Auch die Kandidaten Renata Alt (FDP) und Cem Özdemir (Grüne) sind in der Gemeinde Neckartailfingen üblen Anfeindungen ausgesetzt. Foto: Ines Rudel

Unschöner Wahlkampfstil: I n der Gemeinde Neckartailfingen sind Plakate überklebt worden – ein Fall von vielen.

Neckartailfingen - In der Ortsdurchfahrt von Neckartailfingen haben Unbekannte Wahlplakate überklebt. Betroffen ist die Werbung für die Bundestagswahl am 24. September von Renate Alt (FDP), Nils Schmid (SPD) und Cem Özdemir (Grüne). Die Plakate sind mit Aufklebern mit der Aufschrift „Volksverräter“ versehen. In Erkenbrechtsweiler sind Plakate von Nils Schmid und von Matthias Gastel (Grüne) dagegen mit Hakenkreuzen beschmiert worden.

SPD sieht rechtsextremen Hintergrund und tadelt die AfD

„Das sind skandalöse Vorgänge“, sagt der Vorsitzende des SPD-Kreisverbands Esslingen, Michael Beck. Diese Verschandelungen hätten einen „eindeutig rechtsextremen Hintergrund“, ist der Begriff „Volksverräter“ doch Teil des nationalsozialistischen Sprachgebrauchs. Diese Fälle werde die SPD nicht einfach hinnehmen und auf jeden Fall bei der Polizei anzeigen, und man hoffe, den Tätern auf die Spur zu kommen. „Da muss man hinterher sein“, sagt Michael Beck, der auch Wahlkampfleiter von Nils Schmid ist.

Der SPD-Kreisvorsitzende sieht indessen einen „Zusammenhang zwischen rassistischen Äußerungen mancher AfD-Politiker und solchen Aktionen“. Insofern trage die AfD zumindest eine Mitverantwortung für Verunglimpfungen, wie sie jetzt in Neckartailfingen und zuvor in Erkenbrechtsweiler beobachtet worden sind.

FDP-Kandidatin mit Hitlerbärtchen verunstaltet

Betroffen von solchem Vandalismus ist in diesen Tagen auch die FDP im Wahlkreis Nürtingen. Bis zuletzt hatte es während des Wahlkampfs praktisch keine Vorfälle gegeben. Seit Beginn der Woche habe sich dies aber leider geändert, berichtet die liberale Kandidatin im Wahlkreis Nürtingen, Renata Alt. In Nürtingen-Reudern etwa wurde ein Plakat von ihr mit einem Hitlerbärtchen verunziert. Das betroffene Plakat sei inzwischen ausgetauscht worden.

Ihre Parteifreunde versicherten ihr, dass sie solche Anfeindungen nicht persönlich nehmen solle. Dennoch, so Renata Alt, lösten solche Schmierereien ein „unangenehmes Gefühl“ aus. In der Jesinger Straße in Kirchheim wurden Plakate der FDP und der CDU mit Messern zerschnitten. Solche Fälle von Vandalismus sind für Renata Alt auch Zeichen für einen mangelnden Respekt gegenüber der Demokratie.

AfD beklagt Zerstörung ihrer Plakate

Dass während des Wahlkampfs Plakate mit Textmarkern verunziert oder auch komplett zerstört werden, ist kein neues Phänomen. Dem für die Landkreise Reutlingen, Esslingen und Tübingen zuständigen Polizeipräsidium Reutlingen liegt auch diesmal wieder eine ganze Reihe von Anzeigen vor. Geografische Häufungen ließen sich dabei aber nicht feststellen.

Laut Recherchen der Nachrichtenagentur dpa klagen alle Parteien im Land über Vandalismus. Die großen Parteien CDU und SPD verzeichneten im Land keinen nennenswerten Anstieg. Die Grünen hingegen schon, und die AfD klage über besonders große Verluste. Mindestens die Hälfte der aufgehängten Plakate sei zerstört worden, bei manchen Kreisverbänden sogar alle, hat die Agentur dpa erfahren.

Die FDP verzeichnet zwar insgesamt weniger Beschädigungen als in vergangenen Wahlkämpfen, berichtet aber auch von „krassen Einzelfällen“. Wie in Remseck (Kreis Ludwigsburg), wo ein Plakat der dortigen Kandidatin angezündet wurde.

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