Benzin und Diesel kosten auch in Stuttgarts Tankstellen aktuell so viel wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Foto: Peter Kneffel/dpa

Diesel kostet in Stuttgart so viel wie seit zwei Jahren nicht mehr. Der Iran-Konflikt treibt die Preise – und der ADAC rechnet mit weiteren Anstiegen.

Autofahrer in Stuttgart müssen derzeit tief in die Tasche greifen: Die militärische Eskalation im Nahen Osten treibt die Spritpreise in der Landeshauptstadt auf ein Niveau, das zuletzt vor knapp zwei Jahren erreicht wurde. Besonders betroffen ist Diesel, dessen Preis eng an den Rohölpreis gekoppelt ist – und der könnte sich weiter verteuern, warnen Experten.

 

Wie aktuelle Daten der Markttransparenzstelle zeigen, die unsere Redaktion über den Dienst tankerkoenig.de bezieht, bewegten sich die Dieselpreise am Montagvormittag (Stand: 11:03 Uhr) im Stadtgebiet zwischen 1,79 und 1,90 Euro pro Liter.

Erneuter Preissprung am Montag

Im Tagesmittel kostete Diesel am Sonntag in Stuttgart bereits 1,77 Euro – ein markanter Sprung gegenüber den Vorwochen. Am Freitag, dem letzten Tag vor den Angriffen im Nahen Osten, lagen die Preise noch deutlich niedriger. Bundesweit kletterte der Dieselpreis laut ADAC von Freitag bis Sonntag bereits um 1,3 Cent auf 1,759 Euro – der höchste Wert seit Anfang April 2024.

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Am Montag geht die Preisspirale weiter nur in eine Richtung. „Ich befürchte, dass es heute an den Zapfsäulen noch weiter nach oben geht“, warnt Christian Laberer, Kraftstoffmarktexperte des ADAC. „Die Zahlen am Vormittag deuten auf eine Dimension von drei bis vier Cent.“

Ein Vergleich der Preise jeweils um 10.30 Uhr zeigt das Ausmaß: Von Freitag bis Montag verteuerte sich E10 um 5 Cent, Diesel sogar um 5,2 Cent – wobei der deutlichste Anstieg am Montag zu verzeichnen war. Sollte sich dieser Trend im Tagesverlauf bestätigen, könnte Diesel den höchsten Preis seit 2023 erreichen.

Preisanstieg seit Jahresbeginn beschleunigt

Die Preisentwicklung der vergangenen Monate zeigt: Bereits seit Anfang 2026 befinden sich die Spritpreise in Stuttgart auf einem Aufwärtstrend. Während die Preise in den Jahren 2024 und 2025 relativ stabil blieben, ist seit Jahresbeginn eine deutliche Beschleunigung zu beobachten. Der jüngste Konflikt im Nahen Osten hat diese Entwicklung nun drastisch verschärft.

Derzeit gehen die Preise an den Tanksäulen in die Höhe. Foto: Marcus Brandt/dpa

Am Sonntag lag der Tagesmittelwert für Diesel in Stuttgart bei 1,77 Euro, Superbenzin kostete durchschnittlich 1,93 Euro und E10 1,76 Euro. Damit bewegen sich alle drei Kraftstoffarten auf einem Niveau, das seit fast zwei Jahren nicht mehr erreicht wurde.

Auch Benzinpreise auf Höchststand

Benzinfahrer spüren die Auswirkungen der Krise ebenfalls deutlich: Super E10 kostet in Stuttgart derzeit zwischen 1,77 und 1,92 Euro pro Liter, Super zwischen 1,83 und 1,96 Euro (Stand: 11:03 Uhr). Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags erreichte E10 mit 1,794 Euro den höchsten Stand seit Ende Mai 2024 – ein Anstieg um 1,6 Cent gegenüber Freitag.

Die drastischen Preisanstiege sind eine direkte Folge der jüngsten militärischen Eskalation im Nahen Osten. Der Iran hat den Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Straße von Hormus eingeschränkt. Durch die Meerenge am Persischen Golf werden täglich rund ein Fünftel der globalen Öltransporte abgewickelt. Jede Störung in der ölreichen Region lässt die Energiepreise steigen und verunsichert die internationalen Märkte.

Heizöl verteuert sich noch drastischer

Der Ölpreis ist – in Kombination mit dem Dollarkurs – typischerweise der wichtigste Treiber für Veränderungen beim Sprit. Und genau hier liegt das Problem: „Sollte der Ölpreis nicht bald wieder nachgeben, kann der Aufwärtstrend auch über die nächsten Tage anhalten“, prognostiziert ADAC-Experte Laberer.

Noch deutlicher als beim Sprit fällt der Preissprung beim Heizöl aus. Das Internetportal Heizoel24 gab den Preis am Montagvormittag zwischenzeitlich mit mehr als 120 Euro pro 100 Litern an. Noch am Freitag lagen die Preise deutlich unter 100 Euro. Bereits am Wochenende verzeichnete die Plattform eine sehr hohe Nachfrage nach Heizöl.

Große Preisspannen in Stuttgart

Für Autofahrer in Stuttgart lohnt sich derzeit ein genauer Preisvergleich mehr denn je: Die Differenz zwischen der günstigsten und teuersten Tankstelle beträgt bei Diesel aktuell 11 Cent, bei Super E10 sogar 15 Cent und bei Super bis zu 17 Cent.

„Gerade in volatilen Zeiten können die Preisunterschiede zwischen einzelnen Tankstellen besonders hoch ausfallen“, betont ADAC-Fachmann Laberer. Wer beim Tanken sparen will, dem rät der Experte weiterhin zu den Abendstunden – dann ist Sprit in der Regel günstiger als am Morgen.

Warum Diesel vergleichsweise glimpflich davonkommt

Dass der Anstieg beim Diesel im Verhältnis zum Rohöl etwas geringer ausfiel, hat laut Experte Laberer einen besonderen Grund: Diesel sei in den letzten Wochen im Vergleich zum Ölpreis bereits zu teuer gewesen. „Dadurch fiel die aktuelle Erhöhung vielleicht etwas geringer aus.“ Ein schwacher Trost für Autofahrer, die dennoch Rekordpreise zahlen müssen.

Die kommenden Tage dürften zeigen, ob sich die Lage im Nahen Osten beruhigt – oder ob Stuttgarter Autofahrer sich auf weitere Preissteigerungen einstellen müssen.