Stephan Sandler (links) und Janina Vohrer (Zweite von rechts) haben in der Dresscode-Arbeitsgruppe mitgewirkt. Die Azubis Carina Schumann und Nirosan Suthakaran finden die lockerere Kleiderordnung in der Kreissparkasse eine „super Sache“ und „mega cool“. Foto: Ines Rudel

Die Zeiten ändern sich: Die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen hat ihren Dresscode für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geändert. Andere Banken, die Stadt Esslingen und der Landkreis halten es mit dem Dresscode sehr unterschiedlich.

Kreis Esslingen - Die Krawatte bleibt im Schrank: andere Kreissparkassen wie in Göppingen oder Reutlingen haben es schon vorgemacht, nun lockert auch die KSK Esslingen-Nürtingen ihre Bekleidungsvorschriften. Künftig darf sich die Belegschaft legerer kleiden. Der bisher obligatorische Anzug und Krawatte bei Männern und das Kostüm bei Frauen haben zwar nicht ausgedient. Wer will, kann sich nach wie vor klassisch anziehen. Das konventionelle Banker-Outfit ist aber nicht länger Pflicht. Es gibt nun viel mehr Spielräume für individuelle Looks. Was geht und was nicht geht, bringt die KSK der Belegschaft mittels einer Broschüre nahe.

Im Sommer dürfen jetzt die Ärmel hochgekrempelt werden

Männliche Mitarbeiter können morgens nun statt zum Anzug beispielsweise zu einer Kombination von Sakko und Hose greifen, etwa eine Chino oder auch eine etwas edlere Jeans. Das Hemd mit Kragen bleibt dabei „state-of-the-art“. An warmen Sommertagen darf Mann nun aber sogar die Ärmel hochkrempeln oder ein Kurzarmhemd tragen. Für Frauen sind Stoffhosen, Chinos und schickere Jeans ebenfalls eine Option. Weiter sind Kleider und Röcke möglich, wenngleich nicht zu kurz. Die Farben sollten nicht zu knallig sein, was auch für das Make up gilt. Das Motto insgesamt lautet: weniger ist mehr.

Der von einer internen 13-köpfigen Arbeitsgruppe überarbeitete Dresscode misst den Mitarbeitern mehr Eigenverantwortung bei. Bei der Kleiderwahl steht an oberster Stelle, wie die persönliche Erscheinung auf den Kunden wirkt. So sollten sich Mitarbeiter immer fragen, mit wem sie an einem bestimmten Tag Kontakt haben. Das Ziel ist es, „Kunden auf Augenhöhe zu begegnen“, wie der Vorstandsvorsitzende der KSK-Esslingen-Nürtingen, Burkhard Wittmacher, erklärt, der die Dresscode-Arbeitsgruppe geleitet hat.

Anzüge können Distanz zu Kunden auslösen

Es habe sich gezeigt, so Wittmacher, dass Anzug und Krawatte zu manchen Kunden eine Distanz aufbauen. Mit der Lockerung der Kleidervorschriften möchte die Bank zudem für den Banknachwuchs attraktiver werden. „Man hat jetzt viel mehr Möglichkeiten sich zu stylen. Ich finde das mega cool“, sagt denn auch Nirosan Suthakaran, der bei der Kreissparkasse seine Lehre absolviert. „Eine super Sache“, findet auch seine Mit-Azubine Carina Schumann. „Man ist nicht mehr so gezwungen, und man geht auch lockerer mit den Kunden um.“

Für ihre Beschäftigten bietet die KSK nun bei Bedarf auch eine extra Stilberatung an. Als weiteren Service wird das Unternehmen Gutscheine ausgeben, die Mitarbeiter in 30 Bekleidungsgeschäften im Landkreis Esslingen einlösen können.

Zerrissene Jeans sind weiterhin ein No-Go

Bei aller Offenheit herrscht dennoch keine grenzenlose Freiheit. Bei offiziellen Anlässen müssen die Mitarbeiter weiterhin das konventionelle Sparkassen-Outfit beachten. Für den Mann bedeutet dies: Anzug in den klassischen Business-Farben Dunkelblau, Dunkelgrau oder Anthrazit/Schwarz, und für die Frau: Hosenanzug oder Kostüm. Wichtig ist für Burkhard Wittmacher: „Die Kleidung muss immer zum Anlass und zur jeweiligen Situation passen.“ Zu den Tabus zählen beispielsweise löchrige Jeans, Baseball-Caps, tiefe Ausschnitte oder kurze Hosen.

Mit dem überarbeiteten Dresscode folge die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen einem allgemeinen Trend hin zum „Business-Casual“ oder „Smart Casual“, der immer mehr Branchen erfasse, erläutert Burkhard Wittmacher.

Solch verbindliche Vorgaben wie bei der KSK kennt die Esslinger Stadtverwaltung nicht. „Einen festgezurrten und schriftlich fixierten Dresscode gibt es bei der Stadt nicht“, betont Roland Karpentier, der Sprecher der Stadt. Allerdings seien alle Angestellten angehalten, sich angemessen zu kleiden – auch bei hochsommerlichen Temperaturen würden Shorts bei männlichen Kollegen nicht geduldet. Das gelte auch für Busfahrer.

In Landratsamt und Stadtverwaltung gibt es keine Dresscodes

Im Esslinger Landratsamt wird den Mitarbeitern kein einheitlicher Dresscode vorgeschrieben. Dazu seien die Aufgabenbereiche zu vielfältig, sagt der Pressesprecher Peter Keck. Allerdings achteten die Vorgesetzten darauf, dass ihre Kolleginnen und Kollegen in den verschiedenen Ämtern und Abteilungen „in angemessener Kleidung zum Dienst erscheinen“, sagt Keck.

„Für uns ist schon erkennbar, dass es inzwischen mit den Kleidervorschriften etwas lockerer zugeht“, sagt Michael Kuschmann, der stellvertretende Leiter der IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen. Jedes Unternehmen müsse natürlich für sich selbst entscheiden. Und nicht jede Lockerung des Dresscodes passe immer. Entscheidend sei immer auch der konkrete Anlass eines Termins oder einer Besprechung. „Mit zu formeller Kleider unnötig Distanz aufzubauen sollte ebenso vermieden werden wie fehlende Ernsthaftigkeit seinen Gesprächspartnern gegenüber im Falle eines zu lockeren Kleidungsstils.“

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