Uta Tesch (li.) ist die Vorsitzende des neuen BSW-Kreisverbands für Stuttgart und die Region. Sahra Wagenknecht verpasste mit der nach ihr benannten Partei Anfang des Jahres sehr knapp den Einzug in den Bundestag. Foto: privat (li.), Kay Nietfeld/dpa (re.)

Den Einzug in den Bundestag hat Sahra Wagenknecht hauchdünn verpasst. Nun steht für BSW die Nagelprobe bei Landtagswahlen an. Der Kreisverband soll Basisarbeit leisten.

Das Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit (BSW) ist nun auch in der Region Stuttgart mit einem Kreisverband aktiv. Er umfasst räumlich die Landeshauptstadt und die Landkreise Ludwigsburg, Böblingen, Esslingen, Rems-Murr und Göppingen. Im Alten Feuerwehrhaus in Heslach wurde ein aus sieben Mitgliedern bestehender Kreisvorstand gewählt. Das ist die in der BSW-Bundessatzung vorgeschrieben Mindestzahl.

 

Keiner war bei der Linken

Vorsitzende des neuen Kreisverbandes ist Uta Tesch. „Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Vorstand. Gemeinsam wollen wir das BSW zu einer starken politischen Kraft machen und wirkungsvoll für die Interessen der Menschen in der Region Stuttgart eintreten“, sagt sie. Ihr Stellvertreter ist Roland Bofinger, als Schatzmeister fungiert Jörg Marquart, die Beisitzer sind Arndt Embacher, Bouchra Nagla, Caner Yüce und Robert Poremba. Keiner sei zuvor Mitglied der Partei Die Linke gewesen, sagte Tesch.

Vor Gericht unterlag BSW

Das BSW hatte bei der Bundestagswahl in Baden-Württemberg mit der Spitzenkandidatin Jessica Tatti 4,1 der Zweitstimmen erzielt, Die Linke 10,9 Prozent. Sie ist mit Luigi Pantisano im Bundestag vertreten. Das BSW hatte nach der Bundestagswahl vor dem Bundesverfassungsgericht auf eine komplette Neuauszählung aller Stimmen geklagt, weil es nur 0,019 Prozent von der Fünf-Prozent-Hürde entfernt liegt. Die Klage sei unzulässig, stellte das Gericht fest, die Wahlprüfung obliege allein dem Bundestag. Dieser hat einen Wahlprüfungsausschuss gebildet, der sich mit insgesamt 1029 Einsprüchen gegen die Bundestagswahl vom 23. Februar 2025 befasst.

Elf Kreisverbände im Land

Insgesamt hat sich das BSW in Baden-Württemberg in elf Kreisverbänden organisieren. „Wir legen damit ein Fundament für unsere politische Arbeit vor Ort – für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Meinungsfreiheit“, sagt die Landesvorsitzende Jessica Tatti. Sie nahm an der Gründungsversammlung in Stuttgart teil. Im ersten Halbjahr 2025 verzeichnete das BSW nach Informationen des SWR einen Mitgliederzuwachs von 260 Personen, die Linke von 5365 Personen, Grüne und AfD gewannen laut SWR jeweils 3800 Mitglieder hinzu, die CDU 595, die SPD 95 Mitglieder.

Landtagswahl als Nagelprobe

Die Mitglieder des BSW-Kreisvorstandes haben sehr unterschiedliche berufliche Hintergründe: Vom Senior Test Manager über den Betriebsratsvorsitzenden, Rehabilitationsspezialisten bis hin zum Informatikstudenten bilde der Vorstand ein breites Spektrum der Gesellschaft ab, sagt Tesch. Ziel sei, künftig in allen politischen Gremien vertreten zu sein, um sich für Bildung, Wirtschaft, Frieden, Diplomatie und Meinungsfreiheit einzusetzen. Voraussichtlich die erste Gelegenheit dazu ist die Landtagswahl am 8. März 2026. Das Bündnis Sahra Wagenknecht findet sich in Umfragen je nach Institut wie die FDP knapp ober- oder unterhalb der entscheidenden Fünf-Prozent-Marke. Erstmals können die Wählerinnen und Wähler im Land am 8. März zwei Stimmen vergeben. Es kann Überhang- und Ausgleichsmandate geben. Die Anwärter auf die Ausgleichsmandate werden über Landeslisten vergeben. Letztlich ist die Platzierung dort für Bewerber kleinerer Parteien entscheidend. Das neue Wahlrecht ist umstritten, weil es zu einer Vergrößerung des Landtags führen könnte.