Im Ofen des Krematoriums ist es 700 Grad heiß. Der Sarg entzündet sich selbst. Foto: N. Kanter

Wird das Krematorium in Leinfelden saniert? Der Gemeinderat hat noch Beratungsbedarf und wird eine Entscheidung voraussichtlich erst Ende Juli treffen.

Leinfelden - Die Mitarbeiter des städtischen Friedhofsamts „rechnen jeden Tag mit einem Stillstand des Krematoriums“, sagt Gerd Maier, der als Chef des Bürger- und Ordnungsamts in Leinfelden-Echterdingen auch für das Bestattungswesen zuständig ist. Es wird befürchtet, dass sich die Bestatter in diesem Fall dann dauerhaft nach Alternativen umschauen. Und dass eine „Leichen-Land-Verschickung“ beginnt, wie es FDP-Stadträtin Judith Skudelny am Dienstagabend im Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss (VKS) ausdrückte.

Die Anlage am Waldfriedhof in Leinfelden ist in die Jahre gekommen. Ein dauerhafter Ausfall droht, was bei dem seit einiger Zeit beobachteten Trend zu Einäscherungen nicht von Vorteil wäre. Seit 2010 ist das Krematorium wieder besser ausgelastet als in den Jahren davor.

Totalausfall droht

Wegen des drohenden Totalausfalls steht der Gemeinderat unter einem gewissen Entscheidungsdruck. Die Hochbauabteilung der Stadt hat der Verwaltung ans Herz gelegt, die Dinge dringend voranzutreiben. Über die Zukunft des Krematoriums soll dennoch erst der neue Gemeinderat in seiner Sitzung Ende Juli entscheiden – so viel steht nach ersten Beratungen im Technischen Ausschuss und im VKS fest.

Der Grund: Der alte Gemeinderat tagt nach den Wahlen am 25. Mai letztmals am 3. Juni. Die bisherigen Stadträte sind danach nur noch geschäftsführend im Amt. „Ich halte es für rechtlich nicht möglich, an diesem Abend eine Entscheidung herbeizuführen“, hatte Oberbürgermeister Roland Klenk am Dienstagabend gesagt. Die aufkommende Diskussion zum Thema im Gremium wurde damit im Keim erstickt.

Mehrere Alternativen untersucht

Wählen können die neu gewählten Mandatsträger vor den Ferien unter mehreren Alternativen, die Maier bereits untersuchen hat lassen. Kostenlos ist keine der Optionen. Selbst wenn das Krematorium dauerhaft stillgelegt würde, wären bis 2023 noch jedes Jahr 13 000 Euro an Gebäudekosten fällig. Eine Überholung der bestehenden Anlage würde je nach Variante zwischen 734 000 und 1,1 Millionen Euro kosten – bei einer Betriebssicherheit für die Dauer von zehn Jahren. Das wäre bei einer heute üblichen Zahl von etwa 500 Kremierungen pro Jahr ein Minusgeschäft in einer Größenordnung von 100 000 Euro. Kostenneutral würde der Betrieb erst bei circa 710 Einäscherungen laufen – eine Zahl, deren Erreichen mit Fragezeichen versehen ist. Höhere Preise sind laut Maier bei den Bestattern „nicht durchzusetzen“.

Eine Privatisierung des Krematoriums hält Maier für problematisch, weil die Gebäude auf dem Waldfriedhof nicht vonein-ander getrennt sind. Außerdem könnte man keinen Einfluss auf die Preisgestaltung mehr nehmen. Die vierte Möglichkeit, ein Neubau, scheidet wegen der hohen Kosten offenbar von vornherein aus. Erschwerend hierbei wären auch umbaubedingte Eingriffe in den urheberrechtlich geschützten Gebäudebestand.

Betrieb wirft Gewinn ab

Zurzeit wirft das Krematorium, wie Maier im TA darstellte, Gewinn ab. Dieser lag 2013 bei circa 66 000 Euro. Davon sind allerdings die Ertragssteuern noch nicht abgezogen. Das Krematorium wird steuerrechtlich als Betrieb gewerblicher Art behandelt, weil die Einäscherung von Verstorbenen keine kommunale Pflichtaufgabe ist. Bei der Auslastung liegt Leinfelden-Echterdingen über dem Durchschnitt vergleichbarer Anlagen.

Erste Einschätzungen der Ratsfraktionen gehen zum Teil weit auseinander. „Wir sollten das Krematorium als Angebot an unsere Bevölkerung erhalten“, äußert sich Karl Kizele (Freie Wähler) – auch vor dem Hintergrund einiger schlagzeilenträchtiger Skandale im Zusammenhang mit Leichentourismus. „Wir halten den Weiterbetrieb für eine wichtige Angelegenheit“, legt sich auch Erich Klauser (SPD) fest. Harry Sandlaß (CDU) tendiert ebenfalls zu einer Sanierung: „Es gibt in der Stadt viele Einrichtungen, die einen schlechteren Kostendeckungsgrad haben.“

Verwaltung tendiert zur Sanierung

Sprecher anderer Fraktionen lehnen sich noch nicht so weit aus dem Fenster: „Wir haben uns noch keine Meinung gebildet“, stellt Ingrid Grischtschenko (Grüne) fest. So geht es auch Wolfgang Haug (FDP): „Wir können nicht ad hoc sagen, was wir wollen.“ Jürgen Kemmner (L.E.-Bürger) betrachtet den Betrieb eines Krematoriums hingegen „nicht als wichtigste Aufgabe“ einer Stadt – will sich aber gern vom Gegenteil überzeugen lassen.

Die Stadtverwaltung, das macht Oberbürgermeister Roland Klenk deutlich, „hat Sympathie für die Sanierung“.

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