Große Teile Syriens sind durch den Krieg schwer gezeichnet. Foto: dpa

Es könnte ein Durchbruch sein für Friedensbemühungen in Syrien: Die von Russland und der Türkei ausgehandelte Feuerpause scheint zunächst von der syrischen Regierung und den Rebellen eingehalten zu werden.

Beirut - Die seit Donnerstagnacht vereinbarte Waffenruhe in Syrien wird offenbar von den Kräften des Präsidenten Baschar al-Assad sowie den Rebellen eingehalten. Sollte die Feuerpause andauern, könnte es im Januar erste Gespräche zwischen den Konfliktparteien geben, wie der russische Präsident Wladimir Putin am Donnerstag ankündigte. Doch er mahnte auch zur Vorsicht.

Nachdem die Waffenruhe in Kraft getreten war, kam es den Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge zu einer „umfassenden Ruhe“ in Syrien. Zuvor hätten syrische Regierungskräfte noch Gegenden in der Provinz von Aleppo sowie Vororte von Damaskus bombardiert.

Putin nennt Waffenruhe „fragil“

Bereits eine halbe Stunde vor Inkrafttreten der Feuerpause berichtete ein Aktivist der syrischen Opposition, Masen al-Schami, der Nachrichtenagentur AP, dass es in den Nachbarschaften von Damaskus ruhig sei. Zudem seien bereits tagelang andauernde Kämpfe in dem von Rebellen gehaltenen Dorf Barada nordwestlich der syrischen Hauptstadt eingestellt worden.

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, begrüßte die Waffenruhe. Er hoffe, sie werde das Leben vieler Zivilisten retten und die Auslieferung von Hilfsmitteln ermöglichen.

Putin warnte, bei der Vereinbarung seien besondere Aufmerksamkeit und Geduld nötig. Die Waffenruhe sei „fragil“, erklärte er. Falls es zu keiner erneuten Welle der Gewalt käme, könnten im Januar erste Verhandlungen der syrischen Regierung mit den gemäßigten Rebellen stattfinden.

Der syrische Außenminister Walid al-Muallim begrüßte die Vereinbarung

Alle bisherigen Waffenruhen in Syrien waren nach wenigen Tagen gebrochen worden. Nicht in die jetzige Vereinbarung eingeschlossen sind extremistische Kämpfer im syrischen Bürgerkrieg - etwa die Terrormiliz Islamischer Staat oder Al-Kaida nahestehende Gruppen. Dennoch wird erwartet, dass die Waffenruhe die Gewalt im Land zumindest einschränkt - Luftangriffe der syrischen Regierung dürften nachlassen.

Der syrische Außenminister Walid al-Muallim begrüßte die Vereinbarung. Sie sei eine „wirkliche Chance“ für eine politische Lösung des Konflikts. Zugleich betonte er, es werde keine Kompromisse bei der Debatte um das Amt von Präsident Assad geben. Dass seine Macht erhalten bleibe, sei nicht verhandelbar.

Ein Sprecher der gemäßigten Opposition, Osama Abo Said, sagte, die kommenden Gespräche würden auf der Genfer Erklärung von 2012 basieren, nach der in Syrien eine voll funktionsfähige Übergangsregierung eingerichtet werde. „Das bedeutet, dass Assad in Syriens Zukunft nicht präsent sein wird.“ Politische Analysten gehen hingegen davon aus, dass Russland und der Iran - die Hauptunterstützer der syrischen Regierung - fest mit einem künftigen Präsidenten Assad planen.

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