Vor dem Süßener Rathaus steht ein Elektrofahrzeug zum Ausleihen bereit. Foto:  

Ausgerechnet die Elektromobilität soll jetzt das Autoteilen im Kreis Göppingen voranbringen. Ein Calwer Anbieter wirbt bei den Kommunen für E-Car-Sharing.

Kreis Göppingen - Weniger fossile Abgase und weniger Verkehrslärm erhoffen sich die Verkehrsplaner von der Mobilität der Zukunft. Beide Ziele verfolgt auch eine neue Kooperation im Kreis Göppingen, die Carsharing und elektrische Mobilität verbindet. Der Landkreis, das Albwerk Geislingen und eine ganze Anzahl von Kreiskommunen haben sich mit der Deer Gesellschaft aus Calw zusammengetan, die E-Carsharing anbietet.

Das Beispiel Calw soll im Kreis Göppingen Schule machen

Schon seit dem vergangenen Dezember steht an der Ladesäule vor dem Süßener Rathaus ein elektrischer Renault Zoé für die Bürger bereit. Per App, Buchungsportal oder auch telefonisch kann das moderne Fahrzeug gemietet werden. Bei der Übergabe pries der Bürgermeister Marc Kersting das Elektroauto als Beitrag zum kommunalen Klimaschutzkonzept und Horst Graef, der Geschäftsführer der Energie Calw, sagte, damit halte das Calwer Modellprojekt Einzug im Kreis Göppingen. Die Region Calw gilt als landesweit erster Landkreis mit einem flächendeckenden E-Carsharing-Angebot. Vorangetrieben wurde das Projekt vom dortigen Energieversorger, der im Januar die Tochtergesellschaft Deer ausgründete.

„Wir wollen unsere Erfahrungen aus dem ländlich strukturierten Kreis Calw in den Kreis Göppingen übertragen“, erklärte die Deer-Sprecherin Ricarda Becker. Pionier beim E-Carsharing im Kreis Göppingen ist jedoch die Stadt Eislingen. An der örtlichen Mobilitätszentrale am Bahnhof stehen neben einem elektrischen Nissan Leaf außerdem ein Kleinbus mit Verbrennungsmotor zur Verfügung.

Zahlreiche Kommunen haben Interesse angemeldet

Noch vor der Kreisstadt Göppingen, die im Juli E-Carsharing-Standort wird, erhält Hattenhofen am 18. Juni ein solches Elektrofahrzeug und bald darauf auch Albershausen. In Zell und Schlat laufen die Vorbereitungen für den Bau von Ladesäulen, und die Gemeinden Dürnau, Gammelshausen, Schlierbach, Bad Boll, Bad Überkingen und Kuchen haben ebenfalls Interesse angemeldet. Auch in Geislingen, das bereits über vier öffentliche Elektro­ladesäulen verfügt, werde über eine mögliche Zusammenarbeit nachgedacht, erklärte die Sprecherin der Verwaltung.

Auch der Landkreis mischt mit

Zudem möchte der Landkreis seinen Fuhrpark um zwei Elektrofahrzeuge erweitern, die auch von Bürgern genutzt werden sollen, erklärte der Kreisverkehrsplaner Jörg Wieneke. „Wir wollen Flagge zeigen, denn die Mobilität ist im Umbruch“, auch wenn heute unklar sei, ob die Elektromobilität angesichts der umweltbelastenden Batterieherstellung das Allheilmittel sei.

Das Albwerk wirbt für mehr Ladesäulen

Dass sich der Landkreis als Koordinator für das E-Carsharing einsetzt und die Wirtschaftsförderung des Verbands Region Stuttgart für ein Förderprogramm für Elektroladesäulen gewinnen möchte, freut Armin Schelian vom Geislinger Energieversorger Albwerk. Der Netzbetreiber hegt als Infrastrukturunternehmen ein vitales Interesse an immer mehr Zapfsäulen und bietet seinen Kunden Zugang zu einem Ladenetz von 3000 Ladesäulen in einem bundesweiten Verbund mit 190 Stadtwerken, erklärte der Prokurist.

Hier werde nicht nur der gewohnte Heimattarif bezahlt, dank des freien Flottenmanagement von Deer, könne jede Fahrzeugbuchung außerdem bequem an jeder beliebigen Deer-Ladesäule beendet werden. Davon weist das Calwer Unternehmen auf seiner Internetseite rund 300 Standorte im Südwesten aus.

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