Licht und Schatten wie am Bahnhof gibt es in einer Analyse zur Sicherheit in Ditzingen. Foto: Simon Granville

Obwohl landesweit die Kriminalität sinkt, registrierte Ditzingen 2025 einen Anstieg. Eine Untersuchung enthüllt überraschende Details zum Sicherheitsgefühl der Bürger.

In Ditzingen lebt man statistisch sicher, sicherer jedenfalls als das im Durchschnitt in den anderen Kommunen im Land der Fall ist. Diese Aussage gilt weiterhin, selbst wenn in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr geringfügig weniger Straftaten erfasst wurden als im Vorjahr, in Ditzingen hingegen die Zahl der registrierten Taten anstieg.

 

Selbst wenn die Gewaltkriminalität in vergangenen Jahr in Ditzingen um elf bis 12 Prozent auf genau 1128 Taten anstieg, ändere das nichts an der Kernaussage, sagt Jörg Feldmann von einer Beratungsgesellschaft. „Das ist ein Niveau, bei dem sich andere keine Gedanken machen. Aber es ist eine Steigerung.“ Der frühere Polizeibeamte berichtete am Montag im städtischen Ausschuss für Finanzen, Kultur und Soziales.

Die Kriminalstatistik der Polizei floss ein in eine Analyse zur Sicherheit und Zufriedenheit der Bürger, die die Stadt bei der Neuen Köhler Managementgesellschaft (NKMG) in Berlin beauftragt hatte. Der Auftrag war im Kontext einer Entwicklung in Ditzingen erfolgt, die sich Ende des Jahres 2023 mit Überfällen auf zwei örtliche Netto-Filialen zugespitzt hatte. Die Polizei nahm damals mehrere Tatverdächtige fest, alle höchstens 18 Jahre alt.

Problem aus Ditzinger Sicht: Körperverletzung und Sachbeschädigungen

Trotz der Festnahmen war die Bevölkerung aufgeschreckt, hatte es doch in den Wochen zuvor immer wieder Polizeieinsätze am Bahnhof gegeben. Größtes Problem aus Sicht der Ditzinger Stadtverwaltung stellten zu diesem Zeitpunkt „Körperverletzung gegenüber anderen Jugendlichen“ und „Sachbeschädigungen von Kindern und Jugendlichen“ dar. Die Täter waren zwischen zehn bis 16 Jahre alt.

Inzwischen hat sich die Situation beruhigt, weshalb es „so richtig keinen Grund mehr für die Analyse“ gebe – was ein positives Zeichen für Stadt und Polizei sei, hieß es nun am Montag. Gleichwohl: Neben den Zahlen der Statistik floss in die Analyse unter anderem das Ergebnis einer Bürgerbefragung ein. Ein Drittel der Angeschriebenen hatte die Fragen beantwortet. Das sei ein „gutes Ergebnis“, so Feldmann. Es zeige, „dass den Leuten das Thema nicht egal ist“.

Auf die Frage, wie sicher sie sich nach Einbruch der Dunkelheit fühlten, wenn sie alleine in ihrer Wohngegend zu Fuß unterwegs sind oder wären, antworteten zwei Drittel mit „sicher“ oder „eher sicher“, rund ein Drittel mit „unsicher“ oder „eher unsicher“. Dabei lässt sich sowohl ein Unterschied zwischen den Ortsteilen als auch in der Altersgruppe ausmachen: „Sicher“ beziehungsweise „eher sicher“ fühlen sich die Menschen demnach vor allem in Schöckingen und Hirschlanden. Auf die Gesamtstadt bezogen fühlten sich vor allem Senioren im Alter von 80 und älter „eher unsicher“ beziehungsweise „unsicher“. „Ihre Entscheidung wird sein: Ist mir die Zahl zu hoch oder nicht“, sagte Feldmann an die Stadträte gewandt.

Die Verwaltung hat die Frage in der Beratungsunterlage für die Stadträte bereits beantwortet. „Aus Sicht der Verwaltung ist der Anteil der Personen mit hohem Unsicherheitsgefühl nicht zu hoch.“ Deshalb müssten keine Maßnahmen abgeleitet werden, die Personalausstattung des Gemeindevollzugsdienstes sei ausreichend. Darüber war im Gemeinderat bereits in der Vergangenheit im Rahmen von Sparmaßnahmen gesprochen worden.

Unsicherheitsgefühl steigt, „je länger man keinen Uniformierten gesehen hat“

Das Unsicherheitsgefühl hat Folgen. Damit gehe ein „Vermeidungsverhalten“ einher, so Feldmann, man meide Plätze, Orte, Veranstaltungen. Auch steige das Unsicherheitsgefühl, „je länger man keinen Uniformierten gesehen hat“. Dabei sei eine „proaktive Kommunikationsstrategie der Uniformträger“ hilfreich. Feldmann, der frühere Polizeibeamte, legte dar, dass psychologische Faktoren das Sicherheitsgefühl der Menschen beeinflussten. Würden Bürger und Uniformierte in ein kurzes Gespräch kommen, bleibe das in Erinnerung. Der Eindruck wahrgenommen zu werden wirke wiederum dem diffusen Gefühl der Unsicherheit entgegen.

Einen weiteren Zusammenhang zeigte Feldmann in der 90-seitigen Analyse zwischen wirtschaftlicher Situation und Unsicherheitsgefühl der Menschen auf. Es lasse sich beobachten, „dass Personen, die sich unsicher fühlen, ein signifikant niedrigeres Einkommen angegeben haben und die eigene wirtschaftliche Lage öfter als schlecht bewerten“.

Bürgermeister will das Thema Beleuchtung prüfen

Ungeachtet dessen könne die Beleuchtung in der Tiefgarage und am Bahnhof optimiert werden – dort gebe es „durchaus Ecken“. Bürgermeister Ulrich Bahmer sagte zu, sich des Themas der Beleuchtung anzunehmen, die Vorschläge zur Ausleuchtung von Wegen und Plätzen zu prüfen und bei Machbarkeit umzusetzen.