In Filderstadt und in Leinfelden-Echterdingen waren mehr Ladendiebe unterwegs als im Jahr zuvor. Foto: imago images/Panthermedia/AndreyPopov

Das Polizeirevier hat für Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2023 vorgelegt. In Summe war es ruhig in den Kommunen. Einzelne Delikte stechen jedoch heraus.

Gelegenheit macht Diebe, heißt es. Ob es in Filderstadt im vergangenen Jahr mehr Gelegenheiten für Ganoven gab, lange Finger zu machen, ist unklar. Fakt ist jedoch: 2023 wurde in der Stadt deutlich mehr geklaut als noch im Jahr zuvor. Das geht aus der Kriminalitätsstatistik hervor, die nun dem Gemeinderat vorgelegt wurde.

 

Demnach wurden 2023 im örtlichen Polizeirevier 88 Diebstahlsdelikte mehr gezählt als noch im Jahr zuvor. In Summe waren es 2023 in Filderstadt 492 Taten. Unter anderem Ladendiebstahl hat klar zugenommen, nämlich um 35 auf insgesamt 140 Taten. „Das mag durchaus mit der Zuwanderung zusammenhängen“, sagt Steffen Schmidt, der Filderstädter Revierleiter, entwendet worden seien vor allem Hygieneprodukte oder Alkoholika. Die Wohnungseinbrüche lagen mit zwölf im vergangenen Jahr auf einem unverändert niedrigen Niveau. Zum Vergleich: 2019 waren es 58 Einbrüche gewesen.

In Summe lebt es sich sicher in dieser Stadt. „Aktuell ist es erfreulich ruhig“, sagte Steffen Schmidt in der Sitzung, und das meinte er auch in Bezug auf die Bandengewalt, die zuletzt im Großraum Stuttgart eskaliert war. 2023 gab es in Filderstadt keine sogenannten Straftaten gegen das Leben. Zwar weist die Statistik hier offiziell zwei Fälle aus, doch der eine rührt noch aus dem Jahr 2022, der zweite Fall war doch kein versuchtes Tötungsdelikt, wie sich später herausstellte. 2023 wurden fünf Vergewaltigungen mehr angezeigt – in Summe sieben, bei allen hatten Opfer und Täter eine Beziehung zueinander – und 26 sogenannte Rohheitsdelikte mehr (356 in Summe). Der Anstieg bei letzteren Taten dürfte laut Steffen Schmidt im Wesentlichen aus der Zunahme von Bedrohungen resultieren. Andere Zahlen sind wiederum stark gesunken: 61 Sachbeschädigungen weniger (218), 90 Betrugsfälle weniger (183), 89 Vermögens- und Fälschungsdelikte weniger (272).

Ein Blick in die Kriminalstatik von Leinfelden-Echterdingen zeigt: Auch dort wurde im vergangenen Jahr mehr geklaut als noch im Jahr zuvor. Der auch für diese Kommune zuständige Revierleiter Schmidt hat das Zahlenwerk am Dienstagabend den Kommunalpolitikern präsentiert. Es wurden 379 Diebstahlsdelikte und damit 73 mehr gezählt als 2022. 75 Mal haben sich die Diebe in einem Laden zu schaffen geschafft, 19 Mal sind die Langfinger in eine Wohnung eingebrochen, um dort nach Wertgegenständen zu suchen.

Ein Anstieg wurde auch bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung festgestellt. Hier gab es im vergangenem Jahr elf mehr als 2022. Zwei Vergewaltigungen wurden angezeigt, elf Mal musste sich das Revier mit der Verbreitung pornografischer Schriften beschäftigen. Nach oben gegangen ist auch die Anzahl der Rohheitsdelikte, zu denen auch Raub und Körperverletzungen zählen. 30 Fälle mehr gab es laut der Statistik; 252 wurden insgesamt erfasst. Es gab auch mehr Rausch-, Gewalt-, und Straßenkriminalität. Stark gesunken ist auch in Leinfelden-Echterdingen die Zahl der Sachbeschädigungen. Hier wurden 42 Fälle weniger zur Anzeige gebracht. Die Gewalt gegen Polizeibeamte hat wieder abgenommen – von 17 auf acht Fälle.

Insgesamt lasse es sich in Leinfelden-Echterdingen sicher leben, sagt Lutz Jaksche, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums Reutlingen unserer Zeitung. Die Kriminalität dort liege deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Dass es mehr Rohheitsdelikte und Diebstähle gebe, sei landesweit zu beobachten, sagt er. Das habe mit der Wiederbelebung des öffentlichen Lebens nach der Coronapandemie zu tun und der hohen Inflation im vergangenem Jahr.

Hohe Dunkelziffer beim Telefonbetrug

Nicht enthalten sind in der Statistik Ordnungswidrigkeiten, Staatsschutz- und Verkehrsdelikte sowie Auslandsstraftaten. Zu den letztgenannten Straftaten gehören auch die Telefonbetrüger, die etwa mit dem Enkeltrick teils hohe Geldsummen erbeuten und in der Regel international agieren. Hier gab es im gesamten Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Reutlingen – also in Filderstadt, in Leinfelden-Echterdingen, in Neuhausen, Denkendorf und Ostfildern – im vergangenen Jahr 1969 Fälle und damit 102 mehr als im Jahr zuvor. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Das betonte auch Steffen Schmidt am Dienstag im Gemeinderat von Leinfelden-Echterdingen. Die Polizei bietet dazu viel Aufklärung an. In den Medien werde immer wieder vor diesen Straftaten gewarnt. „Ich glaube, man kann gar nicht mehr machen“, sagte er.

Einbrüche gebe es insbesondere in der dunklen Jahreszeit. „Wir beobachten die Entwicklung sehr genau. Wenn es Schwerpunkte gibt, sind wir dort sehr präsent unterwegs.“ Aufklärung helfe ebenso. Das Landeskriminalamt verfüge über ein Sicherheitsmobil, dass man zu Beginn der dunklen Jahreszeit auch auf den Marktplatz holen könne, wenn es denn die Stadt möchte. Die Fallzahlen seien im Vergleich aber überschaubar, betonte er. Und sagte: „Es gibt nichts besseres als einen wachsamen Nachbarn.“ Seiner Meinung nach haben Videokameras kaum abschreckende Wirkung. Er rät vielmehr zu sicheren Türen und geschlossenen Fenstern.

Fallzahlen im Vergleich

Städtevergleich
 In Filderstadt sind die Fallzahlen zurückgegangen, um 3,7 Prozent auf insgesamt 1765 Straftaten im vergangenen Jahr. Das ist erstaunlich, wenn man Filderstadt mit ähnlich großen Städten im Umkreis vergleicht. In Ostfildern sind die Fallzahlen 2023 um 3,6 Prozent hochgegangen (1325 Straftaten), in Leinfelden-Echterdingen waren es plus 7,2 Prozent (1259). Unrühmlicher Spitzenreiter 2023: Nürtingen mit einem Plus von 27,6 Prozent mehr Straftaten (2284). Deutliche Steigerungen gab es hier wie in Filderstadt auch bei den Diebstählen, darunter zwei Serien von Gartenhausaufbrüchen, sowie bei den Betrugsdelikten.

Landkreiszahl
 Im gesamten Landkreis Esslingen wurden im vergangenen Jahr zehn Prozent mehr Straftaten registriert (23 159). Enorm erhöht hat sich auch kreisweit die Anzahl der Ladendiebstähle – um 1334 Delikte oder 36,6 Prozent auf 4982 Fälle.