Der Drogenmarkt blüht – nicht nur in illegalen Gärten mit Hanfpflanzen. Foto: dpa

Wie kann das sein? Obwohl die Zahl der Straftaten in Stuttgart deutlich sinkt, wächst die Drogenkriminalität auf Rekordniveau. Das muss beunruhigen, meint unser Redakteur Wolf-Dieter Obst.

Stuttgart - Vielleicht sind die illegalen Drogen ein bisschen aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten. Weil sie irgendwie zum Alltag geworden sind. Und weil die Drogensucht offenbar nicht mehr so als Gefahr empfunden wird wie noch vor 20 Jahren. Damals gab es Szene-Brennpunkte in der Stadt, damals waren Autoaufbrüche Massendelikte, weil sich Süchtige Geld für Stoff verschafften mussten.

Und heute? Da steigt die Drogenkriminalität, die zum Großteil durch den illegalen Besitz und Erwerb von Cannabis begangen wird, plötzlich auf einen Rekordwert. Und das in Zeiten deutlich sinkender Straftaten. Drogendelikte machen fast jede zehnte polizeilich registrierte Straftat in Stuttgart aus. Die Beschaffungskriminalität vom Einbruch bis zum Raub nicht mitgerechnet. Ist das die Folge einer jahrzehntelangen Verharmlosung einer sogenannten weichen Droge? Wenn geringe Mengen angeblich straffrei konsumiert werden dürfen, kann das noch nicht so schlimm sein. Oft heißt es auch: Ist denn Alkohol nicht viel schlimmer?

Aufregung gibt es meist nur dort, wo weggeworfene Spritzen mit Händen zu greifen sind, wo Diebstähle und Einbrüche Beschaffungskriminalität spürbar machen. Dass die Polizei aber auch in allen Lebenslagen, besonders im Straßenverkehr, auf Drogen und Konsumenten stößt, ist ein Alarmsignal. Eine Freigabe wäre der falsche Weg: Schon mit der legalen Droge Alkohol, die im Straßenverkehr und sogar bei 40 Prozent aller Gewaltdelikte in Stuttgart eine Rolle spielt, gibt es Probleme genug.

wolf-dieter.obst@stzn.de

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