Der Trainer Marc Glemser zeigt es an: von der nächsten Saison an geht es für ihn und seine Spieler des TSV Sielmingen in eine andere ­Richtung. Foto: Archiv Yavuz Dural

Der Filderstädter B-Kreisligist nimmt Abschied von seinen bisherigen Gegnern und spielt gemäß eigenem Wunsch künftig im Bezirk Stuttgart. In welcher Klasse, ist noch offen.

Sielmingen - Zum Glück gibt es heutzutage Navis. Größere Orientierungsprobleme dürften den Anhängern der Fußballer des TSV Sielmingen also erspart bleiben – auch wenn von der nächsten Saison an plötzlich vieles ganz anders sein wird. Die Auswärtsfahrten mit ihren Mannschaften werden dann nicht mehr wie seit Jahrzehnten gewohnt nach Baltmannsweiler, Lichtenwald oder Wernau führen. Die künftigen Ziele heißen Echterdingen, Steinenbronn oder Vaihingen. Hintergrund ist ein Wunsch des Vereins, der sich nun wohl erfüllt: Die Filderstädter wechseln vom Bezirk Neckar/Fils in den Bezirk Stuttgart. Das steht praktisch fest, nachdem der Spielausschuss des Württembergischen Fußball-Verbands (WFV) in dieser Woche einen entsprechenden Antrag der Verantwortlichen von der Seestraße befürwortet hat. Zum Abschluss kommt damit ein schon länger köchelndes Thema, das zwischenzeitlich für Dissonanzen gesorgt hatte. So waren sich die beiden Bezirkschefs deswegen in die Haare geraten.

„Zukunftsweisender Schritt“

Inzwischen aber fehlt lediglich noch eines: Am kommenden Mittwoch muss als finale Instanz das WFV-Präsidium auf seiner turnusgemäßen Sitzung den Daumen heben. Ein Okay, an dem von den Betroffenen keiner mehr zweifelt. „Wir freuen uns“, sagt Dirk Glemser, der Leiter der Sielminger Fußballabteilung. Laut ihm handelt es sich um einen „zukunftsweisenden Schritt, der für uns tolle neue Möglichkeiten bringt“. „Orientiert hatten wir uns schon immer mehr in Richtung Stuttgart“, sagt Glemser, „endlich kommen wir dorthin, wo wir eigentlich hingehören.“ Nicht nur geografisch, auch emotional.

In der Tat wirkt es von der Zuordnung her bislang kurios. So verläuft die Grenze zwischen den beiden Bezirken mitten durch Filderstadt. Hüben Bonlanden, Bernhausen und Plattenhardt (alle Bezirk Stuttgart), drüben Harthausen und Sielmingen (beide Bezirk Neckar/Fils). Freilich: wer mutmaßt, bei der Einteilung habe einst einer einen Knick in der Optik gehabt, der irrt. Die Geschichte mit der Henne und dem Ei, sie gilt in diesem Fall umgekehrt. Was zuerst da war, waren die Fußballbezirke, nämlich schon in den 1950er- und 60er-Jahren – ehe aus den bis dahin fünf eigenständigen Orten anno 1975 im Zuge der Gemeindereform das Kunstprodukt Filderstadt entstand. Allemal sonderbar ist indes, dass die Harthausener und Sielminger Jugendmannschaften im Gegensatz zu den Männern schon immer in den Stuttgarter Punktspielbetrieb eingegliedert waren. Warum, das vermag weder beim Verband noch bei den Vereinen von den aktuellen Amtsträgern einer zu erklären.

Keine unbekannten Gesichter mehr

Für Glemser jedenfalls ergab sich nicht zuletzt aus diesem Umstand ein Handlungsbedarf. Im Nachwuchsbereich kickten die Seinen noch gegen Schulkameraden aus der Nachbarschaft. Die Spiele an den Wochenenden als reizvolles Hallo und Wiedersehen. Dann, beim Übergang zu den Aktiven, kam bislang der Schnitt. Dann plötzlich lauter unbekannte Gesichter. Dann wie gesagt auf einmal Baltmannsweiler, Lichtenwald oder Wernau. „Dehalb“, sagt Glemser, „haben uns immer wieder Spieler verlassen.“

Ernsthaft ins Gespräch brachte einen Bezirkswechsel der Stuttgarter Bezirksvorsitzende Harald Müller bereits vor zwei Jahren. Müller regte seinerzeit einen Gedankenaustausch dazu an – und stieß in ein Wespennest. Sein Neckar/Fils-Amtskollege Karl Stradinger witterte einen Abwerbeversuch und polterte lautstark, was wiederum Müller sauer aufstieß. Schließlich sei Stradinger entgegen seiner Darstellung von vornherein eingeweiht gewesen.

Aussprache der Bezirkschefs

Seither herrschte zwischen den Bezirksgranden eine angespannte Stimmung – bis die Sielminger die Geschichte selbst intensivierten und ihre Agrumente darlegten. „Es gab einen Disput, aber der ist mittlerweile ausgeräumt“, sagt Müller. Man habe sich ausgesprochen und in der Causa „Sielmingen“ Einigkeit erzielt – was die erste Voraussetzung für ein Weiterführen der Pläne des Filderclubs war.

Geklärt ist mittlerweile auch der heikle Punkt, in welcher Spielklasse der TSV Sielmingen eingeordnet wird. Behält die „Erste“ ihren derzeitigen ersten Tabellenplatz in der Kreisliga B, wird also Meister, nimmt sie ihr Aufstiegsrecht mit. In diesem Fall würde die Kreisliga-A-Staffel 2 im Bezirk Stuttgart zur Saison 2017/2018 um einen Platz aufgestockt. Bei allen anderen Abschlussplatzierungen blieben die Sielminger B-Kreisligist. Werden sie Vizemeister, müssen sie auf die eigentlich zustehende Relegationsteilnahme verzichten.

Preuß kommt als Co-Trainer

Der erste personelle Coup für die am 1. Juli beginnende neue Ära ist derweil klassenunabhängig schon fix. Spielender Co-Trainer und somit Assistent des Coachs Marc Glemser wird Daniel Preuß. Das ist der amtierende Torschützenkönig der Stuttgarter Kreisliga A, der in der vergangenen Runde rekordverdächtige 52-mal traf. Sein bisheriger Verein? Der TSV Bernhausen – der Ortsnachbar. Und just einer der potenziellen künftigen Gegner, auf die sie sich in Sielmingen so sehr freuen.

Zu dessen Stadion, das nebenbei, wird’s auch ohne Navi klappen.

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