Kreis Böblingen Schönbuchbahn fährt vier Wochen später

Von Günter Scheinpflug 

An der Böblinger Haltestelle  Danziger Straße sind die Masten für den künftigen Elektrobetrieb bereits gesetzt worden. Foto: factum/Weise
An der Böblinger Haltestelle Danziger Straße sind die Masten für den künftigen Elektrobetrieb bereits gesetzt worden. Foto: factum/Weise

Wegen eines Planungsfehlers bei den Masten für die elektrische Oberleitung entstehen Mehrkosten von gut zwei Millionen Euro. Der Zweckverband will deshalb die verantwortliche Firma in Regress nehmen.

Böblingen - Jetzt auch noch das: Zuerst mussten Eidechsen umgesiedelt werden. Dann kamen die Rammarbeiten nicht voran, weil das Gestein im Untergrund zu hart war. Auch eine Fliegerbombe war in der Nähe der Gleise gefunden worden und musste geborgen werden. Und nun stellt sich heraus, dass die für die Oberlichtmasten verantwortlichen Ingenieure einer Spezialfirma offenbar geschlampt haben. „80 der Masten sind statisch falsch berechnet worden“, sagt Reinhold Bauer, der Geschäftsführer des Zweckverbands Schönbuchbahn. Das ist nicht nur für den Zweckverband ärgerlich, sondern auch für die Fahrgäste, die darauf warten, dass die Bahn auf der Strecke zwischen Böblingen und Dettenhausen (Kreis Tübingen) wieder fährt.

Landrat spricht von 2,25 Millionen Schadenersatz

Laut Adithya Sridhar von der Firma Bauüberwachung und Planungsgesellschaft sind bisher 296 Masten von 457 gesetzt. Momentan sind drei Bautrupps mit je vier Mann am Werk. Zwischen den Haltestellen Zimmerschlag und Danziger Straße wird fieberhaft gearbeitet. Selbst bei dieser Hitze. „Wir müssen alle viel Wasser trinken“, sagt Sridhar. Die richtig konstruierten Masten seien inzwischen geliefert worden. Ein Teil der unbrauchbaren Exemplare ist abstransportiert worden. Je nach Beschaffenheit des Bodens und der Erfordernis der Strecke werden sie in Beton- oder Rahmenfundamente aus Eisen gehievt, die fünf Meter in die Tiefe reichen. „Auch wenn die Arbeiten jetzt gut vorangehen, wird uns der Lapsus eine etwa vierwöchige Verzögerung bringen“, klagt Reinhold Bauer.

Eigentlich sollte die Bahn Anfang Dezember wieder fahren. Nun werde es wohl Ende Dezember werden, sagt Bauer. Zwischen Böblingen und Holzgerlingen ist ein 15-Minuten-Takt geplant. „Wir werden gegen die Firma, welche die Masten berechnet hat, wohl in Regress gehen“, erklärt der Landrat Roland Bernhard. Als Schadenersatz stehen 2,25 Millionen Euro im Raum. Bernhard sieht gute Chancen, dass der Zweckverband die Zusatzkosten ersetzt bekommt. Von der Firma war dazu keine Stellungnahme zu erhalten.

Felsiger Untergrund

Vor enormen Schwierigkeiten standen die Arbeiter auch schon im vergangenen Jahr bei den Fundamenten, weil der Baugrund bei Holzgerlingen felsiger war als erwartet. Einige Masten konnten nicht so tief in den Boden gerammt werden wie geplant. Für die problematischen Stellen wurde ein anderes Gründungsverfahren angewandt. Dafür mussten Gruben ausgehoben, geschalt und betoniert werden. Das kostete Zeit und hatte Konsequenzen: die Sperrung der Bahnstrecke zwischen Holzgerlingen und Dettenhausen, die wegen der Rammarbeiten für die Zeit der Sommerferien vorgesehen gewesen war, musste deutlich verlängert werden. Als Ersatz wurden Busse eingesetzt. Diese verkehren während der gesamten Bauzeit schon zwischen Holzgerlingen und Böblingen, weil auf dieser Strecke ein zweites Gleis verlegt wird und deshalb der Bahnverkehr bis zur Inbetriebnahme ganz ruhen muss.

Ein weiteres Problem stellt sich bei der Elektrifizierung der Strecke im Böblinger Bahnhof. Laut Bauer arbeitet man an einer Lösung, um die Schönbuchbahn an das dortige Stellwerk anzubinden. Das stammt aus den 1960er Jahren und es bedürfe deshalb noch einiger Abstimmung, erklärt der Zweckverbandschef. Auch hier sei der Arbeitsaufwand weitaus höher als ursprünglich angenommen.

Kostenplan wird fast eingehalten

Die einzig gute Nachricht ist, dass das Schienenprojekt nicht unter einer Baukostensteigerung leidet. Preiserhöhungen waren in der Gesamtkalkulation berücksichtigt worden. Die momentane Prognose über die Gesamtkosten der Elektrifizierung und den Ausbau beläuft sich auf rund 91 Millionen Euro. Das sind 3,1 Millionen Euro mehr als noch im März prognostiziert. Zieht man die Mehrkosten beim Bau der Oberleitung in Höhe von 2,25 Millionen Euro ab, die der Zweckverband durch die Rückerstattung bei seiner Regressforderung decken will, bleiben noch 850 000 Euro an bisher nicht kalkulierten Ausgaben. Diese wurden nötig, um die Trasse auf dem steinigen Untergrund bei Holzgerlingen gegen Erschütterungen zu ertüchtigen.


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