Straftaten gab es dennoch: Die beiden Polizeibeamten Sven Schüler und Tobias Bühler präsentieren die aktuelle Rutesheimer Kriminalstatistik.
Einmal im Jahr ist die Polizei im Rutesheimer Gemeinderat zu Gast, um die Kriminalstatistik aus dem jeweils vergangenen Jahr zu präsentieren. Das aktuell beruhigende Fazit von Sven Schüler, Leiter des Polizeireviers Leonberg, sowie von Tobias Bühler, neuer Leiter des Polizeipostens in Rutesheim, lautet: „In Rutesheim kann man gut und sicher leben.“
Dennoch wurden in der Kommune im Jahr 2023 insgesamt 413 Straftaten erfasst – das waren acht weniger als noch ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: Angestiegen von 2059 auf 2119 sind die Straftaten in Leonberg. Und auch im gesamten Land Baden-Württemberg sind die Zahlen gestiegen: Waren es im Jahr 2022 noch etwa 550 000 Straftaten, wurden im vergangenen Jahr etwa 595 000 registriert. Die Aufklärungsquote liegt in Rutesheim bei 71,7 Prozent – landesweit bei 63 Prozent.
Häusliche Gewalt steht täglich auf dem Programm
Auffallend ist in der Rutesheimer Übersicht der unterschiedlichen Delikte die exorbitante Zunahme der „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ um 143 Prozent. „Das klingt erschreckend, doch diese Zahl ist deshalb so hoch, weil wir einen Fall hatten, wo pornografisches Material geteilt wurde und alle Empfänger in dieser Statistik mit auftauchen“, erklärte Sven Schüler. Dennoch: Die Delikte in diesem Bereich sind von sieben auf 17 gestiegen. „Häusliche Gewalt steht nahezu täglich auf dem Programm“, sagte Sven Schüler und bezog damit seinen gesamten Leonberger Zuständigkeitsbereich mit ein. Angestiegen seien Internetbetrügereien. Allgemeine Betrugsfälle (40), Beleidigungen (33), Sachbeschädigungen (33) und Rauschgiftkriminalität (32) waren hingegen im Vergleich zum Vorjahr rückläufig. So auch Diebstahlsdelikte – die sich von 93 im Jahr 2022 auf 81 Fälle im vergangenen Jahr reduzierten. Hier hakte allerdings die CDU-Fraktionsvorsitzende Christina Almert, die im Ort zusammen mit ihrem Bruder einen Baumarkt führt, nach, weil ihres Erachtens die Diebstähle organisierter Banden zugenommen hätten: „Die Einzelhändler stoßen irgendwann an ihre Grenzen, und es kommt zu keinen Verhandlungen, auch wenn die Täter erwischt werden.“ Die Polizeibeamten beteuerten, dass sie darauf keinen Einfluss hätten: „Das obliegt der Verantwortung der Staatsanwaltschaft.“
Insgesamt 204 erwachsene Tatverdächtige
Insgesamt 204 erwachsene Tatverdächtige, 21 Heranwachsende, 22 Jugendliche und 13 Kinder sind in der aktuellen Kriminalstatistik aufgeführt. Unterscheidet man diese 260 Personen nach ihrer Nationalität, waren unter den Tatverdächtigen 114 deutsche Staatsbürger, 146 Nichtdeutsche, davon 74 Asylbewerber oder Geflüchtete. „Allein 50 Fälle haben mit einem Verstoß des Aufenthaltsrechts zu tun“, so Schüler.
Die Polizei hat im vergangenen Jahr insgesamt hundert Verkehrsunfälle aufgenommen, 21 außerhalb und 79 innerhalb der Stadt, dabei gab es einen Schwerverletzten und insgesamt 26 Leichtverletzte. Die Unfallursachen waren verschiedener Art: mangelnde Verkehrstüchtigkeit, zu hohe Geschwindigkeit, zu wenig Abstand, die Vorfahrt missachtet oder - und das waren die häufigsten Fälle (19) – passierte ein Malheur etwa beim Abbiegen, Wenden oder beim Rückwärtsfahren. Unfallfluchten gab es 54 innerhalb von Rutesheim sowie fünf außerhalb der Kommune.
Beim Thema Verkehrsüberwachung unterscheiden die Polizeibeamten in ihrer Statistik nicht nach den unterschiedlichen Ortschaften, sie gilt für das gesamte Leonberger Revier. Und hier registrierten sie insgesamt 789 Verstöße am Steuer mit dem Mobiltelefon. „Es ist ein großes Problem, dass die Leute während des Autofahrens telefonieren“, sagte Sven Schüler. Noch größer war allerdings die Zahl der Autofahrer, die sich nicht regelgerecht angeschnallt hatten (1351). Insgesamt 598 Geschwindigkeitsverstöße wurden im vergangenen Jahr im Leonberger Revier registriert, in 96 Fällen standen Autofahrer unter Drogen-, 89 Mal unter Alkoholeinfluss.
Polizei auch in Sachen Prävention unterwegs
Auch in Sachen Prävention ist die Polizei regelmäßig unterwegs, sie hatte im vergangenen Jahr 104 Veranstaltungen an den Schulen, an denen insgesamt knapp 2700 Schülerinnen und Schüler teilgenommen haben. Und in fünf Klassen boten die Beamten eine Radfahrausbildung an, damit die Kinder später sicher unterwegs sein können. Ausgehend vom Polizeipräsidium Ludwigsburg werden in der „dunklen Jahreszeit“ Präsenz- und Fahndungsstreifen auf den Weg geschickt: zur Bekämpfung der Wohnungseinbruchkriminalität – in Rutesheim gab es ein Delikt im vergangenen Jahr – und um das Sicherheitsgefühl zu steigern.
Bürgermeisterin Susanne Widmaier verwies noch einmal auf das gute Abschneiden Rutesheims beim Heimatcheck unser Zeitung. „Demnach lebt man gut in unserer Stadt. Wichtig ist dennoch, dass es die Polizei gibt und wir sie rufen dürfen, wenn es Probleme gibt.“