Statt am Restaurantherd kocht Grégory Crouzet künftig lieber öfter in Privatküchen. Mit seinem ungewöhnlichen Konzept bietet er individuelle Menüs – und nicht nur das.
Grégory Crouzet liebt Kochen und Backen. Jahrelang hat der gelernte Koch und Patissier in verschiedenen Küchen in Frankreich und Deutschland gearbeitet. Doch er ist immer weniger zufrieden mit der Arbeit in der Gastronomie: Stress, Monotonie und immer mehr Fertigprodukte in den Restaurantküchen verderben ihm den Appetit auf diesen Job. Deshalb hat er sich jetzt selbstständig gemacht – mit einem ungewöhnlichen Konzept.
Statt am Restaurantherd steht Crouzet künftig lieber öfter in Privatküchen: Der 40-Jährige lässt sich als Privatkoch engagieren. „Die Idee ist, das Restaurant nach Hause zu bringen“, sagt Crouzet. Er gehe zu den Kunden, koche dort, serviere und räume anschließend die Küche auf. „Ich mache alles – die Kunden können den Abend genießen und müssen sich um nichts kümmern“, erklärt er. Unterstützt wird er dabei bei Bedarf von seiner Freundin Lilian Heere, die ihm vor allem bei größeren Gruppen zur Hand geht, damit alles reibungslos funktioniert.
Individuelle Menüs von Kochservice aus Ostifldern
Ob Geburtstagsfeier, romantisches Dinner zu zweit oder ein Abend mit Freunden: Für bis zu 15 Personen bietet Crouzet seinen Kochservice an. Meist besteht das Menü aus drei bis vier Gängen. Dabei gebe er nichts vor – er richte sich ganz nach dem Geschmack seiner Auftraggeber, erzählt er. Nach einer Abfrage der Vorlieben, Wünsche und möglichen Allergien oder Unverträglichkeiten präsentiert Crouzet seinen Kundinnen und Kunden eine erste Menü-Idee, die dann gemeinsam diskutiert und weiterentwickelt wird.
Heraus kommen dabei Kreationen wie Lachs im Mosaik mit Zitronen-Kurkuma-Creme und Wasabi-Mayonnaise, Frühlingstarteletts mit jungen Erbsen, Ricotta, karamellisierten Zwiebeln und frischer Minze oder Apfeltaschen mit gesalzener Karamellbutter. Wichtig sei ihm, mit frischen und guten Zutaten zu kochen und keine Fertigprodukte zu nutzen, sagt Crouzet. Ob für Kuchen oder Pasta: Seine Teige seien allesamt handgemacht – und sogar seinen Schinken mache er selbst. „Ich möchte die Kontrolle über meine Produkte haben“, so der Koch. Bei Fertigprodukten wisse man nie, was genau enthalten sei.
Privatkoch im Kreis Esslingen braucht keine Profi-Küche
Von der Küchenausstattung seiner Kunden lässt sich Crouzet überraschen – er arbeitet mit dem, was er vorfindet. „Viele Kundinnen haben Angst, dass ihre Küche nicht gut ausgestattet ist“, erzählt er. Dabei seien einige davon sogar besser bestückt als manch Profi-Küche. Im Übrigen komme er mit vielem klar. Seine eigenen Messer bringe er ohnehin immer mit und oftmals auch seine eigenen Teller: „Dann kann ich so anrichten, wie ich es mir vorstelle“, erklärt der Koch. Wenn er bestimmte Utensilien brauche wie etwa eine Nudelmaschine, einen speziellen Spritzbeutel oder eine Crêpe-Pfanne, so nehme er auch diese mit.
Manche Gerichte müsse er vorbereiten, etwa Gulasch, weil dieses sehr lange kochen müsse. Ansonsten koche er aber vor Ort und freue sich, wenn er dabei mit Gastgebern und Gästen ins Gespräch komme. „Ich liebe das Kochen und mag es, meine Leidenschaft mit anderen zu teilen“, schwärmt Crouzet. Seine Ausbildungen zum Koch und zum Konditor habe er in Frankreich absolviert, erzählt der 40-Jährige, der in Teilzeit als Küchenchef im Friedrichsbau-Varieté arbeitet. Daher sei die Basis seiner Küche französisch angehaucht, aber er integriere gern Einflüsse aus aller Welt.
Privatkoch aus Lyon bringt Neues in Stuttgarts Gastronomie-Szene
Ursprünglich kommt Grégory Crouzet aus der Nähe von Lyon, wo er in einem kleinen Dorf in den Bergen aufgewachsen ist. Nach Stationen in verschiedenen Restaurants in Frankreich arbeitete er eine Weile in der Gastronomie in Berlin und kam schließlich in die Region Stuttgart. Crouzet wohnt in Ostfildern und bietet von hier aus seit etwa einem Jahr seinen Service an.
Doch das Konzept des Privatkochs sei in Deutschland weit weniger bekannt als in Frankreich, hat er beobachtet. „Manche denken, das ist sehr elitär“, glaubt seine Freundin Lilian Heere. Dabei könne er im Vergleich viel günstigere Preise anbieten als im Restaurant - schließlich müsse er weder ein Gastro-Gebäude in Schuss halten noch Miete zahlen oder Personal beschäftigen.
Buffet-Catering und Meal-Prep-Service im Krei Esslingen
Neben dem Privatkoch-Service bietet Crouzet auch ein Buffet-Catering für kleinere Gruppen bis etwa 30 Personen sowie Kochkurse an. Die Kurse finden nicht etwa in einer Kochschule statt, sondern bei den Kundinnen und Kunden zu Hause. Dabei erkläre er vor allem und lasse die Leute anpacken – schließlich gehe es darum, dass sie die Rezepte später in ihrer eigenen Küche nachkochen könnten. Bei Kindern sei etwa sein interaktives Rezept „My little garden“ sehr beliebt, ein Schoko-Muffin mit Schoko-Crumble und Erdbeersauce, das optisch einem kleinen Garten ähnelt – die Sauce kann jeder selbst aus einer kleinen Gießkanne angießen.
Ebenfalls noch recht unbekannt in Deutschland sei der Meal-Prep-Service, den er zusätzlich anbiete, sagt Crouzet. Dabei bereite er in der Küche seiner Kunden Mahlzeiten für den späteren Verzehr vor. Bei einem Paar komme er inzwischen jeden Montag nach Hause und präpariere fünf Gerichte für die Woche. Er habe zuvor ihre Vorlieben und Abneigungen geklärt und lasse sich nun stets vom Inhalt des Kühlschranks inspirieren. Das sei zwar eine Herausforderung. „Aber genau das gefällt mir“, betont Crouzet. So könne er kreativ sein – das sei viel spannender als die immer gleichen Gerichte in einem Restaurant kochen zu müssen.
Eckdaten für das Privatkoch-Event
Kosten
Für seinen Privatkoch-Service berechnet Grégory Crouzet nach eigenen Angaben die Kosten für den Einkauf sowie einen Stundenlohn von 50 Euro. Der Gesamtpreis hänge natürlich von den Kosten für die Zutaten des jeweiligen Menüs und von der Arbeitszeit ab, liege laut Crouzet bei einem normalen Menü für zehn Personen aber oft bei rund 600 Euro – also etwa 60 Euro pro Person. Der Privatkoch veranschlagt stets die Gesamtkosten, keinen Preis pro Kopf. Getränke müssen die Gäste selbst beisteuern.
Musik
Auf Wunsch bietet Grégory Crouzet auch Privatkoch-Events mit Live-Musik an. Seine Freundin Lilian Heere ist erste Geigerin an der Staatsoper in Stuttgart und kann das jeweilige Menü musikalisch begleiten – entweder auf das Menü abgestimmt oder je nach Musikgeschmack der Kunden.