Woanders gibt’s Doubletime, im Immer Beer Herzen Humor aufs Haus. Foto: Sascha Maier

Das Immer Beer Herzen in der Stuttgarter Altstadt wurde Ziel einer Straftat. Die Wirtin glaubt, dass es Junkies waren.

Stuttgart - Häufig ist es so, dass der Schaden, der bei einem Einbruch durch rabiates Vorgehen entsteht, höher ist, als der Verlust der gestohlenen Gegenstände. In der Kneipe Immer Beer Herzen, der Einfachheit halber von vielen Stammgästen kurz IBH genannt, war es zum Glück anders. Irgendwann zwischen Sonntagnacht und Montagmittag haben sich an der Hauptstätter Straße Unbekannte durch eine Feuertür Zutritt verschafft und einen Fernseher, einige hundert Euro Bargeld und Hochprozentiges gestohlen. Doch anstatt sich von dem Einbruch einschüchtern zu lassen, nimmt man den Zwischenfall mit Galgenhumor.

Sonst stehen auf der Aktionstafel in der Altstadtkneipe im Leonhardsviertel Getränkeaktionen, Veranstaltungshinweise und manchmal auch ganz einfach Blödsinn. Nach dem Einbruch haben die Betreiber den Vorfall mit den Worten „Heute? Einbruch“ kommentiert. Und auch wenn am Tresen gelacht wird, weil die Täter offenbar den billigsten Fusel statt hochwertigen Spirituosen entwendet haben, hat der Einbruch für Henriette Trauer, die Wirtin, doch einen ernsten Hintergrund.

Drogensüchtige flanieren vor der Kneipe

Für sie weist nämlich einiges auf Beschaffungskriminalität von Drogensüchtigen hin. „Sonntags, wenn wir geschlossen haben, halten sich viele Leute aus der Drogenszene auf den Garnituren unserer Außengastro auf“, hat Trauer beobachtet. Und auch das nicht unbedingt professionelle Vorgehen der Einbrecher sei ein Hinweis für Beschaffungskriminalität. Erwiesenermaßen hat das ganze Viertel seit diesem Jahr wieder ein Drogenproblem. Klagen wurden aus unterschiedlichen Ecken laut: Von der Stadtteilpolitik, von der Jakobschule, sogar von den Bordellbetreibern im Rotlichtviertel, und schließlich auch von den Wirten.

Für die Polizei ist dieser Schluss, dass es sich um ein Delikt handelt, das der Drogenszene zuzurechnen sei, zu voreilig. „Das ist zwar nicht auszuschließen, aber unsere Ermittlungen dauern noch an“, sagt Rainer Struensee, ein Sprecher des Polizeipräsidiums Stuttgart. Immerhin ist die Polizei mittlerweile auch mit Fußstreifen der Sicherheitskonzeption Stuttgart (SKS) im Leonhardsviertel aktiv.

Ob das reicht? Henriette Trauer ist da nicht so sicher.

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