Kriegsende in Zuffenhausen Revolution ohne Blutvergießen

Von Bernd Zeyer 

Während es nach dem Ende der Kampfhandlungen im Jahr 1918 in vielen deutschen Städten Unruhen und sogar Schießereien gab, blieb es in der Garnisonsstadt Zuffenhausen relativ ruhig. Zur Rückkehr der Soldaten von der Front gab es sogar einen Festumzug.

Zuffenhausen - Am Sonntag ist es exakt 100 Jahre her: Mit dem Waffenstillstand von Compiègne endeten am 11. November 1918 die Kampfhandlungen des Ersten Weltkrieges. Bereits zwei Tage zuvor hatte in Berlin der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann die Republik ausgerufen. Das Ende der Monarchie war gekommen, überall in Deutschland bildeten sich Arbeiter- und Soldatenräte und übernahmen die Macht. Auch vor der damals noch selbstständigen Garnisonsstadt Zuffenhausen machten diese Ereignisse nicht Halt. Eine blutige „Novemberrevolution“ hat es aber nicht gegeben, die politischen Umwälzungen gingen recht geordnet über die Bühne.

„An die Einwohnerschaft von Zuffenhausen! Im Interesse der Ordnung ist es dringend notwendig, daß jedermann größte Ruhe bewahrt. Es sei sich jeder bewußt, daß Unordnung unser Verderben wäre. Meidet alle Aufläufe, sorgt dafür, daß die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet und der Verkehr nicht gestört wird . . . Bewahret Ruhe und Kaltblütigkeit!“, heißt es in einem Aufruf in der „Alltäglichen Rundschau“ vom 11. November 1918. Unterschrieben ist er mit „Arbeiter- und Soldatenrat Zuffenhausen“ – der zu diesem Zeitpunkt noch ein provisorischer war. Die eigentlich Wahl des Gremiums fand erst zwei Tage später am 13. November statt. Zum ersten Mal durften auch Frauen ihre Stimme abgeben. Gewählt wurde in der Turnhalle der Kaserne, die sich damals auf dem Kelterplatz befand. Die dortigen Schulen waren zum Quartier des Ersatzbataillons des 126. Infanterie-Regiments („Großherzog Friedrich von Baden“) umfunktioniert worden. Das Stamm-Regiment war seit 1871 in Straßburg stationiert, das Ersatzbataillon hingegen wurde im August 1914 in Zuffenhausen aufgestellt.

Viele Soldaten müssen demobilisiert werden

Da Elsaß-Lothringen und damit auch Straßburg nach Ende der Kampfhandlungen wieder an Frankreich fielen, wurde Zuffenhausen zumindest für einige Wochen zur neuen Heimat des gesamten Regiments. Da laut dem Waffenstillstandsvertrag die deutsche Armee binnen zwei Monaten demobilisiert werden musste, war Eile oberstes Gebot. Bereits am 14. November gab es deshalb eine große Notiz in der „Alltäglichen Rundschau“, in der die Bevölkerung darauf vorbereitet wurde, dass „in den allernächsten Tagen größere Truppenabteilungen hier einquartiert werden müssen“ und das eventuell sämtliche Häuser und Wohnungen belegt werden könnten.

Knapp einen Monat später war es dann tatsächlich so weit, die Soldaten, die im Krieg an der Westfront gekämpft hatten, kamen nach Zuffenhausen. Zum Empfang fand am 12. Dezember sogar ein Festumzug mit Appell statt. Dazu schmückten viele Bürger ihre Häuser mit Fahnen und Kränzen. „Gestern war auch ein Jubeltag. Galt es doch, das Feldregiment 126 in seinem neuen Heim willkommen zu heißen“, schreibt die „Alltäglichen Rundschau“ am 12. Dezember. In dem Artikel ist von „strammer Ordnung und musterhafter Disziplin“ die Rede, mit der die Soldaten durch die Stadt gezogen seien – in voller Montur und mit sämtlichen Waffen. Freudig habe die Jugend gejubelt, und Schultheiß Max Gutenkunst habe die Krieger von Herzen willkommen geheißen. „Zwischen der Stadt und dem Regiment habe sich schon längst ein Band der Freundschaft und aufrichtiger Zuneigung geschlungen“, steht in der „Alltäglichen Rundschau“. Nach dem offiziellen Teil gingen die Feierlichkeiten in den Wirtshäusern weiter: Jeder Soldat bekam zwei Glas Bier und ein Vesper – auf Rechnung des Soldatenrats. Bezahlt wurde damals mit „Kriegsgeld der Stadtgemeinde Zuffenhausen“, einer Währung mit begrenzter Gültigkeit, die von der Stadtkasse und allen staatlichen Kassen akzeptiert wurde.

Das Ehrenmal auf dem Friedhof erinnert an den ersten Weltkrieg

Bis zum März 1919 blieb Zuffenhausen Garnisonsstadt. Anfang des Jahres löste sich der Arbeiter- und Soldatenrat auf, im Januar war die Demobilisierung des IR 126 beendet. Im Deutschen Reich begann eine neue Zeit: Im Januar 1919 wurde die Wahl zur Nationalversammlung abgehalten, im Februar wählte diese den Sozialdemokraten Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten. Die Weimarer Reichsverfassung trat schließlich am 14. August 1919, also ziemlich genau fünf Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs, in Kraft.

In Zuffenhausen erinnert das Ehrenmal auf dem Friedhof an den Ersten Weltkrieg. Der Säulenbogen, in dessen Mitte die Skulptur eines trauernden Paares steht, wurde im Jahr 1922 eingeweiht. Auf Gedenksteinen sind die Namen von etwa 500 Zuffenhäuser Soldaten eingraviert, die im Krieg ihr Leben ließen.

Redaktion Zuffenhausen

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Bernd Zeyer
zuffenhausen@stz.zgs.de

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