Neue Daten zeigen, wie teuer Extremwettereignisse im Land und in der Region wirklich sind. Eigentümer müssen sich auf höhere Kosten für ihre Gebäudeversicherung einstellen.
Extremwetterereignisse haben in den vergangenen Jahren erhebliche Schäden an Gebäuden im Landkreis Ludwigsburg verursacht. Das zeigen Daten des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), die vom Recherchenetzwerk CORRECTIV.Lokal analysiert und veröffentlicht wurden.
Zwischen 2002 und 2022 beliefen sich die durchschnittlichen Schäden an versicherten Gebäuden im Landkreis auf rund 1118 Euro pro Gebäude. Besonders starke Ausschläge nach oben gab es in Jahren mit schweren Unwettern oder Hochwasser.
Nehmen solche Ereignisse zu, wird dies auch Auswirkungen auf die Gebühren für Gebäudeversicherungen haben, warnt eine Sprecherin der Württembergischen Versicherung mit Sitz in Kornwestheim.
Starkregen führt zu Millionenschäden
In dem Untersuchungszeitraum waren 5,5 Prozent aller versicherten Gebäude von Schäden durch Sturm und Hagel betroffen. Der durchschnittliche Schaden lag hier bei 1529 Euro pro Fall – relativ niedrig im Vergleich zu anderen Wetterereignissen.
Wesentlich teurer fielen Schäden durch Elementargefahren wie Starkregen und Hochwasser aus. Zwar waren nur 0,8 Prozent der versicherten Gebäude im Landkreis betroffen, der durchschnittliche Schaden lag jedoch bei 12 313 Euro.
Allein im Jahr 2024 beliefen sich die Elementarschäden deutschlandweit auf 282 Millionen Euro, ein deutlicher Anstieg gegenüber den 177 Millionen Euro im Vorjahr, wie die Sprecherin der Württembergischen Versicherung AG mitteilt. Davon war insbesondere Süddeutschland betroffen, wo es im Juni 2024 zu schweren Überschwemmungen kam – auch im Landkreis Ludwigsburg. Im Jahr zuvor waren es vor allem Regionen in Norddeutschland, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Nordrhein-Westfalen, die unter Starkregen litten.
Extremwetter treten immer häufiger und regelmäßiger auf
Die Analyse zeigt, dass Schäden durch Extremwetterereignisse nicht flächendeckend, sondern regional auftreten – jedoch immer häufiger und regelmäßiger. Die Durchschnittsschäden pro Haus in Baden-Württemberg haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich zugenommen. Am Anfang des Jahrhunderts waren es noch 4803 Euro, in den vergangenen Jahren waren es dann schon durchschnittlich 7888 Euro pro Gebäude.
Höhere Kosten fürGebäudeversicherungen
„Mit der Zunahme von Extremwetterereignissen steigen auch die Ausgaben der Versicherungen“, erklärt die Sprecherin der Württembergischen. Ohne wirksame Präventionsmaßnahmen müssen Verbraucher in Zukunft mit höheren Versicherungsprämien und Selbstbeteiligungen rechnen.
Nach Schätzungen des GDV könnte es innerhalb der nächsten zehn Jahre sogar zu einer Verdopplung der Prämien für Wohngebäudeversicherungen kommen. „Betroffen wären alle Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer, anteilig über die Miete auch alle Mieterinnen und Mieter“, sagt eine Sprecherin des Verbands.
Auch deshalb warnt eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung davor, den Klimaschutz zu vernachlässigen. „Es kostet uns viel weniger, das Klima zu schützen, als es nicht zu tun“, so das Fazit der Forscher.
Der aktuelle Koalitionsvertrag der neuen Regierung sieht derweil eine Pflichtversicherung für Elementarschäden wie Hochwasser oder Überschwemmungen vor. Bisher haben nur etwa die Hälfte aller Wohngebäude in Deutschland eine Versicherung gegen Elementarschäden. In Baden-Württemberg sind dagegen rund 94 Prozent der Gebäude gegen Elementarschäden versichert. Das habe historische Gründe, wie die Sprecherin der Württembergischen Versicherung erklärt: Denn bis 1993 bestand in Baden-Württemberg eine Pflichtversicherung.
Hinweis
Kooperation
Diese Recherche ist Teil einer Kooperation mit CORRECTIV.Lokal, einem Netzwerk für Lokaljournalismus, das datengetriebene und investigative Recherchen gemeinsam mit Lokalredaktionen umsetzt. CORRECTIV.Lokal ist Teil des gemeinnützigen Recherchezentrums CORRECTIV, das sich durch Spenden finanziert.