aber Fakt ist: Sie sind überrepräsentiert und dagegen müssen wir etwas tun.“

3. Fahrraddiebstähle nehmen zu

169 gestohlene Fahrräder und Pedelecs wurden bei der Polizei im vergangenen Jahr zur Anzeige gebracht. Das sind fünf mehr als in 2024, „und ich kann Ihnen sagen: Der Trend setzt sich fort“, so Passaro. Die Täter sind für die Polizei schwer zu ermitteln, die Aufklärungsquote liegt nur bei knapp über fünf Prozent.

Besonders bizarr: Immer wieder komme es vor, dass gestohlene Fahrräder doch noch zum Besitzer zurückkommen – weil sie vom Dieb einfach irgendwo in der Stadt abgestellt werden.

4. Der „Autorüttler“ beschäftigt die Polizei

Ein Serientäter hat die Ludwigsburger Polizei im vergangenen Jahr auf Trab gehalten. Der Mann habe mehrfach kleinere Wertgegenstände wie Sonnenbrillen, Handys oder Münzgeld gestohlen. Allerdings ohne die Autos aufzubrechen. Er sei einfach durch die Straßen gelaufen und habe an den Türen parkender Wagen gerüttelt, so Passaro – in der Hoffnung, dass jemand nicht abgeschlossen hat. Die Beamten gaben ihm deshalb den Namen „Autorüttler“.

Weil viele Häuser – und sogar manche Autos – mittlerweile Überwachungskameras haben, sei der Täter schnell überführt worden und ins Gefängnis gekommen. „Anfang des Jahres kam er dann wieder frei und keine zehn Tage später ging es von vorne los“, erzählt Guido Passaro. Mittlerweile säße der Mann deshalb wieder in der Zelle.

5. Graffiti werden selten angezeigt

Seit Februar 2025 tauchen im Stadtgebiet immer wieder Graffiti mit der Aufschrift „Köter“ oder „Kötr“ auf. Auch Antifa-Graffiti mit Hammer und Sichel seien laut Passaro verbreitet. Wie viele aufgesprühte Schriftzüge es in der Stadt gäbe, sei schwer zu sagen. „Wir nehmen die Dinger wahr, aber es wird nicht alles angezeigt“, sagt der Polizist.

Ein Graffiti prangt an der Seitenwand der Bäckerei Trölsch in der Myliusstraße. Foto: Maximilian Kroh

Das sei aber wichtig, damit die Polizei sich ein genaueres Bild verschaffen und mögliche Täter überführen könne. Genauso wichtig sei es, die Schriftzüge schnell zu entfernen, um keine Nachahmer anzulocken. „In den meisten Fällen zahlt das die Versicherung“, sagt Passaro.

6. Jugendliche trinken weniger Alkohol

Erfreuliches hat Guido Passaro von den Straftaten unter Alkoholeinfluss zu berichten, die besonders bei den Unter-21-Jährigen zurückgehen. „Vor zehn Jahren war das noch ein riesiges Problem, aber die Zeiten von Komasaufen und Vorglühen sind vorbei“, sagt er.

Stattdessen werde verstärkt gekifft, was wegen des Cannabisgesetzes häufig aber erlaubt sei. „Kiffen sediert eher als aggressiv zu machen. In der Hinsicht war das Gesetz also keine schlechte Maßnahme.“