Die Zerstörung im April 2024 war massiv. Seit wenigen Wochen ist die Filiale wieder geöffnet. Foto: 7aktuell, Simon Granville

20 Monate nach dem verheerenden Überfall auf die Kreissparkasse in der Gerlinger Innenstadt steht die Filiale wieder zur Verfügung – aber mit zwei großen Veränderungen.

Die Bilder vom Tag danach haben sich bei den Verantwortlichen eingebrannt: Von einem einsamen, roten Sofa und einer verstaubten Yuccapalme, die in den Räumen der Kreissparkasse noch zu erkennen war, berichteten die Festredner am Montagabend. 20 Monate nach dem verheerenden Überfall auf die Kreissparkasse (KSK) in der Gerlinger Innenstadt ist die Filiale mit einem kleinen Festakt wieder eröffnet worden. „Wir haben regelrecht Wiederaufbau geleistet“, sagte der KSK-Vorstandsvorsitzende Heinz-Werner Schulte.

 

Jene berüchtigten Banden, die bundesweit Geldautomaten in die Luft sprengen, hatten in der Nacht des 24. April 2024 in der Gerlinger Ortsmitte zugeschlagen. Nach Bankangaben wurde der komplette sogenannte Werte- und Technikraum mit den beiden Geldautomaten zerstört. Kontoserviceterminal, EDV-Schranke, das Foyer, der Eingangsbereich, Decken, Wände und Leitungen, vieles wurde in Mitleidenschaft gezogen. Das gesamte Erdgeschoss war hernach mit einer Staubschicht überzogen – besonders betroffen davon war die offen angrenzende Papeteria. Deren Waren wurden, sofern es möglich war, in einer einwöchigen Aktion einzeln gereinigt.

Die Täter entkamen damals unerkannt. Die Kripo hat ihre Ermittlungen abgeschlossen. Die Automaten, so hieß es in den ersten Informationen, waren mit Sprengstoff zerstört worden. Anschließend flüchteten die Täter über die Panoramastraße – womöglich in Richtung Autobahn.

Die Höhe der Beute wird nicht kommuniziert

Die Kreissparkasse ist nach eigenen Angaben sowohl gegen Geld- als auch Gebäudeschäden versichert. Wie hoch die Beute damals war, teilt die Bank allerdings nicht mit. Die Filiale wieder aufzubauen sei zu keinem Zeitpunkt in Frage gestanden, sagte Schulte. Die Geschäftszahlen mögen einen Grund dafür liefern: Das Geschäftsvolumen in der Filiale betrug im vergangenen Jahr mehr als 190 Millionen Euro. Diese Zahlen entsprächen dem Volumen „einer kleinen Sparkasse“. In seiner Funktion als Verwaltungsratsvorsitzender betonte der Landrat Dietmar Allgaier, dass kein anderer Finanzdienstleister im Landkreis Ludwigsburg ein so dichtes Filialnetz unterhalte wie die Kreissparkasse.

In den Wiederaufbau wurden laut den Verantwortlichen zwei Neuheiten in der KSK-Landschaft integriert. Zum einen gibt es jetzt am Schalter kein Bargeld mehr. Das Thema, das bundesweit im Kontext der Zukunft des Bargelds diskutiert wird, hat in diesem Fall auch sicherheitsrelevante Aspekte: Die Mitarbeiter haben schlicht keinen Zugriff mehr auf die Banknoten. Wer Bargeld benötigt, aber beispielsweise seine Bankkarte nicht zur Hand hat oder die zugehörige Pin nicht weiß, kann am Schalter als Ausgleich eine sofortige Auszahlung am Automaten veranlassen. Er bekommt in diesem Fall eine Karte ausgehändigt, auf die der Betrag am Schalter aufgebucht wurde. Die Geldautomaten selbst werden ab sofort in der Nacht zusätzlich durch Rollläden abgeschirmt.

Neu in der KSK-Landschaft in Gerlingen ist auch eine Form der digitalen Kommunikation. Zwei Stelen in der 430 Quadratmeter großen Filiale dienen der digitalen Information beziehungsweise der Möglichkeit, per Video mit einem Mitarbeiter des Servicecenters in Kontakt zu treten. Insgesamt investierte die Bank nach eigenen Angaben 1,5 Millionen Euro für Wiederaufbau und Modernisierung der Filiale.

Kreissparkasse bringt Frequenz in der Innenstadt

Deren Bedeutung für die Ortsmitte hob Gerlingens Bürgermeister Dirk Oestringer hervor. Nicht zuletzt durch die Verbindung mit der Papeteria Brose trage die Kreissparkasse zur Frequenz in der Innenstadt bei. Zumal fußläufig erreichbar auch Bäcker und Metzger seien. Dass durch diese kurzen Wege nicht nur die Innenstadt als Ganzes profitiere, sondern auch die KSK, machten die Vertreter des Kreditinstituts deutlich. Allgaier formulierte es so: „An der entschlossenen Wiederaufbaumaßnahme kann man Grundsätzliches erkennen: nämlich die Überzeugung der Kreissparkasse, nah beim Kunden sein und bleiben zu wollen.“

Die Kreissparkasse hat im Kreis Ludwigsburg insgesamt 91 Filialen und 105 Geldautomaten. Sie besteht im kommenden Jahr 175 Jahre. In Gerlingen ist sie seit den 1970er Jahren. Im Zuge der Kreisreform wurden 1973/74 insgesamt 27 Geschäftsstellen von den Kreissparkassen Backnang, Vaihingen, Leonberg und Heilbronn übernommen.