Mit ihrem Projekt wollen die Elftklässler (von links) Jasmin Frank, Jakob Eisele, Jonas Kamella, Theodora Kaneloglou, Emilia Zinßer und Lena Günther die Integration fördern. Foto: Roberto Bulgrin

Mit einer Kleiderkooperation wollen Elftklässler des Plochinger Gymnasiums Integration fördern. Die Fundsachen kommen dabei Geflüchteten zugute.

In Plochingen leben derzeit rund 350 bis 400 Geflüchtete, die ihre Heimat aufgrund von Krieg, Verfolgung oder Armut verlassen mussten. Elftklässler des Gymnasiums Plochingen haben sich zum Ziel gesetzt, diesen Menschen zu helfen und ihre Integration durch konkrete Ideen zu fördern. Die acht Schülerinnen und Schüler belegen in der Kursstufe den Seminarkurs „Demokratiebildung“, der auch für die Abiturnote angerechnet werden kann.

 

Ihr Projekt klingt auf den ersten Blick naheliegend – und trotzdem gibt es etwas Vergleichbares in Plochingen bislang offenbar nicht. So organisieren die Elftklässler eine Kleiderkooperation mit dem „Markt 8“. Der Plochinger Begegnungsstätte für Geflüchtete sollen regelmäßig Fundsachen des Gymnasiums übergeben werden, die keiner mehr abholt.

Mit im Boot ist auch die Grundschule Altbach. Oft sammeln sich Dutzende Säcke an, bislang wurden sie meistens einfach entsorgt. Außerdem wird es eine Plattform für größere Sachspenden wie Fahrräder oder Möbel, die im Markt 8 bislang nicht gelagert werden können, und einen „Kompetenzmarktplatz“ geben. Der soll so funktionieren, dass die Mitarbeitenden hier eine Aufgabe ausschreiben, wenn ein Geflüchteter sie nicht allein stemmen kann, von Reparaturen bis Hilfe bei der deutschen Sprache. Wer dabei helfen kann, meldet sich.

Plochinger Rede gewinnt beimSchülerwettbewerb des Landtags

„Mit kleinen Dingen kann man sehr viel erreichen. Oft braucht es gar nicht viel“, beschreibt Lena Günther die Grundidee. Die 18-Jährige war es auch, die zusammen mit Pauline Zinßer beim Schülerwettbewerb des Landtags eine Rede eingereicht hat zum Thema Migration und wie man sich am eigenen Wohnort engagieren kann. Die Rede, die im Übrigen mit einem ersten Preis ausgezeichnet wurde, lieferte schließlich den Anstoß für das Projekt. „Werdet alle aktiv. Hand in Hand“ ist das Motto, das dahinter steckt.

Für die Rede haben die Schülerinnen mit Geflüchteten, aber auch mit dem ehrenamtlichen Koordinator der Plochinger Flüchtlingsarbeit im Markt 8, Geert Rüger, Interviews geführt. In denen wurden unter anderem der Wunsch nach mehr Austausch, aber auch Sachspenden genannt.

Flüchtlinge wünschen sich Kontakte und wollen sich integrieren

Wie groß das Bedürfnis der Geflüchteten nach Integration ist, wurde erneut beim pädagogischen Tag der Schule im Frühjahr deutlich. An diesem Tag hat die Projektgruppe ihre Ideen mit der Schulgemeinschaft diskutiert. Zu Gast waren unter anderem Bürgermeister Frank Buß, Vertreter des lokalen Bündnisses für Flüchtlinge sowie Migrantinnen und Migranten. „Viele haben sich gewünscht, dass man mehr gemeinsame Aktivitäten organisiert“, berichtet Theodora Kaneloglou. „Dafür müssen aber Kontakte hergestellt werden, genau dabei soll das Projekt helfen“, sagt Jasmin Frank. Beim Schulfest vor den Sommerferien wird es ebenfalls um Integration gehen. Unter anderem soll Wissen dort spielerisch mit einem Quiz vermittelt werden, berichtet Emilia Zinßer. Das Projekt ist so konzipiert, dass es auch künftige Klassen und ihre Lehrkräfte einfach umsetzen können. Dafür gibt es eine genaue Anleitung. Nachhaltig angelegt ist auch die Kleiderkooperation. Mit der soll im Übrigen nicht nur den Geflüchteten geholfen werden. „Es soll ein Bewusstsein bei den Schülerinnen und Schüler entstehen, wie man sich vor Ort engagieren kann“, so die Elftklässler. Sie haben deshalb systematisch Material zusammengestellt, damit die Themen Integration und Markt 8 im Unterricht besprochen werden können.

Elftklässler im Gespräch mit dem Plochinger Bürgermeister Frank Buß. Foto: Jasmin Frank/

Nachhaltig: Integrationsprojektkönnte Vorbild werden

„Unser Ziel ist es, dass das Projekt auch ohne uns weiterläuft“, sagt Jonas Kamella, der gemeinsam mit Jakob Eisele vor allem für die Entwicklung der Homepage verantwortlich ist. Es haben sich bereits zwei Lehrkräfte gefunden, die die Sache in die Hand nehmen wollen. Die vorhandene Projektstruktur erleichtert vieles und hilft dabei, Mitstreiter zu finden. „Man kann direkt mit einer Aufgabe auf jemanden zugehen“, sagt Lena Günther.

Die Ideen sollen nicht nur die Integration in Plochingen fördern, sondern auch andere Schulen oder Kommunen inspirieren. „Weitere Schulen könnten das übernehmen oder etwas Ähnliches aufbauen“, sagt Jakob Eisele. Wie alles funktioniert, steht auf der Homepage. Außerdem wird noch ein – federführend von Lukas Fichte entwickeltes – Video eingebaut, auf dem das Projekt anschaulich erklärt wird.

Anlaufstelle

Markt 8
Die Stadt Plochingen hat das Gebäude unterhalb des Rathauses als Entwicklungsfläche gekauft. Markt 8 ist eine offene Beratungs- und Begegnungsstätte für Migrantinnen und Migranten in Plochingen. Mit viel Eigenleistung wurde die ehemalige Ladenfläche umgestaltet und beherbergt nun einen großen Veranstaltungsraum, eine Kleiderkammer sowie ein Gemeinschaftsbüro für unterschiedliche Beratungsstellen rund um das Thema Migration und Integration. Neben der Beratungsstelle für Migranten und dem Integrationsmanagement der AWO ist hier auch das Lokale Bündnis für Flüchtlinge untergebracht.

Homepage
Die Elftklässler des Plochinger Gymnasiums haben für die Kleiderkooperation eine eigene Homepage entwickelt. Auf der wird das Projekt nicht nur genau erklärt. Es gibt unter anderem einen „Kompetenzmarkt“. Das ist eine digitale Plattform. Hier kann Markt 8 Dinge einstellen, bei denen Geflüchtete Hilfe brauchen. Wer Unterstützung anbieten kann, meldet sich dort. Abrufbar ist die Seite über den Link https://integrationwerdetalleaktiv.netlify.app/