Das Wappen des amerikanischen Weltraumkommandos erinnert an jenes, das die Helden der Filmserie Star-Trecks auf ihren Uniformen tragen. Die US-Militärs trugen das Wappen jedoch bereits 1961, die Filmkrieger 1966. Foto: AFP/HO

Im August belebte US-Präsident Donald Trump das US-Space Command wieder. Das erlebte jetzt bei einem iranischen Raketenangriff seine Feuertaufe.

Stuttgart - Der Krieg gegen den Iran wird in den Köpfen überdimensionaler Champignons geführt. Zumindest erinnern die sechs weißen Kugeln auf dem Luftwaffenstützpunkt Buckley daran, der sich im Nordosten an die Stadt Denver im amerikanischen Colorado schmiegt. In den Kuppeln: Antennen, mit denen sich selbst schwache Signale aus dem Weltraum auffangen lassen. Ausgewertet werden sie einen Steinwurf entfernt in einer Lagerhalle, in der gleich drei Fußballfelder Platz finden würden: Arbeitsplatz der Weltraumkrieger der USA.

Das ist ein im September 1985 geschaffenes Kommando, das eigentlich koordinieren sollte, wer wie wann und wozu in den USA den Weltraum für kriegerische Zwecke nutzen sollte. Im Oktober 2002 verfügte Präsident George W. Bush, dass sich die Weltraumsoldaten zur Ruhe setzen: Die US-Streitkräfte sollten sich nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vor allem darauf konzentrieren, die USA zu verteidigen und Terroristen zu bekämpfen. Das All rückte in weite Ferne.

Bis zum vergangenen Jahr: Im August stellte Präsident Donald Trump das United States Space Command wieder in Dienst. Fünf Monate später, am 8. Januar 2020, erlebten die Weltraumsoldaten ihre Feuertaufe: in der Nacht, in der iranische Revolutionsgardisten in der Operation „Märtyrer Soleimani“ zwischen 16 und 22 Boden-Boden-Raketen auf US-Streitkräfte im Irak abfeuerten. Mit dem Angriff reagierte die iranische Staatsführung auf die Tötung Ghassem Soleimanis, des Kommandeurs der für Terroranschläge zuständigen Al-Kuds-Brigade, durch einen US-Raketenangriff am 5. Januar.

Feuertaufe des 460. Weltraumgeschwaders

Der Raketenstart, so berichtete jetzt die auf Militär- und Rüstungsrecherchen spezialisierte Website Military.com, sei von „vier Satelliten des 460. Weltraumgeschwaders“ auf der Buckley Air Base entdeckt worden. Gegenüber unserer Zeitung bestätigt der Sprecher des Weltraumkommandos, dass seine Truppe „eine Vielzahl von im All stationierten Systeme einsetzt und koordiniert, mit denen weltweit Starts und Flüge von Raketen registriert und analysiert werden können“. Die iranischen Raketen wurden offenbar an ihrer Hitzesignatur durch die Weltraumspäher erkannt. Als Ziele wurden der Ayn-al-Asad-Luftwaffenstützpunkt 250 Kilometer westlich von Bagdad sowie der Internationale Flughafen im nordirakischen Erbil ausgerechnet. Tatsächlich schlugen an diesen beiden Zielen insgesamt 13 der abgefeuerten ballistischen Raketen ein und verletzten 64 US-Soldaten.

US-Militärs und – auch deutsche – Verbündete seien rechtzeitig gewarnt worden und hätten Schutzräume auf den beiden Basen aufsuchen können, sagte Trump am Morgen nach dem Angriff. US-Analysten führen es auf Geheimdienstinformation und die Aufklärung aus dem All zurück, dass die Raketenattacke so glimpflich verlief. Der Präsident und sein Verteidigungsminister Mark Esper sprachen davon, ihre Truppen seien „durch ein Frühwarnsystem geschützt worden“, das sehr gut funktioniere.

Das ist für Trump die Bestätigung, dass seine Entscheidung, dem Space Command wieder Leben einzuhauchen, eine richtige war. Vergangene Woche etablierte er die Weltraumkrieger neben Heer, Luftwaffe, Marine, Marineinfanterie und Küstenwache als sechste Teilstreitkraft der US-Streitkräfte. Gleichzeitig vereidigte Vizepräsident Mike Pence am 14. Januar General John William „Jay“ Raymond als Oberbefehlshaber des wiederbelebten Kommandos.

Nachwuchs gesucht

Das soll nach dem Willen Trumps „Aggressoren abschrecken, Konflikte verhindern, die Handlungsfreiheit der USA und ihrer Alliierten verteidigen sowie die Streitkräften durch Kampfkraft aus dem Weltraum verstärken“. Zudem sollen die Krieger für das All „Kampfflugzeuge entwickeln, die die Interessen der USA und ihrer Alliierten im, aus dem und durch das Weltall schützen“.

Dazu sollen in den kommenden Monaten für die bislang etwa 16 000 Soldaten neue Kameraden rekrutiert werden. Unter dem Motto „Vielleicht liegt ihr Ziel auf diesem Planeten gar nicht auf diesem Planeten“ suchen die Weltraumkrieger nach Nachwuchs. Vor allem um Meteorologen, Zielanalysten, Luft- und Satellitenbildauswerter sowie Elektroniker und Informatiker werben die Krieger für den Weltraum. Ihren Dienst sollen sie in den sechs Standorten des Space Command in den US-Bundesstaaten Colorado und Kalifornien antreten.

  
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