Martina Fiess findet die Komposition beim Bücherschreiben spannend. Foto: privat

Martina Fiess liest in der Stadtbücherei aus ihrem aktuellen Krimi. Sie erzählt über den Kontakt zum Publikum und das Schreiben.

Gerlingen - Mit „Tod am Bärensee“ hat Martina Fiess den fünften Band ihrer Stuttgart-Krimiserie um die Stadtführerin Bea Pelzer vorgelegt. Für ihre Bücher sucht sich die Autorin lokale Winkel. Der Bärensee ist nahe der Gerlinger Markung, die Solitude nicht weit entfernt. Martina Fiess kann sich vorstellen, dass in einem ihrer nächsten Werke das Strohgäu eine größere Rolle spielt.

Frau Fiess, warum wird in ihrem neuesten Krimi am Bärensee ein Mord begangen?
Ich habe bis letzte Woche in Stuttgart-Vaihingen gelebt, in der Nähe des Bärensees. 2006 erschien mein erster Stuttgart-Krimi. Ich habe mir für die Krimis neben bekannten Orten auch Ecken ausgesucht, die nicht jeder kennt. Ich hatte das Glück, dass keiner meiner Autorenkollegen die Handlungsorte meiner Bücher vor mir entdeckte, wie die Markthalle oder den Bärensee.
Eignet sich Stuttgart überhaupt als Tatort?
Stuttgart ist hübsch und überschaubar, aber trotzdem eine Großstadt und multikulti. Das alles finde ich reizvoll, auch die Weinstuben. Die Kehrwoche aber ist unsäglich. Ich hadere damit, wie die Stadt auswärts wahrgenommen wird, zum Beispiel in Köln oder Berlin.
Apropos Bärensee. Der ist von Gerlingen nicht weit weg. Spielt die Stadt eine Rolle?
Das Bärenschlössle und Schloss Solitude spielen eine Rolle – eine reizvolle Gegend, nicht nur zur Erholung. Insofern sind Teile der Stadt mit eingebunden, die die Gerlinger von ihren Spaziergängen her kennen. Es gibt aber auch Szenen, die in Ludwigsburg oder auf den Fildern spielen.
Könnte ihr nächster Krimi in Gerlingen oder im näheren Strohgäu angesiedelt sein?
Mal schauen, wie die Lesung in der Stadtbücherei läuft. In den Gesprächen danach steckt häufig der eine oder andere Hinweis, der für mich als Autorin wichtig werden kann. Ich bekomme nach Lesungen auch häufig Fotos von Orten zugesandt, die etwas Zwielichtiges an sich haben.
Unweit der Stadtbücherei, in der Ihre Lesung stattfindet, ist vor mehr als 20 Jahren ein Mord geschehen. Wäre das für Sie ein Stoff oder ein Aufhänger für eine Story?
Bisher war in meinen Krimis alles fiktiv. Aber, wie gesagt: Tipps sind immer gut.
Das Strohgäu bietet mit der Landschaft und der Struktur der Kommunen doch auch jede Menge Ansatzpunkte.
Sie haben schon recht, das Strohgäu ist interessant. Ich kenne die Gegend ganz gut, weil ich, auch während des Studiums der Kunstgeschichte in Stuttgart, zehn Jahre lang in Korntal gelebt habe.
Wie wird denn Ihre Veranstaltung in der Stadtbücherei ablaufen?
Ich lese etwa eine Stunde lang verschiedene Passagen aus dem Buch. Wer der Täter ist, wird natürlich nicht verraten.
Damit die Zuhörer ein paar Bücher kaufen.
Auch das ist ein Aspekt.
Lassen Sie uns noch über das Büchergewerbe reden. Das Krimischreiben ist ja nur ein Teil dessen, was Sie tun.
Ich habe, wie meine Hauptfigur Bea Pelzer im Buch, früher in einer Werbeagentur gearbeitet. Diese haben für Außenstehende eine Glamour-Atmosphäre. Das ist aber ein Gerücht. Arbeit in einer Agentur ist ein harter Job mit vielen Zwängen. Sie sind oft auch nachts und am Wochenende im Büro.
Sie waren auch im Bereich Sachbuch tätig.
Als Autorin und Lektorin in Stuttgarter Verlagen. Eigentlich wollte ich Science Fiction machen, bin also auf Umwegen zum Kriminalroman gekommen. Als Krimiautorin baue ich ein Rätsel auf und schreibe auf dessen Auflösung hin. Das Konstruierte, die Komposition, finde ich spannend. Der Leser aber sollte das planvolle Vorgehen nicht bemerken.
Genau dafür haben Sie ja als Autorin dann alle Zeit der Welt.
Eben nicht. Schreiben ist eine kreative Arbeit – aber mit Vorgaben. Wenn der Verlag das Skript mit Handlung und Figuren akzeptiert, ist der Abgabetermin fixiert. Viele Ankündigungen für die Werbung müssen fertig sein, bevor das Manuskript steht. Ich kenne als Autorin die Handelnden, die Motive, die Schauplätze und den dramaturgischen Bogen von Anfang an – aber eben nicht alles, was dann im fertigen Text steht. Vieles kommt erst beim Schreiben, und ich muss immer aufpassen, dass die Figuren sich nicht verselbstständigen.

Termin
Martina Fiess liest aus ihrem Kriminalroman „Tod am Bärensee“ am Donnerstag, 26. Januar, um 20 Uhr in der Stadtbücherei Gerlingen, Schulstraße 13. Karten zu acht Euro gibt es dort im Vorverkauf. Die Öffnungszeiten: dienstags, donnerstags und samstags 10 bis 13 Uhr, dazu dienstags und freitags 15 bis 18.30 Uhr und donnerstags 15 bis 19.30 Uhr.

Autorin
Martina Fiess, nach eigenen Angaben „Mitte Vierzig“, arbeitet selbstständig als Autorin, Journalistin und Werbetexterin in einer Stuttgarter Bürogemeinschaft. Sie lebte früher unter anderem im Strohgäu, auf den Fildern – und seit wenigen Tagen im Alb-Vorland.

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