Krieg in Syrien Bauteile aus Vaihingen/Enz in Giftgasrakete

Von Knut Krohn 

Dieses vom Syrischen Zivilschutz (Weißhelme) bereitgestellte Foto zeigt einen Notarzt, der seinen verletzten Sohn nach einem Luftangriff auf einen von Rebellen kontrollierten Vorort von Damaskus wegbringt. Foto: Syrian Civil Defense White Helme
Dieses vom Syrischen Zivilschutz (Weißhelme) bereitgestellte Foto zeigt einen Notarzt, der seinen verletzten Sohn nach einem Luftangriff auf einen von Rebellen kontrollierten Vorort von Damaskus wegbringt. Foto: Syrian Civil Defense White Helme

Nach einem Angriff in Syrien durch die Truppen des Diktators Assad werden Teile gefunden, die von einer Firma aus Vaihingen/Enz geliefert wurden.

Stuttgart - Der syrische Diktator Baschar al-Assad hat offenbar bei einem Angriff Giftgas gegen sein eigenes Volk eingesetzt. Berichte aus dem Kriegsgebiet weisen darauf hin, dass dabei auch Material aus Deutschland eingesetzt worden ist.

Isoliermaterial aus Pressspan

In den Raketen, die verschossen wurden, soll Isoliermaterial aus Pressspan verbaut worden sein, das von der Firma Krempel aus Vaihingen/Enz stammt. Wie die britische Rechercheseite „Bellingcat“ und das syrische Netzwerk Syrians for Truth and Justice mitteilen, wurde bei einem mutmaßlichen Giftgasangriff auf Duma etwa zehn Kilometer nordöstlich der syrischen Hauptstadt Damaskus mindestens ein Geschoss aus iranischer Produktion eingesetzt. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet ein Nutzer unter dem Namen Firas Abdullah Fotos der Rakete, in der ein kreisrundes Stück zu erkennen ist, das wie Pappe aussieht und mit dem Aufdruck „Made in Germany“ und dem Wort „Pressspan“ versehen ist. Auch das Herstellerlogo ist erkennbar.

Krempel GmbH überprüft Lieferbeziehungen

Die Geschäftsführer der Krempel GmbH, erklärte gegenüber unserer Zeitung: „Unser Pressspan PSP 3040 kam offenbar in Motoren zum Einsatz, die in Kriegswaffen verbaut werden. Wir sind erschüttert davon und verurteilen den menschenverachtenden Einsatz von Giftgas auf das Schärfste.“ Das Unternehmen hat zudem Konsequenzen angekündigt. So heißt es in der schriftlichen Erklärung weiter: „Wir werden die Lieferbeziehungen zu unseren Kunden vor dem Hintergrund einer sorgfältigen Prüfung unterziehen.“

Die schwäbische Firma unterstreicht, dass die Bauteile entsprechend den Einzelausfuhrgenehmigungen des zuständigen Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) an zwei kleine Handelsunternehmen im Iran geliefert werde. An Motorenhersteller im Iran fänden keine Lieferungen statt. Weiter heißt es: „Dieser Isolierstoff auf Papierbasis kommt weltweit in einer Vielzahl von Produkten zum Einsatz, beispielsweise in Kleinmotoren für Haushaltsgeräte und Automobilanwendungen. Das Produkt wird von uns in großer Menge hergestellt und ist deshalb auch leicht weltweit verfügbar.“

Wieder schwere Angriffe

Unterdessen wurden bei erneuten Luftangriffen auf ein Rebellengebiet nahe der Hauptstadt Damaskus Aktivisten zufolge mindestens 33 Zivilisten getötet, darunter Kinder. Die UN zeigten sich am Dienstag angesichts der jüngsten Gewalt in dem Bürgerkriegsland alarmiert. UN-Vertreter beklagten, sie könnten tonnenweise bereitstehende humanitäre Hilfe wegen anhaltender Kämpfe und umständlicher Genehmigungsverfahren nicht verteilen. Mehr als 13 Millionen notleidende Menschen im Land brauchen solche Unterstützung. UN-Vertreter in Syrien verlangten umgehend eine mindestens einmonatige Kampfpause. Die meisten Gebiete in Syrien werden von Regierungsanhängern des Diktators Baschar al-Assad blockiert.

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