Cordula Samuleit ist die erste Chefin der Esslinger Kreisforstverwaltung. Foto: Horst Rudel

Cordula Samuleit ist die Leiterin des Kreisforstamtes. Der Klimawandel bedeutet eine große Herausforderung. Grund für eine Endzeitstimmung sieht die 55-Jährige aber nicht.

Kreis Esslingen - Heiße Sommer mit wenig Niederschlägen, dann wieder Starkregen mit sturzbachartig abfließendem Wasser, weil der knochentrockene Waldboden kaum etwas aufnehmen kann. Dazu Stürme wie zuletzt Sabine, die an der Standfestigkeit von Bäumen rütteln – die Zeiten, in denen Cordula Samuleit die Leitung des Kreisforstamtes übernimmt, könnten wahrlich einfacher sein.

Dürre, Sturm und Käfer machen dem Wald zu schaffen

Die Forstbeamtin tritt die Nachfolge von Anton Watzek an, der nach sieben Jahren auf seinem Posten im Kreis Ess­lingen nun als Leiter des Forstbezirks Schurwald nach Göppingen zum Forstbetrieb Baden-Württemberg wechselt. Die großen Herausforderungen, mit denen sich die Forstleute im Kreis Esslingen konfrontiert sehen, sind eng mit den Folgen des Klimawandels verbunden.

„Dürre, Sturm und Käfer“ – das ist die Überschrift für wesentliche Probleme, die sich den Förstern in den Wäldern stellen. Während Stürme in Orkanstärke mit Windgeschwindigkeiten von 120 bis 150 Kilometern pro Stunde früher im Durchschnitt etwa alle 100 Jahre vorkamen, ist mittlerweile eine deutliche Häufung festzustellen, erklärt Cordula Samuleit. Vivian und Wiebke (beide 1990), Lothar (1999) und Kyrill (2007) sind die Namen der Orkane, die mit schweren Schäden einhergingen. Die Arbeit im Wald werde ins­gesamt aufwendiger, beispielsweise im Kampf gegen den Borkenkäfer infolge von häufiger werdenden Sturmschäden.

Die Wälder sollen „klimastabil“ werden

Grundsätzlich seien Mischwälder resistenter als reine Nadelholzwälder. Der Neckarraum mit seinen vorherrschenden Laubholzarten sei da gegenüber dem Schwarzwald mit seinem Fichtenbestand im Vorteil. Künftig werden die Forstleute viel stärker als bisher auf Naturverjüngung setzen, so Cordula Samuleit. Das Ziel ist, einen „klimastabilen Wald“ für die nächsten Generationen zu schaffen.

Die 55-Jährige ist zusammen mit Dagmar Wolfes (Rems-Murr-Kreis) die zweite Frau in der Region Stuttgart, die seit Kurzem eine Kreisforstverwaltung leitet. Von den 44 Forstamtsleitern in den Landkreisen Baden-Württembergs sind lediglich vier weiblichen Geschlechts. „Es werden immer mehr Frauen, die sich für diesen Beruf begeistern“, sagt die neue Chefin der Esslinger Kreisforste.

In der Schweiz lernt die Studentin den Wald lieben

Cordula Samuleit wuchs in Reutlingen auf und interessierte sich früh für Naturwissenschaften. Sie studierte Forstwissenschaften in Freiburg und war für ein Auslandsjahr in Zürich an der Eidgenössischen Technischen Hochschule. „Dort habe ich tatsächlich den Wald lieben gelernt“, erinnert sich Cordula Samuleit an das praxisnahe Studium in der Schweiz. Nach dem Abschluss war sie zunächst Referendarin in Horb. Ihr Berufsweg führte sie weiter in die Forstdirektion Karlsruhe und dann in den Neckar-Odenwald-Kreis. Während dieser Stationen lernte Cordula Samuleit die Arbeit in und mit den Wäldern in den verschiedensten Facetten kennen. Die vergangenen sieben Jahre war sie Geschäftsführerin beim Naturpark Neckartal-Odenwald.

Kinder sollen stärker für den Wald begeistert werden

„Es sind spannende Zeiten, die wir gerade erleben“, sagt die neue Amtsleiterin. Eine Endzeitstimmung angesichts des Klimawandels hält sie für nicht angezeigt, „eine Umbruchstimmung gibt es aber sehr wohl“. Unter anderem soll künftig die Waldpädagogik gestärkt werden mit mehr Angeboten für Kindergärten und Schulen. „Wir wollen gemeinsam mit dem Landesbetrieb Forst Kindern die Chance geben, dass sie den Lebensraum Wald mit seinen unterschiedlichen Funktionen kennenlernen“, beschreibt Samuleit das Ziel.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: