Sigrid Ramge auf dem heimischen Sofa mit einem Stapel eigener Bücher. Das neueste heißt „Blutburgunder“. Foto: /Susanne Müller-Baji

Sigrid Ramge hat ihre neues Buch „Blutburgunder“ vorgelegt und verrät auch viel über das Krimi-Schreiben.

Stuttgart-Zuffenhausen - Eines Morgens liegt die 16-jährige Deutschtürkin Ayse tot in einem Uhlbacher Weinberg, und die Ermittlungen führen bis ins ferne Kappadokien: Mit „Blutburgunder“ kehren die rei’g’schmeckte Ermittlerin Irma Eichhorn und ihre schwäbischen Kollegen Peter Schmoll und Steffen Katz zurück, und es gibt weitere Parallelen zu den vorangegangenen Krimis von Sigrid Ramge. Vieles dreht sich wieder um den Weinbau; es wird gut gegessen und getrunken, und am Schluss geht es immer auch in die weite Welt hinaus.

Diese selbstauferlegten Parameter sind wichtig. Viele Autoren machen die Erfahrung, dass es sich leichter schreibt, wenn es bereits ein gewisses formales Gerüst für eine Geschichte gibt. Auch wenn es merkwürdig erscheint: Gerade die Beschränkung der Möglichkeiten bringt die Kreativität erst so richtig zum Sprudeln. Und das ist ein Thema, mit dem sich Sigrid Ramge bestens auskennt. Schließlich hat sie unter anderem in der Schreibwerkstatt des Studium generale der Stuttgarter Universität Anfängern zehn Jahre lang das Rüstzeug für eine gute Geschichte vermittelt. Einer ihrer wichtigsten Tipps: Viel schreiben, am besten täglich. Wer weiß schon, für was man es später brauchen kann: „Für die Reise nach Kappadokien habe ich meine Reisetagebücher aufgearbeitet“, verrät sie.

Für Ramge ist es bereits das elfte Buch. Außer den fünf Weinkrimis, sind auch mehrere Bände mit Kurzprosa entstanden, Jugendbücher wie das viel beachtete „Wanjiko und die schwarzen Störche“, sowie ihr Hauptwerk „Maifrost“, in dem sie ihre Familiengeschichte verarbeitet hat. Nach dessen Fertigstellung wollte sie eigentlich kürzer treten, und sie gibt zu, dass es ihr nach der fast zehn Jahre dauernden Arbeit daran nicht leicht gefallen sei, wieder zu den Krimis zurückzukehren. Denn diese folgen mit ihrer typischen Suche nach dem Täter einem relativ strengen Schema aus laufender Ermittlung und falschen Fährten. Es liegt am Können des Schreibers, seine Leser auf all diesen verschlungenen Pfaden mitzunehmen. Stimmen Sprache und Aufbau, kann man beim Lesen praktisch mitverfolgen, wie sich das Augenmerk immer wieder verschiebt: Der war es, denkt man im einen Moment und gerät im nächsten schon wieder in Zweifel.

Obwohl Ramge das Stuttgarter Umland so verführerisch schildert – mit seinen Wanderwegen, Sehenswürdigkeiten und den Möglichkeiten zur Einkehr, brodelt hier doch auch das Verbrechen: Zwei Jugendliche verschwinden, etliche Jahre zuvor gab es bereits einen ähnlich gelagerten Todesfall; in einem Gewächshaus wächst eine veritable Betäubungsmittelplantage, und in der Seniorenresidenz von Oma Katz gehen erschreckende Gerüchte um. Aber hat all das wirklich mit dem gewaltsamen Tod des Mädchens zu tun?

Noch etwas haben alle fünf Krimis gemein: Es gibt keine wilden Schießereien und keinen Showdown zwischen Held und Schurken. Dafür wird auf recht perfide Weise gestorben, und längst nicht immer ist der Wein daran Schuld. Auf den edlen Traubensaft als übergeordnetes Thema kam die aus Thüringen stammende und bereits seit 50 Jahren im Ländle lebende Autorin übrigens durch die Dominanz der Weinberge im Stuttgarter Stadtbild. „Und die Kombination von Wein und Krimis ist natürlich auch toll für Lesungen“, sagt die Autorin.

Allerdings soll damit nun endgültig Schluss sein: Sigrid Ramge will „nur noch Kurzerzählungen schreiben“. Allerdings hatte sie das Ende von Irma Eichhorn, genannt „Eichhörnle“, auch schon nach dem dritten Buch angekündigt, sich aber dem vielfachen Leserwunsch gebeugt. Es bleibt also spannend.

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