Auch im Kreis Esslingen kommt es – gerade im Herbst und Winter – zu zahlreichen Kollisionen zwischen Autos und Wildtieren. Sich davor zu schützen, ist schwierig.
Der Deutsche Jagdverband hat vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass sich die Zahl der Wildunfälle auf deutschen Straßen in den vergangenen vier Jahrzehnten verfünffacht hat. Vor allem im Herbst und Winter steige die Zahl der Kollisionen, die für viele der Tiere tödlich enden würden, regelmäßig an.
Verwunderlich ist diese Zunahme aus mehreren Gründen nicht: Seit den 1980er-Jahren hat nicht nur der Verkehr stark zugenommen, auch das Straßennetz wurde massiv ausgebaut, was die Wahrscheinlichkeit, dass Rehe, Hasen, aber auch Wildschweine, Waschbären oder Dachse die Fahrbahnen queren, deutlich erhöht hat.
Keine signifikante Änderung seit 2022
Im Bereich der Polizeidirektion Reutlingen, zu der auch der Kreis Esslingen gehört, ist das während dieses langen Zeitraums sicher nicht wesentlich anders gewesen, wobei sich die Zahlen in den vergangenen drei Jahren nicht mehr signifikant verändert haben. Für 2022 weist die polizeiliche Statistik 2076 Wildunfälle aus, 2023 waren es 2306 und 2024 deren 2296.
Wie viele derartige Zusammenstöße es beispielsweise vor 20 Jahren gegeben hat, lässt sich indes nicht beziffern, da es eine entsprechende polizeiliche Erfassung erst seit Mitte des Jahres 2021 gibt. Zudem weist Christian Wörner, von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit der Reutlinger Polizeidirektion, darauf hin, „dass nicht alle Wildunfälle bei der Polizei gemeldet werden, sich das tatsächliche Geschehen in unserer Statistik also nicht lückenlos darstellen lässt“.
Meldung bei der Polizei ist ratsam, aber nicht verpflichtend
Eine strafbewehrte Verpflichtung zur Meldung eines Wildunfalls bei der Polizei bestehe ohnehin nicht, ergänzt Wörner. „Eine Meldung kann jedoch empfehlenswert sein, wenn der entstandene Schaden zum Beispiel bei der Kaskoversicherung geltend gemacht werden soll.“ Eine sogenannte Wildschadensbescheinigung könne man bei Bedarf allerdings auch beim zuständigen Jagdpächter bekommen.
Maximilian Freiherr von Gaisberg, der Vorsitzende der Jägervereinigung Esslingen, bestätigt diese Aussage: „Die Zuständigkeit in solchen Fällen und sofern keine Personen verletzt werden, liegt im Prinzip bei den Jagdpächtern.“ Dennoch sei es nicht verkehrt die Polizei zu rufen, da die Beamten alles weitere veranlassen würden, fügt er hinzu und rät obendrein dringend davon ab, das Auto zu verlassen, in der Annahme, dem Tier helfen zu können.
Besser im Auto bleiben, als versuchen zu helfen
„Das kann, je nachdem um was für ein Tier es sich handelt, unangenehme Folgen haben, sofern dieses verletzt ist und sich möglicherweise zu wehren versucht“, sagt von Gaisberg. Dass es in den vergangenen Jahrzehnten auch im Esslinger Raum eine Zunahme bei den Wildunfällen gegeben hat, bestätigt der Experte ebenfalls und räumt zugleich ein, dass es schwierig sei, sich als Autofahrer davor zu schützen. „Wenn’s passiert, passiert’s“, sagt er.
Ein paar Tipps hat er dennoch parat: „Gerade auf Straßen, die durch Waldstücke führen, ist eine vorsichtige, etwas langsamere Fahrweise empfehlenswert.“ Zudem sei, wenn ein Tier auftauche, damit zu rechnen, dass andere folgen. „Und steht etwa ein Reh auf der Straße, gilt das Motto ,Fernlicht aus!’, da das Tier aufgrund der Blendwirkung ansonsten nicht von der Stelle weicht.“
Im Zweifelsfall, auch darauf weist von Gaisberg ausdrücklich hin, sollten Fahrzeuglenker allerdings eine kontrollierte Kollision in Kauf nehmen: „Hektisch auszuweichen und im Graben zu landen, führt in aller Regel dazu, dass die Unfälle mit schlimmen Folgen für die menschlichen Beteiligten enden.“