Die Zeichen stehen auf Sturm: Israels Kampf gegen Hamas, Hisbollah und Iran wird noch lange währen, kommentiert Chefredakteur Christoph Reisinger.
Aussicht auf Frieden? Für den Nahen Osten nicht. Die militärische Dynamik und die Verluste sind so hoch, gerade weil sich die Konflikte politisch festgefahren haben.
Die Hamas als – man kann nicht oft genug daran erinnern – Urheberin dieses Krieges, hat daran wesentlichen Anteil. Militärisch schwer geschlagen, aber leider nicht generell ausgeschaltet, kombiniert sie Beteuerungen ihrer Verhandlungsbereitschaft weiterhin mit Maximalforderungen. Es sagt alles über das Verhalten der Hamas-Führung, dass sie inzwischen selbst in Katar nicht mehr erwünscht ist, das ihr lange Zuflucht bot.
Einfallslose Politik der Hisbollah
Die ebenfalls schwer getroffene schiitische Terroristenmiliz Hisbollah im Libanon schickt zwar weiter Raketen auf Israel. Flankiert allerdings von einer bemerkenswert einfallslosen Politik. Die Regierung des Libanon wiederum kann gar nicht anders, als die permanenten israelischen Angriffe zu verurteilen. Entgegenzusetzen hat sie ihnen wenig. Denn seit Jahren schon ist die Hisbollah Staat im Staate Libanon. Obendrein eine der stärksten militärischen Mächte des gesamten Nahen Ostens.
Iran, die Schutzmacht von Hamas und Hisbollah, hat allem Anschein nach im direkten Schlagabtausch mit Israel seine Luftabwehrfähigkeit weitgehend eingebüßt. Mit Blick auf das brutale Kleriker-Regime in diesem Land ist das kein Schaden. Denn es führt dazu, dass der längst angekündigte nächste iranische Großangriff das Stadium der Ankündigung wahrscheinlich nicht überwinden wird.
Kein Druck für Netanjahu zum Frieden
Diese Schwächung führt aber gleichzeitig dazu, die israelische Führung um Benjamin Netanjahu auf ihrem Kurs zu bestärken, lieber alle Feinde parallel – jene in Syrien immer wieder eingeschlossen – unter Feuer zu halten, als auf ein Ende des Krieges hinzuarbeiten. Die massive Luftoffensive gegen den Libanon in diesen Tagen steht für diesen Kurs. Also für noch mehr Krieg.
Das ist ein Kurs, den heute keinesfalls weniger Israelis mittragen als zu Kriegsbeginn. Was besonders auffällt in einem hoch entwickelten Land, das auch wirtschaftlich enorm viel zu verlieren hat und das mit einer Armee von Wehrpflichtigen kämpft. Das zeigt, wie tief der Schmerz über den feigen Hamas-Überfall vom 7. Oktober 2023 und dessen schreckliche Folgen sitzt.
Belegbar spiegelt sich in dieser Unterstützung für den Krieg auch die aktuelle, so nachvollziehbare wie schlimme Erfahrung von Israelis und Juden in aller Welt, wie sehr sie sich auf ihre eigene Kraft verlassen müssen. Die widerwärtigen Hamas-seligen Kundgebungen an deutschen oder amerikanischen Universitäten haben diese Wahrnehmung ebenso befeuert wie Gewalt gegen israelische Fußball-Ultras in den Niederlanden. Das gilt erst recht für das Sprechen und die Berichterstattung über den Krieg, die in vielen Ländern aus dem angegriffenen Israel längst einen finsteren Aggressor machen.
Europa hat keinerlei Einfluss über Krieg und Frieden
Hoffnung, irgendwer könne von außen Frieden in den Nahen Osten bringen, gibt es keine. Vorrangig an der Hartleibigkeit der Hamas sind alle ägyptischen, katarischen, saudischen und türkischen Bemühungen gescheitert, auf dem Verhandlungsweg die Spirale der Gewalt zu stoppen, die die Palästinenser mit Abstand am schlimmsten trifft.
Die amerikanische Regierung Biden hat keinen Zugang zu Netanjahu gefunden. Ihm hat der kommende US-Präsident Donald Trump schon freie Bahn auf seinem Feldzug versprochen. Europa? Verfügt bei allen Konfliktparteien über keinen nennenswerten Einfluss. Da geht die Saat einer Nahostpolitik auf, die seit Jahrzehnten geprägt ist von gelangweilter Passivität und mangelnder Geschlossenheit. Um von der einseitig propalästinensischen und handlungsunfähigen UN gar nicht erst zu reden.