Einen eher misstrauischen Blick aus ihrem Körbchen wirft diese Tierheimkatze. Foto: StZ/Archiv

Vor einem Jahr ist die Zusammenarbeit der Tierschutzvereine im Kreis zerbrochen. Keiner wusste, wie es künftig mit der Finanzierung ihrer Arbeit weitergehen würde. Nun zeichnen sich neue Allianzen ab – und neues Konfliktpotenzial.

Göppingen - Die Zustimmung des Gemeinderats am 14. Dezember ist nur noch Formsache: Die Stadt Göppingen stellt ihre Zusammenarbeit mit dem Göppinger Tierschutzverein auf eine neue Grundlage: Künftig wird sie ausschließlich mit dessen Tierheim zusammenarbeiten und die Zuschüsse für die Versorgung von Fundtieren erhöhen. Ob sich die Tierschützer mit dem neuen Vertrag einen Gefallen getan haben, bleibt noch abzuwarten.

Die Stadt und der Verein haben den Sonderweg beschritten, weil eine Kooperation mehrerer Tierschutzvereine im Kreis vor rund einem Jahr nach 15 Jahren Zusammenarbeit zerbrochen war. Bis dahin hatten alle Kommunen pauschal zehn Prozent ihrer Einnahmen aus der Hundesteuer – ungefähr 100 000 Euro pro Jahr – in einen Topf geworfen. 45 Prozent davon gingen an das Göppinger Tierheim, 45 Prozent an den Katzenschutz Donzdorf und zehn an das kleine Tierheim Geislingen/Türkheim. Die Tierherberge Donzdorf und das kleine Tierheim an der Roggenmühle arbeiteten außerhalb des Netzwerks und ohne kommunale Unterstützung.

Kommunen zahlten weniger für Tierschutz als in anderen Landkreisen

Den Göppingern war ihr Anteil zu gering. Tatsächlich lag bereits die zu verteilende Gesamtsumme deutlich niedriger als in den anderen Kreisen der Region Stuttgart. Die Göppinger argumentierten, dass sie einen größeren Anteil bräuchten, weil sie bei weitem die meisten Hunde versorgten – was allein wegen des Gassigehens aufwendiger sei als etwa die Versorgung von Katzen. Weil sich die Vereine nicht einigen konnten, kehrten die Göppinger der Kooperation schließlich den Rücken. Seither wurde in Rathäusern und Vereinsheimen darüber debattiert, wie der Tierschutz im Kreis auf eine neue finanzielle Grundlage gestellt werden könnte.

Mittlerweile steht die Lösung fest: Katzenschutz Donzdorf und Tierherberge Donzdorf sowie Tierschutzverein Geislingen/Türkheim haben sich zu einem Tierheimverbund zusammengeschlossen, das Göppinger Tierheim macht alleine weiter.

Die Göppinger nehmen alle Tiere auf, die in Göppingen gefunden werden, der Verbund kümmert sich um die Tiere aus dem restlichen Kreis. Die Kreiskommunen finanzieren das mit 77 Cent pro Einwohner und Jahr, die Stadt Ebersbach zahlt künftig beispielsweise 11 800 Euro an den Verbund – deutlich mehr als die 7000 Euro, die sie früher an die Kooperation zahlte. Insgesamt haben 32 der Kommunen im Kreis den Vertrag mit dem Verbund ratifiziert.

Jetzt gibt es mehr Geld für die Tierschützer

Auch die Stadt Göppingen wird ihre Ausgaben für den Tierschutz von Januar an erhöhen. Für dieses Jahr will die Stadt dem Verein einen Zuschuss von 30 000 Euro gewähren – statt der 24 000 Euro die sie bisher an die Kooperation gezahlt hat. Von Januar an soll der Zuschuss anhand der Gesamtkosten des Heims im Vorjahr neu berechnet werden. Die Stadt wird dann die anteiligen Kosten für die Versorgung der Fundtiere aus Göppingen übernehmen – mit den aktuellen Zahlen sind das im kommenden Jahr 69 000 Euro.

Damit bekommen also der neue Verbund wie auch das Göppinger Tierheim deutlich mehr Geld von den Kommunen als bisher. Ob damit alle Probleme dauerhaft vom Tisch sind, muss sich aber erst noch zeigen. Denn eigentlich hatten die Göppinger gehofft, noch weitere Kommunen aus dem westlichen Landkreis wie Eislingen oder Ebersbach für sich zu gewinnen. „Wir haben alle angeschrieben, aber kaum eine Rückmeldung erhalten“, berichtet der Vereinsvorsitzende Peter Rolf. Offenbar waren die Kommunen zu dieser Zeit bereits in Verhandlungen mit dem neuen Verbund und dessen Wortführer und Vorsitzenden des Katzenschutzes, Carl-Friedrich Giese.

Tierheim-Verbund sieht sich gut aufgestellt

Dass künftig nur noch Fundtiere aus Göppingen im dortigen Tierheim abgegeben werden dürfen und alle anderen in die Verbund-Heime müssen, könnte dazu führen, dass in Göppingen Zwinger leer bleiben. Schließlich kamen dort bisher auch Tiere aus anderen Orten unter. Der Verbund hingegen sieht sich gut aufgestellt. Der Katzenschutz, der 170 Plätze hat, kümmert sich wie bisher um die Samtpfoten, die Tierherberge, die bis zu 100 Hunde aufnehmen kann, und das Geislinger Tierheim übernehmen den Rest. Profitieren wird vor allem die Tierherberge, die bisher keine kommunalen Zuschüsse bekam. Der Verein lag lange mit seinen Nachbarn vom Katzenschutz im Clinch. Das soll sich aber inzwischen geändert haben. An diesem Sonntag feiert die Tierherberge von 11 bis 18 Uhr einen Tag der offenen Tür mit Tiersegnung.

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