Weil die Landwirte ihre Pflanzen schützen, kann der erneute Wintereinbruch diesen wenig anhaben. Foto: Roberto Bulgrin

Der erneute Wintereinbruch hat manche Kirschblüte kalt erwischt. Die Schäden im Gemüseanbau halten sich hingegen in Grenzen: Die Landwirte konnten hier rechtzeitig vorsorgen.

Kreis Esslingen - Schon wieder Frost, schon wieder Schnee: Der Winter scheint in diesem Jahr nicht enden zu wollen. Die Kälteeinbrüche treiben auch manchen Landwirt um. Doch während einige Obstbauern schon mit Einbußen durch Frostschäden rechnen, sind die Gemüsebauern in Esslingen und Umgebung noch optimistisch. Bislang konnten sie größere Schäden abwenden, indem sie ihre Pflanzen mit Vlies abdecken. Ohnehin machen sich viele mehr Sorgen wegen der anhaltenden Trockenheit als wegen des kurzzeitigen Frosts.

 

Erfroren sei noch nichts von seinem Gemüse, sagt Reinhard Clauß, der in Esslingen-Mettingen Freilandflächen und Gewächshäuser bewirtschaftet. Allerdings habe er empfindliche Sorten auch vorsorglich mit Vlies abgedeckt – oder gleich im Gewächshaus gezogen. Tatsächlich sei das Klima sehr rau, seit er Ende Februar das neue Gemüse ausgesät habe, daher seien die Pflanzen im Freilandanbau in Wachstum und Entwicklung noch etwas zurück. „Aber es ist noch nichts verloren, gewisse Schwankungen gibt es ja immer“, sagt Clauß. Schwieriger sei, dass es für die Jahreszeit zu trocken ist – mal wieder. Schon in den vergangenen Jahren kämpften die Landwirte mit der zunehmenden Trockenheit, deshalb sind die Wasservorräte im Boden nach wie vor gering. Inzwischen gebe es kaum noch Felder, die nicht bewässert würden. Denn bei Wassermangel blieben die Pflanzen klein und anfälliger für Schädlinge.

Wachstum hinkt zwei Wochen hinterher

Auch Eberhard Rühle spricht von zeitlichem Verzug. Er baut Gemüse, Obst und Wein in den Esslinger Stadtteilen Weil, Berkheim und Zollberg an und schätzt, dass das Pflanzenwachstum im Vergleich zum vergangenem Jahr etwa zwei Wochen hinterher hinkt. Vor einem Jahr um diese Zeit habe er bereits Salat geerntet, jetzt dauere es angesichts von Kälte und Trockenheit vermutlich noch 14 Tage, bis es soweit sei.

Mit größeren Ausfällen rechnet aber auch Rühle nicht – zumal aktuell noch genug Wintergemüse wie Frühlingszwiebeln, Spinat oder Ackersalat aus dem Freilandanbau geerntet werden könne. Wie sein Kollege Reinhard Clauß und viele andere, die ihr Gemüse auf Wochenmärkten oder in Hofläden vermarkten, kann Rühle nicht über Umsatzeinbußen durch die Coronapandemie klagen. Im Gegenteil: Die Nachfrage sei gestiegen, weil die Leute verstärkt zu Hause kochten und sich auf regionale Produkte besännen.

Ähnlich äußern sich Lore Sohn vom gleichnamigen Gemüse- und Weinanbaubetrieb in Mettingen und Dieter Clauss, der den Eglisenhof im Esslinger Norden bewirtschaftet. „Dem Gemüse hat die Witterung nichts ausgemacht, weil man es mit Vlies schützen kann“, sagt Lore Sohn. Das halte auch die Hasen ab, die immer wieder verheerende Schäden am Gemüse anrichteten. Viel dramatischer ist aus ihrer Sicht die anhaltende Trockenheit. Unterdessen ist Dieter Clauss froh, dass sein Wein vor dem Frost noch nicht ausgetrieben ist. Denn dann hätte er wohl größere Schäden zu verschmerzen. So aber sei man lediglich zeitlich etwas hinterher – wenn eine warme Periode komme, werde das jedoch schnell wieder aufgeholt.

Kirschbäume vom Frost kalt erwischt

Fabian Scherbacher, der den Agrarbereich des Familienbetriebs Berger in Lichtenwald leitet, ist nicht ganz so glimpflich davon gekommen. Zwar standen die Apfelbäume noch nicht in Blüte und die Kartoffeln waren zum Glück noch nicht im Boden, doch viele Kirschbäume wurden vom Frost kalt erwischt. Wie groß der Schaden ist, werde sich erst in den nächsten Wochen zeigen, sagt Scherbacher. Er glaubt, dass rund 50 Prozent der Blüten von der Kälte betroffen waren.

Der Beeren- und Spargelanbau der Familie Henzler südlich von Nürtingen hat ebenfalls noch nicht gelitten – allerdings nur, weil man die Pflanzen aufwendig schütze, betont der Betriebsleiter Guido Henzler. Sowohl der Spargel als auch die Erdbeerpflanzen müssten abgedeckt werden, angesichts der Prognosen voraussichtlich sogar bis Ende der Woche. Gerade bei den empfindlichen Erdbeerpflanzen sei das zwar nicht ideal, aber immer noch besser, als wenn mit den ersten Blüten die besten Beeren abfrieren würden.

Der Spargel hingegen sei unter Folie gut geschützt, wenngleich die Ende März eingeläutete Ernte wegen der Kälte noch keine Fahrt aufnehme. Mit den ersten Erdbeeren rechne er in etwa 14 Tagen, sagt Guido Henzler, also eine Woche später als im vergangenen Jahr. Insgesamt bewege man sich also durchaus im üblichen Rahmen. Er hoffe nur, dass die Saisonarbeitskräfte trotz der anhaltenden Coronapandemie bei der Ernte helfen können – bislang sehe es aber gut aus.