Der Ball ist über der Schnur, nicht nur im Freizeitlager Obersteinbach. Nach dem durchgestandenen Konsolidierungsprozess blickt der Kreisjugendring Esslingen wieder nach vorn. Foto: Pia Hemme

Kaum stimmen die Zahlen wieder, wird über Inhalte gestritten. Der Beschluss der Mitgliederversammlung des Kreisjugendrings Esslingen, den Landkreis im Arbeitskreis Kommunalwahl außen vor zu lassen, löst Empörung aus.

Esslingen - Der Kreisjugendring Esslingen (KJR) segelt wieder in ruhigen Fahrwassern. Mit der Anleihe aus der christlichen Seefahrt hat Ralph Rieck, der Geschäftsführer des Dachverbands von 29 im Kreis Esslingen tätigen Jugendorganisationen und -gemeinschaften, die wirtschaftliche Lage des Vereins zusammengefasst. Die Zahlen mögen wieder stimmen, doch der Kurs stößt auf herbe Kritik. Die Landkreisverwaltung ist verstimmt, weil sie sich bei einem KJR-Arbeitskreis ausgebootet fühlt.

In seinem Jahresbericht vor dem Jugendhilfeausschuss des Esslinger Kreistags hat Rieck den Jahresfehlbetrag 2017 auf 57 212 Euro beziffert, bei einem Geschäftsvolumen von knapp elf Millionen Euro. Hätte der Verein nicht 90 000 Euro an zu viel abgerufenen Mitteln aus dem Vorjahr zurückzahlen müssen, dann wäre seiner Einschätzung zufolge unter dem Strich ein positives Ergebnis herausgekommen.

Finanzielle Soforthilfe für den Kreisjugendring

Der Kreisjugendring, der unter anderem das pädagogische Personal an mehr als 30 Jugendhäusern im Kreis Esslingen stellt und an 39 Schulen die Schulsozialarbeit verantwortet, war im Spätherbst des Jahres 2014 finanziell nahezu auf Grund gelaufen. Auf dem Konto war nicht genügend flüssiges Geld, um die Löhne und Gehälter der rund 340 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu begleichen. Der Liquiditätsengpass hatte damals nur durch einen Überziehungskredit der Kreissparkasse Esslingen in Höhe von 1,2 Millionen Euro überbrückt werden können. Auf der Suche nach der Ursache sind die Beteiligten auch mit Hilfe eines Wirtschaftsprüfers schnell fündig geworden: Die gewachsenen Strukturen des im Jahr 1950 gegründeten Vereins haben nicht mehr mit den organisatorischen Anforderungen Schritt gehalten, die an einen Betrieb mit einem jährlichen Geschäftsvolumen von immerhin mehr als elf Millionen Euro gestellt werden müssen.

Neben der finanziellen Soforthilfe durch die Kreissparkasse sind auf Druck des Landkreises, der die Arbeit des Kreisjugendrings jährlich mit einem Zuschuss in Höhe von 2,5 Millionen Euro unterstützt, zudem strukturelle Änderungen vorgenommen worden. So hat jetzt ein Verwaltungsrat ein strenges Auge auf die Einhaltung der wirtschaftlichen Spielregeln. Zudem wurde dem pädagogischen KJR-Geschäftsführer Ralph Rieck mit Stefanie Eisele eine kaufmännische Geschäftsführerin zur Seite gestellt.

Der Kurs stößt auf heftige Kritik

Die einhellige Freude im Ausschuss, nicht mehr nur über Zahlen, sondern auch wieder über Inhalte diskutieren zu können, hat nicht lange angehalten. Pflegeleicht bleibt der Kreisjugendring nicht. So hat die Mitgliederversammlung jüngst den Wunsch der Landkreisverwaltung abgelehnt, dem Kreisjugendreferat im Landratsamt ein Mitspracherecht im Arbeitskreis Kommunalwahl zu geben. Im Vorfeld der im kommenden Jahr stattfindenden Kommunalwahlen hätte die Landkreisverwaltung eine Beteiligung an dem neu gegründeten Arbeitskreis gerne gesehen, um die Jugendbeteiligung auf Landkreisebene besser zu vernetzen.

„Das ist kein gutes Zeichen der Zusammenarbeit – und das gegenüber einem Geldgeber, der immerhin 2,5 Millionen Euro im Jahr beisteuert“, sagte der Esslinger Landrat, Heinz Eininger (CDU), verärgert. Riecks Beteuerung, der Beschluss sei eher nach innen, mit Zielrichtung auf die Mitgliederversammlung, gerichtet gewesen, und auf operativer Basis wolle man natürlich – wie bisher auch – eng zusammenarbeiten, war kaum geeignet, den zürnenden Kreischef zu beruhigen. Beistand bekam Rieck von Steffen Weigel (SPD) und Christine Roos (Bündnis 90/Die Grünen), die versuchten, die Wogen zu glätten. „Man muss damit leben, dass ein Verein Entscheidungen trifft, die nicht allen gefallen müssen“, so Weigel.

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