Mehrere Kommunen im Kreis Esslingen haben unlängst eine Absage für den Glasfaser-Ausbau erhalten. Anderswo herrscht Verwirrung. Ein Bürgermeister äußert sich.
Der Glasfaser-Ausbau im Kreis Esslingen ist zum Teil ins Stocken geraten. Mehrere Kommunen haben unlängst eine Absage für den Ausbau der schnellen Datenübertragungsleitungen erhalten. Anderswo herrscht Verwirrung - etwa Aichtal. Bürgermeister Sebastian Kurz hat sich deshalb mit einer dringenden Empfehlung an die Bürgerschaft gemeldet und nimmt zu den Beschwerden aus seiner Kommune Stellung.
Viele Bürgerinnen und Bürger berichteten „von widersprüchlichen Aussagen und großer Verunsicherung insbesondere bei Haustürgesprächen“, schreibt Kurz in einer Mitteilung in den sozialen Medien. Wie jetzt bekannt wurde, planen sowohl die NetCom BW wie die Deutsche Telekom den Glasfaserausbau in Aichtal, das rund 9600 Einwohner zählt.
Keine übereilten Vertragsentscheidungen treffen und Aussagen im Haustürvertrieb kritisch prüfen.
Sebastian Kurz, Bürgermeister Aichtal
Unter diesen Umständen rät Kurz der Bürgerschaft: „Bis zur Klärung empfehle ich, keine übereilten Vertragsentscheidungen zu treffen und Aussagen im Haustürvertrieb kritisch zu prüfen“.
Unter der Überschrift „Stadt fordert Klarheit“ erklärt Kurz: „Zur Klarstellung: Der angekündigte Ausbau der Telekom wurde nicht von der Stadt initiiert. Die Telekom hat diesen – für uns ebenso überraschend – eigenständig angekündigt.“ Momentan erreichten die Verwaltung unterschiedliche und teils widersprüchliche Aussagen der beteiligten Unternehmen, die derzeit geklärt werden müssten.
Der Bürgermeister von Aichtal fordert von den Glasfaser-Unternehmen eine klare Aussage
Und Kurz fährt fort, er habe die Telekom, die NetCom BW sowie den Zweckverband Breitbandversorgung des Landkreises Esslingen aufgefordert, bis zu diesem Donnerstag eine „klare Stellungnahme abzugeben“. Für die Stadt stehe fest, dass die zugesagte Kooperation zwischen den beteiligten Unternehmen beim Glasfaserausbau „eingehalten werden muss“.
Ende Februar hatte Kurz noch sehr zuversichtlich geklungen, als er – ebenfalls über die sozialen Medien – verlauten ließ, die Telekom werde in Aichtal in den Ausbau der Glasfaser eigenwirtschaftlich noch in diesem Jahr investieren und das ohne Vorvermarktungsquote. Das komme für die Stadtverwaltung zwar überraschend, sei für die Bürgerinnen und Bürger aber von Vorteil. Mit der Vorvermarktungsquote ist im Glasfasergeschäft ein bestimmter Prozentsatz an Haushalten in einem geplanten Ausbaugebiet gemeint, die vor Baubeginn einen Vertrag mit dem Breitbandanbieter abschließen.
Entscheidend sei für Aichtal ein neuer Ansatz, der Kooperation statt parallelem Wettbewerb im Tiefbau bedeute und das Ziel verfolge, ein abgestimmtes beziehungsweise gemeinsames Netz zu schaffen. Und Kurz ergänzt, die Verwaltung wolle erreichen, dass Straßen und Gehwege nur einmal geöffnet werden, vorhandene Leerrohre genutzt und Bauabläufe eng koordiniert werden sollen. Und vor allem solle der städtische Haushalt nicht belastet werden.
Im Kreis Esslingen hakt es beim Breitbandausbau in manchen Kommunen
Die geplante Zusammenarbeit zwischen einem bundesweiten und einem regionalen Anbieter sei laut der Telekom bislang außergewöhnlich, fährt Kurz fort. Sie könne Modellcharakter für andere Kommunen haben und deshalb fänden derzeit intensive Abstimmungen zwischen den beiden Unternehmen und der Stadt Aichtal statt. Man wolle auf diese Weise klären, wie die Kooperation gestaltet werden kann.
Unterdessen hakt es auch in der 5500 Einwohner zählenden Gemeinde Oberboihingen beim Glasfaserausbau. Wie vor einer Woche bekannt wurde, liegt dort der Ausbau für das schnelle Internet erst mal auf Eis. Zwar halte die Deutsche Glasfaser im Ort am geplanten Breitbandausbau fest, doch für die kommenden zwei Jahre und damit bis Ende 2027 sei Oberboihingen nicht in der Planung berücksichtigt. Immerhin habe man aber am östlichen Ortsrand mit einem sogenannten Point of Presence (PoP) ein Zeichen für den künftigen Ausbau gesetzt, denn am PoP sollen später einmal alle Glasfaseranschlüsse des Ortes zusammenlaufen.
Das Unternehmen macht veränderte Voraussetzungen für den Glasfaserausbau in den vergangenen Monaten für die Entwicklung verantwortlich und nennt in dem Zusammenhang gestiegene Kapitalkosten, die der Branche zu schaffen machten. Darum habe die Deutsche Glasfaser ihre Ausbauprioritäten angepasst und der Fokus liege auf der Umsetzung bereits beauftragter Projekte.
Vier Kommunen sind abgehängt
Absage
Unlängst hatte die Gemeinden Erkenbrechtsweiler, Großbettlingen, Lenningen und Notzingen eine Absage der Deutschen Glasfaser erreicht. Darin informierte das Unternehmen die Kommunen, man nehme von den geplanten Ausbauprojekten Abstand, da ein eigenwirtschaftlicher Ausbau unter den derzeitigen Voraussetzungen nicht darstellbar sei.
Verbund
Im Jahr 2019 ist der Zweckverband Breitbandversorgung des Landkreises Esslingen gegründet worden, um die Versorgung mit Breitband und schnellem Internet im Landkreis voran zu bringen. Alle 44 Kreiskommunen gehören dem Verband an.