Wahlparty am 23. Februar: David Preisendanz nimmt nach der Wahl in den Bundestag erste Glückwünsche entgegen. Foto: Ines Rudel

Wie findet sich ein Politiker zurecht, wenn er als Neuling in den Bundestag gewählt wird? Ein Beispiel aus dem Kreis Esslingen.

Der Job ist auf vier Jahre befristet – und manchmal endet er sogar schon früher: Wenn Bundestagsabgeordnete über die Legislaturperiode hinaus bleiben wollen, müssen sie sich durchsetzen. In der eigenen Partei und bei der Wahl gegen Konkurrenten aus anderen Parteien.

 

Die ersten acht Monate der Vier-Jahres-Frist sind für David Preisendanz aus dem Wahlkreis Esslingen bereits abgelaufen. Am 25. März saß er das erste Mal für die CDU im Bundestag. Alles war neu für ihn, nichts war gewiss. Inzwischen ist er angekommen im Regierungsviertel. Von der Stadt Berlin selbst hat er allerdings bislang noch nicht sehr viel gesehen. Keine Zeit. Nicht für die reichhaltigen Kulturangebote der Hauptstadt, nicht für das Stadtleben an sich, und auch nicht für das Basketballteam von Alba Berlin, das er sich gerne mal anschauen würde.

„Von morgens bis abends im Regierungsviertel“

„Ich bin von morgens bis abends im Regierungsviertel“, sagt Preisendanz. „Die Tage beginnen früh und enden spät.“ Das Wort „Blase“ verkneift sich Preisendanz, aber es gehört wohl zur Dialektik des Berufs: Um nah am Leben zu sein, ist man zuweilen gezwungen, weit weg davon zu sein. Anders ausgedrückt: Wenn Abgeordnete wie Preisendanz das Leben der Bevölkerung politisch beeinflussen wollen, müssen sie fleißig sein und im Regierungsviertel Informationen und Erkenntnisse sammeln, sich einbringen bei der Formulierung von Gesetzen, Kontakte knüpfen und pflegen. Das kostet so viel Zeit, dass zumindest in Berlin kaum welche übrig bleibt, um nah bei denen zu sei, für die sich der Einsatz lohnen soll.

Preisendanz verbringt nur die Hälfte seiner Zeit in Berlin, die andere ist er im Wahlkreis. Das klappt allerdings nicht immer – vor allem in Wochen, in denen der Bundeshaushalt beschlossen wird, ist er zusätzlich in Berlin. Für die Verabschiedung des Haushalts 2025 und des Haushalts 2026 zum Beispiel musste er in den letzten Wochen sehr viel mehr Zeit in Berlin verbringen als im Kreis Esslingen oder an seinem Wohnort Ostfildern. Dennoch wird er genau dort geerdet, insbesondere in einem anderen politischen Gremium, das ganz andere Herausforderungen als der Bundestag bestehen muss: im Gemeinderat.

Erdung in Ostfildern: Wo der Schuh auf lokaler Ebene drückt

Auf der lokalen Ebene kämpft man derzeit viel mit Zahlen – besser gesagt mit dem Haushalt, der in Ostfildern genauso wie an anderen Orten zunehmend in eine Schieflage gerät. Es klafft eine Millionenlücke zwischen dem, was etwa durch die Gewerbesteuer reinkommt und dem, was teilweise ausgegeben werden muss, etwa für Gehälter, und man gerne ausgeben würde, um das Leben in der Stadt angenehmer zu machen.

In Berlin dagegen das Kontrastprogramm. Hier arbeitet Preisendanz in drei Ausschüssen mit, dem Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz, dem Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union sowie dem Unterausschuss Europarecht. Das klingt abstrakt, aber der Abgeordnete erklärt am Beispiel des Rechtsausschusses, was ihn daran reizt: Hier sind die Gesetze „noch in Entstehung“, was nichts anderes bedeutet, als dass er einen Einfluss auf die ganz große Politik ausüben kann. „Am Ende weißt du, da ist was von dir drin in dem künftigen Gesetz.“

David Preisendanz bei einer Rede im Bundestag. Foto: Deutscher Bundestag

Detailarbeit in Ausschüssen: Gesetze mit weitreichenden Folgen

In den Ausschüssen geht es dann allerdings auch wieder oftmals sehr ins Detail. Nicht jeder Bürger kann auf Anhieb etwas mit der „Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über mit bestimmten neuen genomischen Techniken gewonnene Pflanzen“ anfangen und dennoch ahnt man, dass Verordnungen wie diese oder die „Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Bekämpfung der Korruption“ indirekt durchaus Auswirkungen haben können auf das eigene Lebensumfeld.

Berlin ist für Preisendanz „manchmal wie ein Schullandheim“, denn „wir sind alle nicht zu Hause, leben für die Zeit in Berlin Tür an Tür und verbringen einen großen Teil des Alltags miteinander.“ Nach den Sitzungswochen gehen alle wieder auseinander in ihre jeweiligen Heimatkreise, um anschließend erneut zusammenzukommen.

Dabei bilden sich kleine Kreise und Zirkel. Für Preisendanz ist hier beispielsweise eine Runde von fünf weiteren Abgeordneten aus Baden-Württemberg wichtig, die sich ein wenig wie eine Schicksalsgemeinschaft gefunden haben. „Wir haben eine WhatsApp-Gruppe, gehen auch mal gemeinsam essen, besprechen die aktuellen Themen miteinander“, schildert Preisendanz das informelle Geschehen nicht ganz außerhalb, aber auch nicht im Zentrum des Berliner Politikbetriebs. Alle sechs haben etwas gemeinsam: Sie gehören derselben Partei an und sind neu im Bundestag.

David Preisendanz

Privat
David Preisendanz wurde 1984 geboren. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern im Alter von sieben, neun und elf Jahren. „Meine Familie ist mein Zuhause, Ostfildern unsere gemeinsame Heimat“, sagt er.

Beruflich
Von Beruf ist David Preisendanz Rechtsanwalt. Zunächst war er einige Jahre bei einer großen internationalen Kanzlei in Stuttgart tätig, zuletzt arbeitete er in der freien Wirtschaft bei Bosch als Syndikusrechtsanwalt. In den Bundestag wurde er Ende Februar 2025 gewählt.