Auch am Dienstag ist in einigen Kommunen noch ausgezählt worden Foto: Gottfried Stoppel

Die Christdemokraten legen im Kreistag wieder zu. Die „Ampelparteien“ verlieren Stimmen, am stärksten büßen hier die Liberalen ein. Rechtsaußen füllen sich hingegen die Sitzreihen. Die genauen Ergebnisse der Wahlkreise lesen Sie hier.

Es hat bis in den späten Dienstagnachmittag hinein gedauert, bis das Ergebnis für den Rems-Murr-Kreistag feststand, und die Auswertung der Überhangmandate dauerte noch länger an. Am Ende bestätigte sich aber, was sich schon nach ersten Teilergebnissen angedeutet hatte: Gewinner der Wahl auch auf Kreisebene sind die CDU und die AfD.

Erstere bleibt dank 28,3 Prozent der Stimmen nicht nur die stärkste Fraktion im Gremium, sondern wird auch mit mindestens vier Personen mehr in selbiges einziehen. Letztere sammelte erstmals ein zweistelliges Ergebnis (13,1 Prozent) ein und wird mit 12 statt bisher acht Abgeordneten vertreten sein. Ebenfalls zulegen konnten die Freien Wähler, die schon bei der Wahl vor fünf Jahren deutliche Zuwächse verzeichnet hatten. 21,3 Prozent der Stimmen bescheren der „Bürgermeisterfraktion“ künftig 19 Sitze. Drittstärkste Kraft sind noch gerade so die Grünen. Sie büßten bei 13,2 Prozent vier Sitze ein. Die SPD muss bei 12,7 Prozent mit zwei Sitzen weniger klar kommen, die FDP-FW reduziert sich bei 9,4 Prozent von elf auf acht Sitze. Die ÖDP indes hält bei 2,0 Prozent ihre zwei Mandate.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Der Backnanger Oberbürgermeister Maximilian Friedrich (Freie Wähler) und die CDU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Ute Ulfert, behalten im Wahlkreis 1 Backnang nicht nur ihre Mandate. Beide dürften mit ihren jeweils mehr als 10 000 Voten auch insgesamt unter den Stimmenkönigen der Kreistagswahl einzuordnen sein. Parteienmäßig klar vorn im Wahlkreis ist die CDU mit 31,3 Prozent der Stimmen. Das reicht für zwei Sitze im Kreistag. Jeweils einen haben zudem die Freien Wähler, die Grünen, die AfD und die SPD ergattert.

Überdurchschnittlich stark hat im Wahlkreis 2 Fellbach die FDP-FW abgeschnitten. In keinem anderen Kreis sind die Liberalen wie hier über die 20-Prozent-Marke gekommen. 20,8 Prozent hätten sogar fast für den Raumschaftssieg gereicht. Doch den holte sich am Ende wie fast überall die CDU, allerdings mit „lediglich“ 21,3 Prozent der Stimmen. Das indes reicht für beide Parteien für je zwei Mandate, Freie Wähler, SPD, Grüne und AfD erhalten jeweils einen Sitz.

Hermann Beutel ist der Stimmenkönig im Wahlkreis 3 Schorndorf. 8438 Wähler haben hinter dem Namen des Landwirts ein Kreuzchen gemacht. Das ist knapp ein Viertel der CDU-Ernte. Diese liegt in Schorndorf bei 29,6 Prozent der Stimmen. Überdurchschnittlich stark ist hier auch die SPD, mit 17,4 Prozent die zweitstärkste Kraft. Tim Schopf wird für sie in den Kreistag einziehen. Je einen Sitz gibt es auch für die Freien Wähler, die Grünen, FDP-FW und AfD. Für die CDU ergatterte neben Beutel noch der frühere Erste Bürgermeister der Stadt, Horst Reingruber, ein Mandat.

Erstmals ins Kreisparlament einziehen wird über den Wahlkreis 4 Waiblingen auch der dortige Oberbürgermeister Sebastian Wolf. Er bescherte der CDU am Sonntag mehr als 15 000 Stimmen, was anteilsmäßig ein gutes Viertel bedeutet. Stimmenkönig bei den Freien Wählern ist sein Vorgänger im OB-Amt, Andreas Hesky. Er holt fast 12 500 Stimmen und damit nahezu ein Drittel des Ergebnisses seiner Liste. Die CDU zieht mit drei Waiblinger Abgeordneten ins Kreisparlament ein, die Freien Wähler und die Grünen erhalten zwei Sitze, die SPD muss sich mit einem Mandat begnügen, ebenso wie die FDP-FW und die AfD.

Der Wahlkreis 5 Winnenden bleibt im Kreis eine Festung der CDU. Die Christdemokraten vereinnahmen 28,8 Prozent der Stimmen, einen guten Anteil daran haben der Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth und die langjährige Gemeinderätin Bettina Jenner-Wannek. Dennoch reicht es bei Letzterer nicht für ein direktes Ticket in das Gremium, sie qualifizierte sich aber über ein Ausgleichsmandat. Je einen Sitz ergattern trotz zum Teil deutlich weniger Stimmen die Freien, die Grünen, die SPD und die AfD.

Das beste Einzelergebnis im Wahlkreis 6 Weinstadt hat der dortige Oberbürgermeister Michael Scharman erzielt. Dank seiner mehr als 9000 Stimmen sind die Freien Wähler mit 30,4 Prozent an der CDU (26,5) vorbeigezogen und im Wahlkreis die stärkste Kraft. Dafür gibt es auch zwei Kreistagssitze, einen für Scharmann und einen für den Busunternehmer Markus Dannenmann. Grüne, CDU und AfD holen jeweils einen Sitz, FDP-FW und SPD gehen leer aus.

Wäre es im Wahlkreis 7 Kernen und Korb nur nach Kernen gegangen, hätte der dortige Wahlsieger ganz knapp SPD geheißen, was in erster Linie dem dortigen Bürgermeister und Kreisvorsitzenden der Genossen, Benedikt Paulowitsch, zu verdanken gewesen wäre. So aber fügt sich die Partei mehr oder weniger ins übliche Bild hinter CDU und Freien ein. Für alle drei gibt es jeweils einen Sitz im Kreisparlament, ebenso für Grüne, FDP-FW, indes keinen für die AfD.

Zwei neue Bürgermeister und ein „alter“ ziehen über den Wahlkreis 8 Leutenbach, Schwaikheim und Berglen in den neuen Kreistag ein. Astrid Loff (Schwaikheim) und Holger Niederberger (Berglen, Freie Wähler) sind Novizen im Gremium, Jürgen Kiesl (CDU) hatte in der vergangenen Legislaturperiode eine Pause gemacht. Das stärkste Ergebnis haben anteilsmäßig mit 32,1 Prozent die Freien Wähler eingefahren, die CDU (24,9) folgt mit deutlichem Abstand auf Rang zwei, Grüne, SPD und AfD erhalten wie die Union einen Sitz.

Jeweils zwei Sitze für die CDU und Freie Wähler gibt es im Wahlkreis 9 Remshalden, Plüderhausen, Urbach und Winterbach. Grüne, SPD und AfD müssen sich mit jeweils einem begnügen. Einen Gutteil ihres Gesamtergebnisses verdanken CDU und Freie Wähler ihren erfahrenen Mandatsträgern Ulrich Scheurer beziehungsweise Ursula Jud. Beide holten mehr als 6000 Stimmen.

Die Freien Wähler lagen im Wahlkreis 10 Rudersberg, Welzheim, Alfdorf und Kaisersbach mit 34,5 Prozent der Stimmen deutlich vorn. Der Rudersberger Bürgermeister Raimon Ahrens bekam trotz Hochwasser-Einschränkungen mehr als 10 000 Stimmen und zieht wie der DRK-Kreisgeschäftsführer Sven Knödler erneut ins Parlament ein, ein Ausgleichsmandat gibt es obendrein dazu. Die CDU stellt für diesen Wahlkreis zwei Abgeordnete, davon mit Ronald Krötz (Alfdorf) ebenfalls einen Bürgermeister. Der Kaisersbacher Bürgermeister Michael Clauss zieht für die FDP-FW ins Gremium ein. Auch die AfD erhält ein Mandat.

Vergleichsweise dunkelschwarz ist der Wahlkreis 11 Murrhardt, Sulzbach, Oppenweiler, Großerlach und Spiegelberg gefärbt. Die CDU liegt hier mit 37,2 Prozent der Stimmen klar vorn. Der amtierende Murrhardter Bürgermeister Armin Mößner und der frühere Spiegelberger Schultes Christoph Jäger bekommen die meisten Stimmen. Die Freien Wähler, die Grünen und die AfD erhalten je einen direktes Mandat, die SPD einen Ausgleichssitz.

Ebenfalls klar in CDU-Hand ist auch der Wahlkreis 12 Aspach, Weissach im Tal, Auenwald, Allmersbach, Althütte, Kirchberg und Burgstetten. Der Althüttener Bürgermeister Reinhold Sczuka ist mit 11 622 Kreuzchen der dortige Stimmenkönig, bei den Freien Wählern ziehen mit Patrizia Rall (Allmersbach) und Sabine Welte-Hauff (Aspach) zwei weitere Bürgermeisterinnen ins Gremium ein. Für die FDP-FW kommt der Weissacher Schultes Daniel Bogner ins Gremium. Die CDU holt neben zwei Mandaten noch einen Ausgleichssitz. Ein Mandat gibt es für die SPD und eines für die AfD.

Gesamtsitzverteilung: CDU 25 (21), Freie Wähler 19 (18), Grüne 12 (16), SPD 11 (13), FDP/FW 8 (11), AfD 12 (8), Die Linke 0 (2), ÖDP 2 (2)