Unter einer Brücke an einem kleinen Bachlauf in Filderstadt-Bonlanden wurde im August 2025 eine Leiche in einem Koffer gefunden. 24 Straftaten gegen das Leben wie Mord oder Totschlag wurden 2024 im Kreis registriert. 2025 waren es 22. (Archivbild) Foto: Markus Lenhardt/dpa

Mehr als 12.000 Menschen sollen laut Kriminalstatistik 2025 einer Straftat im Kreis Esslingen überführt worden sein. Wer sind sie?

Trockene Zahlen geben nur unvollkommen die Angst und das Leid von Opfern und Angehörigen wieder. 22 Straftaten gegen das Leben wie Mord, Totschlag oder fahrlässige Tötung etwa im Straßenverkehr wurden im letzten Jahr im Kreis Esslingen registriert. Laut polizeilicher Kriminalstatistik kam es zu 29 Vergewaltigungen, 2680 Körperverletzungen und 5475 Diebstählen. Insgesamt wurden 5884 Menschen im Vorjahr in der Region Opfer von Straftaten. Wer waren diese Geschädigten? Und wer hat ihnen das angetan?

 

Fakten, Fakten, Fakten. Die Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Reutlingen für die Landkreise Reutlingen, Zollernalb, Tübingen und Esslingen gibt neben den Zahlen für den gesamten Einzugsbereichen auch Daten aufgeteilt nach einzelnen Regionen wieder. 23 074 Straftaten haben sich laut diesen Erhebungen 2025 im Kreis Esslingen ereignet.

Hinter den bloßen Zahlen stecken viele menschliche Tragödien – etwa Verbindungen zwischen Tätern und Opfern. Der unbekannte Mann, die unbekannte Frau als Verursacher von Straftaten – die gibt es auch. Natürlich. Doch bei 45,2 Prozent der Vergehen im Kreis Esslingen bestand im Vorjahr laut Polizei eine Vorbeziehung. Geschädigter und Tatverdächtiger haben sich der Kriminalstatistik zu Folge unterschiedlich gut gekannt. Zum größten Teil, zu 22,4 Prozent, wurden partnerschaftliche, eheliche oder familiäre Verbindungen festgestellt. Weniger häufig sind mit 18,8 Prozent informelle soziale Beziehungen oder formelle soziale Beziehungen mit vier Prozent. Bei 52,2 Prozent der Straftaten kannten sich Opfer und Täter dagegen nicht. Bei dem Rest der Fälle ist der Status ungeklärt.

73,7 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen sind Männer

Für Aufsehen hatte im Februar 2025 die Tötung einer 72-Jährigen durch ihren um ein Jahr älteren Ehemann in Esslingen gesorgt. Familienangehörige hatten die Polizei verständigt Foto: imago/Herrmann Agenturfotografie

Wer sind die Täter? Über die Hälfte der Tatverdächtigen kamen nach Polizeiangaben aus der näheren Umgebung des Tatorts. 5397 mögliche Täter haben in der Gemeinde gelebt, in der sich das Verbrechen ereignet hat. 1777 Personen stammen aus dem Esslinger Kreisgebiet, 1701 aus einer sonstigen Gemeinde in Baden-Württemberg. Von außerhalb kommen die Täter seltener. 427 der Verdächtigen lebten in einem anderen Bundesland, 2786 der mutmaßlichen Verbrecher wohnten nicht in Deutschland. Die restlichen Verdächtigen haben entweder keinen festen Wohnsitz oder ihre Adresse war der Polizei nicht bekannt.

Über 70 Prozent der Täter waren männlich

Wie sieht es mit den Etiketten aus, die Straftätern gerne verpasst werden? Männlich, jung und schon einmal straffällig gewesen? Der Anteil der Männer unter den möglichen Tätern ist in der Tat hoch. Die Quote männlicher Verdächtiger lag auch im Fünf-Jahres-Vergleich seit 2021 konstant bei über 70 Prozent. Im Vorjahr waren 9277 oder 73,7 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen männlich. Nur 3308 oder 26,3 Prozent waren dagegen weiblich.

Kriminelle sind meist sehr jung? Wie sieht es mit diesem Vorurteil aus? Stimmt so nicht. Die Zahl der Erwachsenen ab 21 Jahre, die 2025 in der Region Esslingen straffällig geworden sein sollen, schwankt um die 80-Prozent-Marke. 80,6 Prozent oder 10 142 Personen waren 2025 älter als 21 Jahre. Die Jüngeren sind in der Minderzahl. Auffällig wurden nach Polizeiangaben 783 Kinder unter 14 Jahren, 899 Jugendliche zwischen 14 und unter 18 Jahren sowie 761 Heranwachsende von 18 bis unter 21 Jahren.

Schon einmal auffällig gewesen und gleich wieder kriminell? Dieses Vorurteil ist falsch. Wiederholungstäter machen nach Zahlen der Polizei etwas mehr als ein Drittel der mutmaßlichen Täter aus. 34,7 Prozent oder 4363 Menschen waren zuvor schon einmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

2680 Körperverletzungen wurden 2025 im Kreis Esslingen von der Polizei registriert. Foto: Rainer Fuhrmann - stock.adobe.com

5884 Menschen wurden Opfer von Straftaten

Welche Nationalität haben die Tatverdächtigen? Die Kriminalstatistik spricht für den Landkreis Esslingen von 59,9 Prozent oder 7536 nichtdeutschen Personen, die im Vorjahr eine Straftat begangen haben sollen. Das Papier unterscheidet bei dieser Aufzählung aber nach der Art der Straftaten. Berücksichtigt und separat aufgelistet werden etwa Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz, das Asylgesetz oder das Freizügigkeitsgesetz innerhalb der Europäischen Union, die fast ausschließlich von Ausländern begangen werden können. Zieht man diese Delikte ab, bleiben 47,2 Prozent nichtdeutsche Tatverdächtige. 2024 waren es noch 46,3 Prozent, 2023 45,3 Prozent.

Wer waren die Opfer? Die Kriminalitätsstatistik spricht von 5884 Menschen, die im Vorjahr im Kreis Esslingen unter einer Straftat zu leiden hatten. Das sind zwei Geschädigte mehr als 2024. Die meisten waren erwachsen. 70,6 Prozent waren zwischen 21 und 59 Jahren, 8,8 Prozent über 60 Jahre alt. Wie bei den Tätern sind auch bei den Opfern die Jüngeren in der Minderzahl. 7,9 Prozent der Geschädigten waren laut Polizei Kinder, 7,7 Prozent Jugendliche und 5,1 Prozent Heranwachsende.

Ungeschoren mit einer Straftat davon zu kommen – die Chancen stehen nicht so gut. Die Aufklärungsquote für den Kreis Esslingen 2025 gibt die Polizei mit 66,4 Prozent an. Die Anzahl der gelösten Straffälle sei damit seit 2016 angestiegen, als noch 62 Prozent aller Delikte aufgeklärt werden konnte.

Schwere Straftaten in der Region

Einwohner
Die Kriminalitätsbelastung im Einzugsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen mit den Landkreisen Esslingen, Reutlingen, Tübingen und Zollernalb gibt die Polizei mit 4004 Straftaten pro 100 000 Einwohnern an. Die Zahl liege um 3,1 Prozent unter den Werten von 2024. Nach wie vor befinde sich die Quote signifikant unter dem landesweiten Durchschnitt, der in Baden-Württemberg bei 4902 Straftaten pro 100 000 Einwohnern liege. Laut Statistischem Bundesamt leben im Kreis Esslingen 536 601 Menschen, im Kreis Reutlingen 293 483 Personen, im Kreis Tübingen 233 546 Personen und im Zollernalb-Kreis 193 326 Menschen.

Schwere Straftaten
Bei den Straftaten gegen das Leben wie Mord oder Totschlag wurden im Vorjahr im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums Reutlingen 48 Fälle registriert – ein Plus um drei Fälle gegenüber 2024. Die Aufklärungsquote ist laut Polizei um 0,5 Prozentpunkte auf 93,8 Prozent gestiegen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 50 330 Straftaten im gesamten Einzugsbereich verübt. Das bedeutet laut Polizei einen Rückgang um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.