Die Aida Prima (im Bild in Hamburg) gehört zur Flotte des größten deutschen Kreuzfahrt-Anbieters. Foto: Aida Cruises

Nach einem zweistelligen Umsatz- und Passagierwachstum erwartet die Branche ein weiteres Rekordjahr. Kritiker warnen seit Jahren vor den giftigen Dieselabgasen der Schiffe: Sie schadeten der Umwelt und der Gesundheit von Passagieren.

Berlin - Einst waren Seereisen ein Privileg der Reichen und Mächtigen. Inzwischen sind Kreuzfahrten ein Ferienspaß für viele Bundesbürger. Auch 2017 steuern die Anbieter neue Buchungs- und Umsatzrekorde an. Mehr als 300 Luxusdampfer kreuzen bereits über die Weltmeere. Das Geschäft mit dem Urlaub auf dem Wasser wächst rund um den Globus rasant, wie die aktuelle Kreuzfahrtstudie des Branchenverbands CLIA und des Deutsche Reiseverbands (DRV) zeigt.

Zu dem Erfolgskurs tragen nicht zuletzt die Deutschen bei: 2016 buchten erstmals mehr als zwei Millionen Bundesbürger eine Hochseetour, gut elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auch Flusskreuzfahrten bleiben beliebt: Die Zahl der deutschen Gäste stieg um knapp drei Prozent auf 435 000. Kreuzfahrten seien der Wachstumsmotor der Touristik, sagt DRV-Präsident Norbert Fiebig. Auch im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld blieb das Interesse an Reisen auf Meeren und Flüssen fast ungebrochen. Mit gut 3,8 Milliarden Euro kommen Fiebig zufolge bereits 13 Prozent der Gesamterlöse deutscher Reiseveranstalter aus dem hiesigen Kreuzfahrtmarkt, dem größten in Europa und dem zweitgrößten weltweit nach den USA.

Die Branche hat allerdings ein massives Umweltproblem, denn die Kreuzfahrtschiffe verbrennen auf hoher See in ihren Antriebsmotoren billiges, aber hoch belastetes Schweröl. Die giftigen Dieselabgase schadeten der Umwelt, seien krebserregend und könnten die Gesundheit der Passagiere an Bord gefährden, warnen Kritiker seit Jahren. Die meisten Anbieter von Kreuzfahrten spielen die Problematik allerdings herunter.

Kreuzfahrt kostet im Schnitt 1675 Euro

Die Branche profitiert derweil davon, dass sich Reisende in Zeiten von Terrorgefahren auf dem Wasser offenbar sicherer fühlen und dafür auch einiges Geld ausgeben. Bei den Hochseefahrten wuchs der Umsatz um fast 18 Prozent auf knapp 3,4 Milliarden Euro (ohne An- und Abreise zum Hafen). Im Schnitt bezahlten die Reisenden 1675 Euro für eine Fahrt, 95 Euro mehr als im Jahr zuvor. Dafür waren die Kreuzfahrer durchschnittlich knapp neun Tage unterwegs.

Der Branchenverband CLIA Deutschland erwartet auch in diesem und im nächsten Jahr weiteres Wachstum. „Der Trend ist weiter sehr positiv, auch im ersten Quartal“, betont Verbandschef Karl J. Pojer, der Hapag Lloyd Cruises leitet.

Auch die Kapazitäten wachsen weiter stark. In diesem Jahr sollen zwölf neue Hochseeschiffe mit Platz für 28 000 Passagiere starten. Bis 2019 werden weltweit insgesamt 44 Neubauten mit 104­ 000 Betten vom Stapel laufen. Die Branche investiert dafür fast 24 Milliarden Euro. Bis 2026 sollen fast 100 neue Luxusliner mit einem Investitionsvolumen von 53 Milliarden Dollar in Dienst gestellt werden. Das kann die Verbraucher nur freuen.

Damit wird die Auswahl noch größer und eine Schiffsreise erschwinglich, weil viele Anbieter mit Sonderangeboten locken, wenn früh gebucht wird oder Routen weniger stark gefragt sind. Wer zeitlich flexibel ist, sich umschaut und die Schnäppchen in den Tageszeitungen, in Reisebüros oder im Internet studiert, kann zum Beispiel siebentägige Rundfahrten im Mittelmeer auf Luxusdampfern mit Vollpension manchmal schon für weniger als 500 Euro buchen. Die Anreise zum Hafen und Landausflüge sind in solchen Tiefpreisen aber meist nicht enthalten. Dafür fahren bei einigen Anbietern wie Costa und MSC Kinder in der Kabine der Eltern kostenlos mit. Auch für Familien mit geringeren Durchschnittseinkommen wird die große Seereise damit finanzierbar.

Nordwest-Europa und Ostsee am beliebtesten

Am liebsten sind die Deutschen in Nordwest-Europa und auf der Ostsee unterwegs. Die Mittelmeerregion hat dagegen an Beliebtheit weiter verloren, besonders Länder wie die Türkei, Ägypten und Israel werden wegen der aktuellen politischen Spannungen weniger angesteuert. Die Fahrgebiete im Atlantik und rund um die Kanarischen Inseln belegen Rang drei, danach folgt Nordamerika mit der Karibik.

Nicht ganz so flott läuft das Geschäft mit Flusskreuzfahrten. Hier konnten die Anbieter nur leicht höhere Preise durchsetzen. Im Schnitt kostete eine Flussreise im vergangenen Jahr 1030 Euro pro Person. Der Umsatz kletterte um drei Prozent auf knapp 449 Millionen Euro. Von früheren Rekordzahlen sind die Flusskreuzfahrt-Anbieter damit noch ein Stück entfernt. Am liebsten sind deren Kunden in der eigenen Heimat unterwegs, nämlich auf dem Rhein und der Donau. Beliebtester Strom jenseits der deutschen Grenzen war lange der Nil, dort ist das Geschäft nach den Terroranschlägen zeitweise komplett weggebrochen. Es erholt sich nur langsam.