Seit zehn Jahren warten pflegende Eltern vergeblich auf Entlastung im Kreis Esslingen. Das Esslinger Wohnprojekt für Kinder und Jugendliche mit Behinderung kommt nicht voran – im Partnerkreis zeichnet sich dagegen Neues ab.
Das Aus der Diakonie Stetten für eine dringend benötigte und geplante Betreuungseinrichtung für schwer mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche in Baltmannsweiler hat deren Eltern in den Kreisen Esslingen und Göppingen schwer getroffen. Das war im Frühjahr 2023. Seither sucht die Esslinger Kreisverwaltung vergeblich nach einem neuen Träger. Nun könnte sich eine neue Option auftun – diesmal auf Göppinger Kreismarkung.
Neue Ideen in Geislingen
Dabei handelt es sich um ein neues geplantes Angebot in Geislingen, das der Kreis Göppingen vorantreibt. In der dortigen früheren Helfensteinklinik, die bis zur umstrittenen Schließung im Mai 2021 Teil der kreiseigenen Albfilskliniken war, entsteht momentan das neue Gesundheitszentrum Helfenstein. Neben zahlreichen Facharztpraxen und einer allgemeinmedizinischen Notfallpraxis ist dort ein Integriertes Versorgungszentrum im Aufbau.
Entstehen werden dort auch verschiedene pflegerische Angebote wie Kurzzeitpflege, eventuell eine Tagespflege sowie Pflege-Wohngemeinschaften. Für die Entwicklung dieses Gesundheitsstandortes hat der Göppinger Kreistag das Unternehmen OptiMedis beauftragt. Auf diesen Plänen liegen die Hoffnungen der Beteiligten. So habe der Landkreis Esslingen an einer Belegungsoption für die betroffenen Familien großes Interesse und stehe in dieser Sache mit dem Landkreis Göppingen in Kontakt, sagt die Esslinger Kreissprecherin Andrea Wangner. Bis heute seien Familien mit mehrfach behinderten Kindern und Jugendlichen bedauerlicherweise auf überregional vorhandene Einrichtungen angewiesen. Das bedeute für die Familien Fahrten nach Stuttgart, Ulm und darüber hinaus, erklärte die Stadträtin und Vorsitzende des Esslinger Vereins Rückenwind für pflegende Mütter, Ursula Hofmann, damals. Und der Mangel an Plätzen im Kreis Esslingen bedeute eine ständige Konkurrenzsituation um die raren Angebote anderswo. Wer aus einem anderen Kreis anfrage, werde zum Teil abgewiesen, die Plätze würden verlost und zudem müsse man sich mindestens ein Jahr im Voraus bewerben. Wohnortnahe Angebote, die diesen Kindern und Jugendlichen beispielsweise den Schulbesuch erleichtern würden, gibt es trotz einer gesetzlichen Verpflichtung zur Betreuung der Kinder und der Entlastung pflegender Eltern nicht im Kreis Esslingen. Die entsprechenden Planungen von Kreisverwaltung und zuletzt der Diakonie Stetten (Rems-Murr-Kreis) sind seit zehn Jahren vergeblich geblieben. Nach zwei Fehlversuchen in Plochingen scheiterte die Umsetzung zuletzt in Baltmannsweiler an den gestiegenen Baukosten. Obwohl die Diakonie Stetten bereits 400 000 Euro Planungskosten investiert hatte, sagte sie den Bau des Wohnprojekts mit 18 stationären Plätzen und sechs Kurzzeitplätzen im Februar 2023 ab. Dieses Projekt wollten die Kreise Esslingen und Göppingen gemeinsam realisieren.
Plätze werden zum Teil verlost
In der Zwischenzeit habe die Kreisverwaltung 22 regional und überregional tätige potenzielle Partner kontaktiert. Aber wegen der schwierigen Personalsituation habe es lauter Absagen gegeben, heißt es aus dem Kreishaus. Beide Kreise seien bestrebt, für die Familien ein Angebot zu schaffen, und seien einer gemeinsamen Umsetzung gegenüber aufgeschlossen. Aktuell werde die Umsetzung am Gesundheitszentrum Helfenstein in Geislingen vom Kreis Göppingen geprüft. Punktuelle Entlastung in geeigneten Fällen soll eine Kurzzeitbetreuung in Gastfamilien bieten.