Die Politik des Kreml-Machthabers folgt dem immer gleichen Muster: Verwirren, Lügen, Täuschen, analysiert StN-Chefredakteur Christoph Reisinger.
Hat er also gekniffen. Russlands Präsident Wladimir Putin traut sich nicht, persönlich mit Wolodymyr Selenskij, dem Staatschef der Ukraine, in der Türkei an einem Tisch zu sitzen und darüber zu sprechen, wie Russlands Angriffskrieg gegen das Nachbarland zu einem Ende kommen könnte.
Haftbefehl als Hinderungsgrund?
Putins Kneifen wirkt umso feiger, als er solche Verhandlungen selbst vorgeschlagen hat. Das Fernbleiben erscheint auch nicht in einem milderen Licht, weil gegen den Präsidenten seit 2023 ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs wegen der Verschleppung ukrainischer Kinder nach Russland vorliegt. Obwohl politischer Urheber schrecklichster Kriegsverbrechen, hätte Putin selbstverständlich freies Geleit gehabt. Sollte es doch um ein Gespräch unter Schirmherrschaft des türkischen und gegebenenfalls mit Beteiligung des amerikanischen Präsidenten gehen.
Noch mehr als für die Persönlichkeit Putins steht sein Rückzieher für seine Politik. Die folgt dem immer gleichen Muster: Verwirren, Lügen, Täuschen. Mit seinen angeblichen Friedensbemühungen, die er mit unverminderter Aggression gegen die Ukraine flankiert, versucht Putin offensichtlich Trump und dessen tatsächliche Position in diesem Krieg zu testen. Daraus folgt: Der Krieg geht weiter, weil Putin keinen Frieden will. Mehr denn je wird es auf die Europäer, ankommen, die Ukrainer knallhart darin zu unterstützen, dass Putin nicht gewinnt.