Vor einem Jahr haben sich Raubüberfalle am Bahnhof von Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) gehäuft. Mittlerweile hat die Polizei deutlich weniger zu tun. Was ist jetzt anders?
Mehrere brutale Überfälle in wenigen Wochen: Vor einem Jahr häuften sich Fälle von Gewalt und Kriminalität im Umfeld des Bahnhofs von Bietigheim-Bissingen. Viele Fahrgäste und Passanten fühlten sich dort daher im vergangenen Jahr nicht mehr sicher. Stadt und Polizei haben mittlerweile reagiert. Zeigen die Maßnahmen Wirkung?
Vor allem in der Adventszeit 2024 und im Januar 2025 hatten sich die Raubüberfälle nahe dem Bahnhof ereignet. In allen Fällen waren die Täter in Gruppen unterwegs und verhielten sich äußerst gewalttätig. Danach war es eine Weile ruhiger, bis Ende Juni ein 17-jähriger Teenager im Bahnhofsumfeld überfallen wurde. Seither hat sich die Lage nach Aussage der Polizei deutlich entspannt. „Größere Auseinandersetzungen mit Personengruppen oder Raubdelikte waren nicht mehr zu verzeichnen“, teilt Sprecher Steffen Grabenstein mit.
Vorplatz wird besser ausgeleuchtet
Mit einer Petition, ausgehend von der Bietigheimerin Bürgerin Natalia Schenker, wurden im vergangenen Sommer Unterschriften für mehr Sicherheit am Bahnhof gesammelt. Mehrfach war die Sicherheitslage am Bahnhof Thema bei den Sitzungen des Gemeinderates von Bietigheim-Bissingen. Dabei wurden mehrere Schritte beschlossen, um die Kriminalität einzudämmen und den Fahrgästen von Bus und Bahn ein besseres Gefühl zu vermitteln.
Unter anderem wurde entschieden, den Bereich vor dem Bahnhofsgebäude besser auszuleuchten. Dazu gab es bereits zwei Ortstermine. Die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen haben inzwischen damit begonnen, weitere Strahler zu installieren und defekte Leuchten zu reparieren. „Zudem wurden verbesserte Leuchtmittel bestellt, die in sämtlichen Lampen im Bereich rund um den Bahnhofsvorplatz eingesetzt werden sollen“, teilt Anette Hochmuth, die städtische Pressesprecherin, mit. Sie sollen noch im ersten Quartal dieses Jahres eingebaut werden.
Ordnungsdienst ist noch nicht im Einsatz
Im vergangenen Juni wurde außerdem entschieden, einen Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) einzuführen. Dieser soll nicht nur, aber auch das Umfeld des Bahnhofs überwachen und mit seiner Präsenz potenzielle Straftäter abschrecken. Bisher ist der KOD aber nicht im Einsatz, weil die dafür ausgeschriebenen Stellen noch nicht besetzt wurden. „Abhängig von der Bewerberlage geht die Stadt davon aus, dass wir zum zweiten Quartal 2026 starten können“, teilt Hochmuth dazu mit.
Rechtlich nicht möglich ist eine Videoüberwachung am Bahnhof, weil dafür die Voraussetzungen fehlen: Bundes- und Landespolizei sehen keinen besonderen Kriminalitätsschwerpunkt. In einem offenen Brief an die Bundestags- und Landtagsabgeordneten der Region Bietigheim-Bissingen hatte Oberbürgermeister Jürgen Kessing gefordert, die rechtlichen Grundlagen für den Einsatz der Kameras zu schaffen. Bisher habe nur der Landtagsabgeordnete Tobias Vogt (CDU) positiv reagiert, heißt es dazu seitens der Stadt. Das weitere Vorgehen bleibe daher abzuwarten.
Zwar hat es seit dem Sommer keine Überfälle mehr am Bahnhof gegeben. Körperverletzungen und Diebstähle kommen jedoch immer mal wieder vor. Darüber hinaus hat subjektive Sicherheitsempfinden vieler Nutzer des Bahnhofs gelitten. Wie schon in den vergangenen Monaten wird das zuständige Polizeirevier den Bahnhofsbereich daher im Fokus behalten und regelmäßig bestreifen, kündigt Grabenstein ein. Die Sicherheitspartnerschaft mit der Stadt soll fortgeführt werden. Das nächste Treffen zum gegenseitigen Austausch ist für das kommende Frühjahr geplant.