Die Fellbacher Neuntklässlerin Sarah prüft in einem Quiz die (Kreis-)Medienkompetenz des Landrats Richard Siegel. Foto: Gottfried Stoppel

Das Kreismedienzentrum will die örtlichen Schulen bei der Einführung von Tablet-Computern unterstützen. Die Hörschbach-Grundschule in Murrhardt soll Referenzschule für die ersten vier Klassenstufen werden.

Waiblingen - Im neuen Bildungsplan für die Schulen Baden-Württembergs ist die Medienbildung bereits ein fester Bestandteil des Unterrichts. Doch die Umsetzung ist vor allem für kleine, insbesondere für Grundschulen noch so etwas wie das sprichwörtliche Buch mit sieben Siegeln. Unterstützung beim Öffnen verspricht jetzt nicht etwa das Kultusministerium, sondern das Waiblinger Landratsamt. Das Kreismedienzentrum will die Schulen bei der Digitalisierung von Lerninhalten beraten und für die Administration einen zentral verorteten Server zur Verfügung stellen.

Schweizer Taschenmesser der Medienpädagogik

Das Werkzeug der Wahl für den „Unterricht 4.0“ ist nach Ansicht von Ralf Nentwich ganz klar das Tablet – „das Schweizer Taschenmesser der Medienpädagogik“, wie der Leiter des Kreismedienzentrums den Touchscreen-Computer bezeichnet. Internetrecherche, Präsentationen, Fotos, Filme, Tonaufnahmen: all das und noch mehr sei mit einem einzigen mobilen Gerät möglich und damit ideal für den Unterricht von heute, sagt Nentwich, der selbst Lehrer ist und vor knapp einem Jahr die Nachfolge von Hansjörg Schühle angetreten hat. Deshalb wolle man sich bei dem Kooperationsprojekt auch auf das digitale Universalwerkzeug konzentrieren. Unterstützung bekommt das Kreismedienzentrum wiederum von der Sparkassenstiftung, die Tablets im Wert von 22 000 Euro zur Verfügung stellt.

Zehn Schulen sowie das Staatliche Schulamt selbst stehen laut Nentwich bereits in den Startlöchern, ohne dass man bisher Werbung für das Projekt gemacht habe. Mit der Murrhardter Hörschbachgrundschule soll demnächst ein Vertrag unterzeichnet werden, der diese in Sachen Digitalisierung zur Referenzschule für die ersten vier Klassenstufen im Rems-Murr-Kreis erhebt.

Welche Lerninhalte die einzelnen Schulen vermitteln und in welchem Umfang sie die Tablets einsetzen wollen, sei natürlich völlig diesen überlassen, sagt Nentwich, „das Projekt muss sich aus der Schule und dem Unterricht heraus entwickeln“. Das Kreismedienzentrum stehe indes nicht nur bei der Gerätewahl, günstigen Einkaufskonditionen und Empfehlungen für sinnvolle Apps beratend zur Seite, die Schulen könnten auch auf ein eigens entwickeltes sogenanntes Mobile-Device-Management (MDM) zurückgreifen. Dieses, auf einem zentralen Server des Kreismedienzentrums gespeichert, ermögliche eine Vernetzung und eine gezielte Steuerung der jeweiligen Tablets. So könne der Lehrer als Administrator beispielsweise einzelnen Schülern unterschiedliche Programme und Aufgaben zuteilen und individuell festlegen, was mit den Tablets gerade angestellt werden darf. Zudem können schulübergreifende Inhalte im Verbund der verschiedenen an den MDM-Server angeschlossenen Lehreinrichtungen bereitgestellt werden.

Einsatzmöglichkeiten schier unbegrenzt

Die Einsatzmöglichkeiten seien schier unbegrenzt und sie böten enormes Aufmerksamkeitspotenzial, sagt Friedemann Ilg, der schon jetzt im Kreismedienzentrum als medienpädagogischer Berater tätig ist: „Sagen Sie einer Klasse: Schreibt eine Kurzgeschichte, dann hält sich die Begeisterung in deutlichen Grenzen. Mit einem kleinen Trickfilm dazu kann die Sache aber schon ganz anders aussehen.“

Wie dies mit einem Tablet und ein paar Legofiguren vergleichsweise einfach umgesetzt werden kann, haben Ilg und seine Kollegen jetzt dem Landrat Richard Sigel bei einer kleinen Präsentation demonstriert. Die Neuntklässlerinnen Alissa und Sarah, die bei ihrer Ausbildung als Schülermentorinnen am Gustav-Stresemann-Gymnasium in Fellbach bereits in Kooperation mit dem Kreismedienzentrum multimedial geschult worden sind, haben dem Kreischef bei dieser Gelegenheit hingegen ein eigenes kleines Erfolgserlebnis gegönnt. Eine der Fragen in ihrem selbst entworfenen, digital umgesetzten Quiz lautete: „Wie heißt der Landrat des Rems-Murr-Kreises?“

Kompetenz in Medienbildung

Bildung
Das Kreismedienzentrum versteht sich als „das kreisweite Kompetenzzentrum im Bereich der Medienbildung“. Es unterstützt Lehrkräfte bei der Integration digitaler Medien in den Unterricht und hilft bei technischen Fragen des Medieneinsatzes an Schulen, in Kindergärten und in der Kinder- und Jugendarbeit.

Ausleihe
Verschiedenste Geräte können dazu ausgeliehen werden: Beamer und Großbildwände, iPods und Digitalkameras sowie zahlreiche DVDs und Videos. Auch jeder Rems-Murr-Bürger kann Geräte ausleihen und sich in deren Gebrauch einweisen lassen – die Palette reicht vom Schallpegelmessgerät über Wärmebildkameras, Diascanner bis zu Endoskopen.

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