Eckart von Hirschhausen kennt Ludwigsburg gut – und hat dort mehrere Projekte laufen. Foto: Andreas Essig

Ein Schicksalsschlag für Landrat Allgaier überschattet das Fest. Eckart von Hirschhausen schafft mit Humor und Warnungen eine unterhaltsame Brücke – und schwärmt von Ludwigsburg.

Für Ludwigsburgs Landrat Dietmar Allgaier begann das neue Jahr mit einem schweren Verlust: dem Tod seiner Mutter. Aus diesem Grund übernahm am Freitag sein ehrenamtlicher Stellvertreter, Rainer Gessler, die Rede beim traditionellen Neujahrsempfang – und entschuldigte Allgaier vor den zahlreichen Gästen: Politiker, Kommunalvertreter, Wirtschaftsakteure, Polizei und viele mehr.

 

Musikalisch umrahmt wurde der lichthelle Empfang im Reithaus von der Combo der Musikschule Besigheim – eine stimmungsvolle Begleitung, die den feierlichen Rahmen perfekt ergänzte. Mit Allgaiers Gedanken und dem Rückblick auf das vergangene Jahr aber wurde deutlich, dass auch der Landkreis von den unruhigen Zeiten mitgerissen wird und „die Welt eng miteinander verflochten ist“. Negative wie positive Entwicklungen – auch über Ländergrenzen hinweg – hob der Landrat hervor und unterstrich: „Stabilität ist keine Selbstverständlichkeit“.

Dass auch die Finanzen aktuell ein Aufregerthema sind, ist hinreichend bekannt. Allerdings verkündete Rainer Gessler, dass es zwar keinen ausgeglichenen Haushalt gebe, aber „dank 471 Einzelmaßnahmen 43 Millionen Euro eingespart werden konnten“. Hier aber mahnt der Landrat bei Bund und Ländern an: „Auch wir Landkreise benötigen eine finanzielle Ausstattung, die unseren Aufgaben gerecht wird.“

Hirschhausen brachte die rund 500 Gäste zum Lachen und zum Nachdenken. Foto: Andreas Essig

Seit Kindesbeinen immer wieder in Ludwigsburg

Als besondere Attraktion trat der in der Rede mehrfach erwähnte und mit Anerkennung bedachte Entertainer Eckart von Hirschhausen auf die Bühne – und erwies sich erneut als mitreißender Unterhalter. Sein bewährter Mix aus Wissenschaft, Medizin und Humor, serviert mit kessem Zungenschlag, zog die knapp 500 Gäste im Handumdrehen in seinen Bann. Frei nach dem Motto: „Wer viel lacht, baut Stress ab“ – und mit bohrenden Fragen wie: „Warum zerstören wir unseren Planeten, wenn wir doch so schlau sein wollen?“ – appellierte er an Vernunft, Wahrhaftigkeit und echte Begegnungen – statt digitaler.

Von Hirschhausen fühlt sich Ludwigsburg besonders verbunden – nicht nur, weil er hier regelmäßig auftritt, sondern auch, weil er hier als Kind oft bei seinen Großeltern mütterlicherseits zu Gast war. Auf die Frage nach seiner eindrücklichsten Erinnerung an die Barockstadt antwortet er sofort: „Der Märchengarten.“ Später auf der Bühne lässt er sogar Details wieder aufleben – und ahmt die dunkle Stimme des Blüba-Drachens nach: „Bitte Papier!“ – ein Moment, der das Publikum zum Lachen brachte.

„Der Kreis Ludwigsburg ist sehr fortschrittlich.“

Eckart von Hirschhausen, Gast beim Neujahresempfang

Stets auf der Suche nach Komischem, wird der Entertainer freilich auch in der Barockstadt fündig. Mit aktuellen Schnappschüssen, die manch Skurriles und Komisches dokumentieren, amüsierte er sein Publikum prächtig.

Der Arzt und Entertainer verschweigt nicht, dass er sich stets für bessere Lebensbedingungen und soziale Verhältnisse engagiert. „Gesundheitliche Herausforderungen im Alltag werden eine immer größere Rolle spielen – und Extremhitzeereignisse werden zur Überlebensfrage.“

Von links: Die Grünen-Landtagsabgeordneten Tayfun Tok und Silke Gericke, Kornwestheims Oberbürgermeister Nico Lauxmann, Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht und Eckhardt von Hirschhausen. Foto: Andreas Essig

So habe er während seines Aufenthaltes in Ludwigsburg auch dazu genutzt, diverse Dinge anzustoßen, die übers Jahr hinweg Früchte tragen sollen. „Der Kreis Ludwigsburg ist nämlich sehr fortschrittlich, was die Hitzeschutzpläne anbetrifft“, erklärte der Arzt im persönlichen Gespräch. Seine Stiftung „Gesunde Erde, gesunde Menschen“ kooperiert etwa mit dem niedergelassenen Hemminger Arzt Dr. Robin Maitra.

 „Früher hatte man Angst vor dem Winter, heute vor dem Sommer“, äußerte er vor dem Publikum und betonte die Körperkerntemperatur – jene, die im Inneren von Brustkorb, Bauch oder Kopf stets konstant gehalten werden muss – bei gesunden Erwachsenen etwa 36,4 bis 37,3 Grad Celsius. „Jeder von uns ist hitzegefährdet.“

Abend der Gegensätze

Studentinnen und Studenten der Ludwigsburger Filmakademie springen auf das Boot – sie produzieren kurze Erklärfilme, um den Hitzeschutz in die Köpfe der Menschen zu tragen. „Wir wollen so auch die Kompetenzen dieser Stadt nutzen“, betonte der Prominente.

Auch mit seiner zweiten Stiftung „Humor hilft heilen“ will er positive Effekte hinterlassen. Von Hirschhausen hat nämlich der Kinderklinik der Barockstadt einen Besuch abgestattet. Dort müsse seiner Meinung nach der optische Eindruck tüchtig aufgebessert werden. Mit Spendengeldern wolle die Stiftung nun dafür sorgen, dass die Stationen freundlicher und die Räume für die kleinen Patienten zeitgemäß umgestaltet werden.

Der Neujahrsempfang vereinte Gegensätze: Während Landrat Allgaier trauerte, schloss der Abend mit einem Gefühl von Verbundenheit, Verantwortung und Hoffnung – auf bessere Zeiten, echte Begegnungen und einen Ort, der auch in unruhigen Zeiten zusammenhält: den Kreis Ludwigsburg.