Es war einer der Aufreger des Jahres 2022: die Suche der AVL im Kreis Ludwigsburg nach einem Standort für eine Erddeponie. Jetzt soll der Kreistag einen Schlussstrich ziehen.
Schnappatmung löste die Suche der kreiseigenen Abfallverwertungsgesellschaft AVL nach einem neuen Standort für eine Erddeponie in Hemmingen und Großbottwar im Jahr 2022 aus. Inzwischen hat sich die Lage entspannt. Der Verband Region Stuttgart (VRS) hat das Projekt regionsweit übernommen. „Für den Landkreis Ludwigsburg besteht kein Grund mehr, eine eigene Deponie zu suchen“, sagt Rainer Gessler, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Sie haben für die Kreistagssitzung im Januar den Antrag gestellt, die bisherige Suche der AVL „ganz zu beenden“.
Welle der Empörung ergoss sich vor einem Jahr über die AVL
Eine Welle der Empörung ergoss sich 2022 im Strohgäu und im Bottwartal über die AVL. Sie versuchte, im bevölkerungsreichen Landkreis riesige Flächen für eine Erddeponie zu fixieren. Für Kopfschütteln sorgte besonders, dass ein Großteil des bisher angelieferten Bauschutts und Erdaushubs für die Schwieberdinger Deponie Am Froschgraben nicht aus dem Kreisgebiet, sondern aus der Region Stuttgart und darüber hinaus fast landesweit, zum Teil auch angeworben aus dem Privatmarkt, stammte. Am Ende verhängte der Landrat Dietmar Allgaier ein Moratorium: Die Suche nach einer Deponie wurde damit vorerst ausgesetzt.
Dieser Stopp soll nun mit einem formalen Beschluss des Kreistags endgültig werden. „Wir wollen die Suche der AVL beerdigen und damit ein deutliches Signal nach außen setzen“, sagt Rainer Gessler. Die vorgesehenen Standorte Hemmingen und Großbottwar seien „tot“. Der Verband Region Stuttgart stehe mittlerweile dazu, dass er für die Deponiesuche zuständig sei, da der Landkreis Ludwigsburg den Vertrag nach 2024 nicht mehr verlängere, mineralische Abfälle aus den anderen Landkreisen der Region Stuttgart in Schwieberdingen und in der Deponie Burghof in Vaihingen-Horrheim anzunehmen.
Landkreiskommunen müssen sich dem Verfahren des VRS stellen
Sind damit Hemmingen und Großbottwar aus dem Schneider? Rainer Gessler hält es nicht für sehr wahrscheinlich, dass diese beiden Standorte noch einmal ausgewählt werden. „Der VRS beginnt mit seiner Suche in allen Landkreisen der Region bei Null“, sagt der Abfallexperte. Er sehe aufgrund der Weitläufigkeit des Regionsgebietes große Chancen, dass der dicht bebaute Landkreis Ludwigsburg nicht mehr für einen Deponie-Standort infrage komme – er müsse sich aber dem Auswahlverfahren stellen.
Zuletzt hatte der VRS-Direktor Jürgen Wurmthaler im Herbst dieses Jahres mit den Landkreisen Rems-Murr, Ludwigsburg, Esslingen, Böblingen und Göppingen verhandelt. Er habe vereinbart, dass er mit ihnen im Laufe des Jahres 2024 Kriterien für die regionsweite Suche nach einem Deponiestandort entwickele, teilt Wurmthaler mit. „Dazu gehört auch von Anfang an eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit.“
Die Deponien füllen sich nun langsamer
Einig sind sich die Beteiligten offenbar auch, dass es nach 2024 eine Zwischenlösung für die mineralischen Abfälle aus dem Bereich des VRS geben müsse. Wie die aussieht, hängt auch von den Abfallströmen in der Region Stuttgart ab, zumal es auch dort noch Deponievolumina gebe, so Rainer Gessler, der aber auch in den Ludwigsburger Deponien noch große Restflächen sieht, die nun erheblich langsamer aufgefüllt würden.
Den Antrag der Freien Wähler werde er unterstützen, kündigt der Landrat Dietmar Allgaier an. Ein Ende der Suche entspreche dem Vorgehen des VRS, der seine Verantwortung für die Deponiesuche erkannt habe.