Bahnen für Holzkugeln sollen Kindern Abwechslung bieten bei ihrem Aufenthalt im Wald bei Adelberg. Foto:  

Fachleute pflanzen in Baden-Württemberg vermehrt Baumarten, die in Südeuropa heimisch sind. Bei einem Gang entlang des Herrenbachstausees nahe Adelberg erklärte ein Förster die Auswirkungen des Klimawandels und die Strategie von Waldarbeitern hierzulande.

Nichts ist so beständig wie der Wandel.“ Ob Heraklit vor zweieinhalb Tausend Jahren damit schon den Klimawandel vorausgesehen hat, darf bezweifelt werden. Dass sich die Umwelt schneller verändert, als sich das viele Ökologen und Umweltforscher vor Jahrzehnten ausgerechnet haben, machte Jürgen Sistermans-Wehmeyer von Forst Baden-Württemberg vor wenigen Tagen einer Schar von rund zwei Dutzend Besuchern während eines gut dreistündigen Rundgangs um den Herrenbachstausee bei Adelberg klar.

 

Viele Nadelbaumarten wie die Tanne und die Fichte werden den Klimawandel wohl nicht verkraften. Damit der Wald aber erhalten bleibt, dafür muss schon heute der Grundstein gelegt werden in Form von verschiedenen Eichenarten, aber auch resistenten Linden, Esskastanien (Maronen), Walnuss, Elsbeere, Mehlbeere, Hainbuche (Weißbuche). Auch bisher nichtheimische Baumarten werden vermutlich künftig mehr zu finden sein, meinte der Experte. „Aus Gründen der Biodiversität setzten wir bei Forst BW eher auf Baumarten, die bereits in Südeuropa und Südosteuropa heimisch sind und, ähnlich wie verschiedene Tierarten, im Rahmen des Klimawandels bei uns einwandern würden.“ Man muss sich folglich auf ein sich veränderndes Waldbild einstellen.

Dass der Klimawandel zumindest in Teilen bereits bei uns angekommen ist, zeigt auch das Auftreten der Hausfeldwespe, auch Gallische Wespe genannt. Vor 30 Jahren sei sie nur in der Kaiserstuhl-Region bekannt gewesen, inzwischen besiedele sie die Zone bis nach Mitteldänemark, erklärte Sistermanns-Wehmeyer.

Berechnungen der Klimaforscher von 1990, die sich mit den Risiken für die Wälder befassten, sind längst überholt und der bis 2100 erwartete Wärmeanstieg von 2,6 Grad sei bereits in den vergangenen fünf bis sechs Jahren erreicht worden: „Die Klimazonen verschieben sich schneller, als der Baumwuchs folgen kann.“

Eine Gefahr für die heimischen Amphibien sind zwei Pilzarten mit ebenso unaussprechlichen Namen wie fürchterlichen Auswirkungen auf die befallenen Tiere: Batrachochytrium dendrobatidis und Batrachochytrium salamandrivorans. „Ich kann nichts für diese Namen“, sagte Sistermans-Wehmeyer. Deutsche Bezeichnungen für die beiden Pilze gebe es nicht. Die eine Art frisst Löcher in die Haut von vorwiegend betroffenen Feuersalamandern, die andere greift die inneren Organe der befallenen Tiere an. In die Natur gelangten sie vermutlich durch Tiere, die in Terrarien gehalten wurden.

Viele der Besucher, die dieser dritten Veranstaltung der Forstverwaltung folgten, interessierten sich auch für den See und seinen Rundwanderweg, der vor gut einem Jahr nach der Holzernte für viele Waldspaziergänger noch einem Chaos glich. Und ja, Sistermans-Wehmeyer gestand, das habe seinerzeit in der Bevölkerung Wellen geschlagen. Er verglich den Wald mit einem Fachwerkhaus. Entkerne man es, sieht es nicht sonderlich schön aus. Inzwischen habe sich der Wald erholt, die Wege sind sauber: „Nach jeder Holzernte werden sie auf Kosten der Forstverwaltung wieder hergestellt.“

Ruhezonen mit Bänken und Liegen laden zum Verweilen ein

Zu den Neuerungen im Wald gehören Ruhezonen mit Bänken und Liegen mit Blick auf den rund 700 Meter langen und 90 Meter breiten, in den Siebzigerjahren angelegten Stausee. Die Zonen sind eine Antwort auf die Frage: „Was wollen die Waldbesucher?“ Die Forstarbeiter entschieden sich für einen Waldpirschpfad, auf den das Echo nach anfänglicher Skepsis positiv ausfällt.

Um Kindern Abwechslung zu bieten, wurden entlang des rund drei Kilometer langen Rundweges Kugelbahnen aufgestellt. An der Fertigung der Bahnen und Bänke waren verschiedene Forstbezirke beteiligt, wobei auch viele Auszubildende Hand anlegten. Die Kugelbahnen werden angenommen, wenn auch erst spät jemand gefunden wurde, der für den Verkauf der Holzkugeln verantwortlich ist. Die Forstverwaltung dürfe dies nicht, also suchte sie einen privaten Unternehmer, der die Verkaufsautomaten betreibt.

Nicht heimische Tierarten breiten sich aus

Hausfeldwespe
 Den Klimawandel begleitet die Ausbreitung von nicht heimischen Tierarten. Förster Jürgen Sistermans-Wehmeyer nennt die Hausfeldwespe als ein Beispiel. Das auch Gallische Wespe genannte Tier sei vor 30 Jahren nur in der Region um den Kaiserstuhl bekannt gewesen. Inzwischen besiedele die Hausfeldwespe eine Zone, die bis nach Mitteldänemark reicht.

Waschbär
 Für die Ausbreitung des Waschbärs in Deutschland findet der Förster deutliche Worte: „Er ist eine der größten ökologischen Katastrophen, die wir haben“, sagt Sistermans-Wehmeyer. Bis auf fliegen, könne das Tier so ziemlich alles: „Er ist sehr mobil, intelligent und geschickt – und niedlich aussehen tut er auch noch.“ Gegen den nachtaktiven Jäger helfen nur Fallen, sagt der Förster.

Kugelbahn
 Waldbesucher bekommen Murmeln für die Kugelbahn an Automaten. Die Geräte stehen am Eingang und Endpunkt des Rundwegs beim Herrenbachstausee auf dem Damm und auf Höhe des Pirschpfads. Der neue Waldweg soll am 29. September im Beisein der Landtagsabgeordneten Ayla Cataltepe (Grüne) und Sarah Schweizer (CDU) offiziell eröffnet werden.