Auf der Hölzertalstraße wird Slalom gefahren, weil die Schäden so großflächig sind. Foto: factum/Granville

Neben der Hölzertalstraße bei Magstadt, auf der Autofahrer Slalom fahren müssen, gibt es ein weiteres halbes Dutzend marode Straßen im Kreis.

Böblingen - Dass die Tage der Hölzertalstraße bei Magstadt (Kreis Böblingen) gezählt sind, ist nicht zu übersehen: Die Schäden auf der Fahrbahn sind so groß, dass sie mit rot-weißen Warnsignalen abgesperrt werden mussten. „Es rufen immer wieder Bürger an und beschweren sich“, berichtet Magstadts Hauptamtsleiter Hans-Peter Burckhardt. Denn auf der ehemaligen Landesstraße herrscht seit Dezember nicht nur Tempo 30, sie ist wegen der großflächigen Absperrungen auch zu einem Hindernisparcours geworden. „Die Hölzerstraße ist aber kein Einzelfall im Kreis Böblingen“, weiß Hans-Peter Burckhardt. Die Landesstraße mit der Nummer 1182 zwischen Weil der Stadt und seinem Ortsteil Schafhausen sei mindestens so katastrophal. Auf der Liste der schlechtesten Straße des Landratsamt taucht sie allerdings nicht auf.

„Das sind unsere Klassiker“, sagt Jörg Aichele vom Landratsamt über die Landesstraße 1185 von Böblingen nach Waldenbuch und die Kreisstraße 1072, die von Mötzingen bis zum Kreis Calw führt. Als Flickenteppich „ohne Ende“ beschreibt der Leiter der Abteilung Straßenbau diese Klassiker. Zu den schlechtesten Straßen im Kreis zählen noch die Hildrizhauserstraße (K 1045) von Gärtringen-Rohrau zum Wanderparkplatz Stellenhäusle und die Landesstraße 1358 von Herrenberg-Kuppingen nach Sulz, deren umfassende Sanierung bereits seit zehn Jahren Thema ist.

Die schlechtesten Kreisstraßen bleiben vorerst schlecht

„Der Ausbau ist dringend notwendig“, teilte Sabine Kurtz erst diese Woche zu dieser Landstraße mit. Die Zustände seien mittlerweile unzumutbar und ein großes Ärgernis für alle Betroffenen, findet die CDU-Landtagsabgeordnete. Erst jüngst sei die Straße wieder wegen starker Regenfälle gesperrt worden. Obwohl die Probleme seit Langem bekannt seien, ziehe sich die Sanierung hin. Immerhin ist die Entwurfsplanung für die Strecke inzwischen zur Entscheidung an das Verkehrsministerium übergeben worden. Beide Landesstraßen stehen darüber hinaus auf der Liste des Regierungspräsidiums für das Erhaltungsmanagement bis ins Jahr 2020.

Die schlechtesten Kreisstraßen bleiben hingegen vorerst schlecht. Dazu gehört die kurvige und enge Kreisstraße 1001 von Ehningen nach Holzgerlingen durch das Maurener Tal und die Kreisstraße 1063 von Aidlingen nach Grafenau-Dätzingen. „Sie sind nicht ganz so schlecht, aber auch nicht um Lichtjahre besser“, sagt Jörg Aichele. Die bereits laufenden Planungen sind sehr umfangreich. Vor allem die Verbreiterung der Straßen macht der Behörde zu schaffen: Abgesehen von intensiven Abstimmungen mit den Forst- und Naturschutzbehörden, ziehen sich die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümer hin. „Dabei Kompromisse zu finden, ist eine große Herausforderung“, sagt der Straßenbauexperte.

Reifenschäden sind geltend gemacht worden

Weil vergleichsweise wenig Verkehr herrscht, ist der Ausbau weniger dringlich – wie auf der Kreisstraße von Weil der Stadt-Hausen nach Lehningen im Enzkreis. Die CDU-Kreistagsfraktion hatte für 2018 den Antrag gestellt, den rund 400 Meter langen, sehr maroden und schmalen Abschnitt auszubauen. Dort verkehrt nämlich ein Linienbus. Die Antwort der Verwaltung fiel jedoch negativ aus: Mit knapp 2000 Kraftfahrzeugen täglich hat sie nur die Priorität mittelfristig erhalten.

Im Magstadter Rathaus sind schon Reifenschäden geltend gemacht worden, die von den Schlaglöchern der Hölzertalstraße stammen sollen. Die Versicherung hat die Schäden zwar nicht übernommen, die Kommune muss die Straße trotzdem demnächst richten. Mit „einem kleinen Konzept“ und möglichst wenig Geld wird das Projekt laut Hans-Peter Burckhardt im Frühjahr angegangen. Eigentlich muss die ehemalige Landesstraße als ökologischer Ausgleich für die Osttangente zu einem Wirtschaftsweg zurückgebaut werden – wenn sich der Bau der Umfahrung nicht seit Jahren wegen eines Bürgerentscheids und Gerichtsverfahren hinziehen würde.

Wo die Bagger anrollen

Baustellen:
In Sindelfingen ist das Landratsamt momentan auf der Calwer Straße (K 1051) vom Daimlerwerk bis zur B 464 zugange. Dort sind so tiefe Schlaglöcher entstanden, dass sie sofort repariert werden müssen. Die Kreisstraße 1082 vom Leonberger Krankenhaus nach Rutesheim steht dieses Jahr auch auf der Agenda.

Autobahn:
Vor dem Ausbau der A 81 werden die parallel zur Autobahn verlaufenden Kreisstraßen 1077 (von Ehningen nach Gärtringen) sowie 1055 vom Thermalbadknoten bis nach Stuttgart-Vaihingen in diesem Jahr saniert. Die Ihinger Straße (K 1006) wird im Frühjahr geflickt. „Wir werden durchaus ein paar Euro investieren, damit sie bis zur Vollendung des Lückenschlusses zwischen B 295 und B 464 hält“, sagt Jörg Aichele von der Kreisbehörde. Dabei hätte die Straße als ökologischer Ausgleich zum Ausbau der K 1064 in einen Wirtschaftsweg verwandelt werden sollen

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