Baden-Württemberg soll sich nicht klein machen: Ministerpräsident Winfried Kretschmann Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Ministerpräsident Winfried Kretschmann bezeichnet sich als Liebhaber des Dialekts. Mit dem Begriff „Ländle“ kann er in bestimmten Situationen dennoch nichts anfangen.

Stuttgart - Baden-Württemberg sollte nach Meinung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) selbstbewusster in der Welt auftreten. „Unsere Image-Kampagne ,Wir können alles. Außer Hochdeutsch‘ war national sehr gut, aber sie wirkt nicht mehr nach außen“, sagte er im Interview mit unserer Zeitung. „Wir müssen aufhören, anderswo in der Welt immer nur vom ,Ländle‘ zu reden und müssen – leider – etwas mehr Selbstbewusstsein verkörpern“, sagte Kretschmann. „Wir brauchen international ein anderes Auftreten.“ Es bleibe aber charakteristisch, dass sich die Schwaben selbst nicht so ernst nehmen wie die Menschen im Freistaat Bayern.

„Die Bayern sind generell etwas großspuriger unterwegs“

Zu den Bayern sagte Kretschmann: „Die gehen mit ihrer Sprache anders um. Sie sind generell etwas großspuriger unterwegs, und sie haben eine andere politische Liturgie, abgeleitet aus 700 Jahren Wittelsbacher und der CSU. Morgens sind sie obrigkeitsgläubig, abends anarchistisch, dann kommt noch der Ludwig II. dazu und die ganze Folklore.“ Im Ergebnis prahlten die Bayern immer ein wenig. Seine Schlussfolgerung: „Wir wollen nicht angeben. Das müssen wir vielleicht ein bisschen ändern.“

„Mundart steht für Vielfalt“

Zugleich äußerte Kretschmann seine Wertschätzung für die Dialekte: „Mundart steht für Vielfalt und ist etwas Wertvolles, genauso wertvoll wie die Vielfalt der Arten.“ Weiter sagte er: „Es ist die Sprache der kleinen Gemeinschaft, der Familie und Freundschaft. Eine wunderbare Sprache mit vielen Stärken – wenn auch nicht unbedingt dafür geeignet, seiner Liebsten eine pathetische Liebeserklärung zu machen.“

An diesem Freitag findet auf Initiative Kretschmanns im Neuen Schloss in Stuttgart eine eintägige Tagung zum Thema Dialekte statt.

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