Griechische Landschildkröten sind streng geschützt. Foto: dpa-tmn

Rund um Kirchheim wurden zuletzt zehn griechische Landschildkröten aufgesammelt. Fast alle sind Männchen. Nicht nur das wirft bei den Tierschützern Fragen auf.

In den vergangenen Monaten wurden mehrere griechische Landschildkröten rund um Kirchheim gefunden. Was hat es damit auf sich?

 

Das Kirchheimer Tierheim steht noch immer vor einem Rätsel. Die ersten beiden Tiere wurden am 28. April gefunden, wie Sandra Nebe vom Kirchheimer Tierschutzbund berichtet. Griechische Landschildkröten können eine Panzerlänge von 20 bis 30 Zentimetern erreichen und bis zu drei Kilogramm schwer werden. Die Tierart ist streng geschützt.

Strenge Regeln für Schildkrötenhaltung oft ignoriert

Der Handel mit in der Natur gefangenen Tieren ist verboten. Gezüchtete Tiere dürfen nur mit einer entsprechenden Genehmigung verkauft werden und Besitzer müssen ihre Tiere bei der unteren Naturschutzbehörde anmelden und mit Fotos dokumentieren. „Das machen aber die wenigsten“, so die Erfahrung der Tierheimleiterin.

Inzwischen sind acht weitere Fundschildkröten dazu gekommen, eine Wasserschildkröte und sieben griechische Landschildkröten. Letztere sind laut Sandra Nebe alle zwischen 20 bis 30 Jahre alt. Vier von ihnen sind auf dem hinteren Panzer mit den Buchstaben M, S und A in den Farben Schwarz oder Weiß gekennzeichnet.

Seltsam sei, dass die sieben Schildkröten, die mutmaßlich zusammengehören, alle männlich sind. Männchen vertragen sich nämlich eigentlich nicht miteinander. „Für uns war das der Super-Gau, man muss die Männchen ja alle trennen“, so Sandra Nebe. Auch eine Paarhaltung sei schwierig, weil ein Männchen sexuell so umtriebig sein kann, dass es in der Regel nur mit mehreren Weibchen gehalten werden sollte.

Schildkröten haben markante Buchstaben auf dem Panzer

Die beiden weiteren gefundenen Schildkröten sind deutlich jünger. Eines davon ist ein Weibchen mit einem markanten L auf dem Rücken. Ob „Doro“, wie sie inzwischen nach der Sängerin Doro Pesch getauft wurde, mit den männlichen Fundtieren in Verbindung steht, vermag die Tierschützerin nicht zu sagen.

Dass die Schildkröten einfach nur irgendwo ausgebüxt sind, schließt Sandra Nebe aber aus, selbst wenn die Tierchen erstaunlich schnell vorwärtskommen, sobald es warm genug ist, und sogar klettern und graben könnten. Anderenfalls hätten die Besitzer ja nach ihnen gesucht. „Aber nicht ein Einziger hat nach ihnen gefragt“, bedauert sie. Nur eine Schildkröte, die vermutlich nicht zu dieser Gruppe gehört, wurde bislang abgeholt. „Die Besitzer waren überglücklich“, berichtet Nebe.

Ausgewachsen können Landschildkröten eine Panzerlänge bis zu 30 Zentimeter haben. Foto: imago images/imagebroker

Noch nie so viel ausgesetzte Schildkröten auf einen Schlag

Auch die außergewöhnlichen Fundorte lassen darauf schließen, dass die Tiere, die bis zu 80 Jahre alt werden können, nicht entlaufen sind. Sie wurden beispielsweise im Wald und auf einem Grillplatz entdeckt, ein Tier saß zudem auf einer Straße in Owen, eines im Randecker Maar, eines bei Schopfloch, eines nahe Bissingen, eines in Kirchheim und zwei befanden sich bei Dettingen in einem Graben. Dass so viele Schildkröten auf einen Schlag gefunden werden, habe sie noch nie erlebt, wundert sich Sandra Nebe.

Weil im Tierheim kein Platz mehr war – jede Schildkröte braucht mindestens zehn Quadratmeter Auslauf – , sind die männlichen Tiere inzwischen in einer Reptilien-Auffangstation in München untergekommen. Die anfängliche Hoffnung der Tierschützerin, die Panzertiere doch noch vermitteln zu können, hat sich rasch zerschlagen. Es habe zwar einige Interessenten gegeben, die aber weder Ahnung noch den nötigen Platz hatten, um die Schildkröten bei sich aufzunehmen.

Hinweise zur Herkunft der Landschildkröten nimmt der Tierschutzverein Kirchheim per Mail unter info@tierschutzverein-kirchheim.de oder Telefon 07021 /71812 entgegen.