Bei Stadt- und Markungsputzeten lernen schon die Kleinen, dass wilder Müll auf Wiesen und Wegen nichts verloren hat. Foto: Stefanie Schlecht/Archiv

Wilder Müll wird im Kreis Böblingen immer mehr zum Problem. Wer etwas dagegen tun will, macht bei einer kommunalen Markungsputzete mit. Demnächst geht es wieder los.

Was macht man, wenn sich spät abends der Hunger meldet? Ist doch klar: Man fährt man noch schnell zum Drive-in und futtert unterwegs ein Burgermenü. Die Tüte? Schmeißt man hinterher mit Trinkbecher und Pommeskarton einfach aus dem Fenster. Irgendwer wird’s schon wegräumen.

 

Der hier beschriebene Ablauf ist offenbar keine Seltenheit. Rund um Böblingen und Sindelfingen finden sich am Straßenrand viele solcher achtlos weggeworfenen To-Go-Tüten – zusammen mit Zigarettenstummeln, Plastikverpackungen, leeren Flaschen, Tetrapaks und allen möglichen anderen Arten von wildem Müll. Über ein Jahr verteilt, kommt da ganz schön was zusammen. Wer schon einmal bei einer Markungsputzete mitgemacht hat, weiß Bescheid. In den kommenden Tagen finden wieder im gesamten Kreisgebiet solche Aktionen statt.

Offenkundig sind sie auch dringend notwendig. Trotz umfangreicher Aufklärungsmaßnahmen und hoher Bürgerbeteiligung bei Putzaktionen nimmt das Problem der illegalen Müllablagerungen nämlich immer weiter zu. Das belegt die Abfallbilanz des Landkreises Böblingen. Bisher liegen nur die Zahlen für das Jahr 2024 vor, aber schon hier zeigt sich im Vergleich zum Vorjahr ein deutlicher Anstieg um zehn Prozent.

Mit 744 Tonnen illegal entsorgtem Müll erreichte der Landkreis 2024 einen neuen Negativrekord. Das entspricht laut Landratsamt einem Anstieg von 66 Tonnen gegenüber dem Vorjahr – oder auf Pro-Kopf-Menge umgerechnet knapp zwei Kilogramm wilden Mülls pro Einwohner.

Die finanziellen Folgen sind erheblich: Wie der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) berichtet, kostete die Entsorgung rund 840 000 Euro. Ein Großteil davon – rund 728 000 Euro – entfallen auf Personal- und Fahrzeugkosten. Hinzu kommen die Kosten der kommunalen Betriebshöfe. Leidtragende sind alle Landkreisbewohner, da die im Restmüllheizkraftwerk verbrannten wilden Müllmengen am Ende alle Gebührenzahler belasten.

Weggeworfene Zigarettenstummel bedeuten eine erhebliche Belastung für die Umwelt. Foto: dpa

Schon seit 2022 versucht der Landkreis diesem Gesellschaftstrend mit einer Plakat- und Social-Medial-Kampagne unter dem Motto „Wilder Müll kann nix“ entgegenzusteuern. Möglicherweise zeitigt diese Aktion tatsächlich Wirkung – dafür spricht jedenfalls die hohe Resonanz auf die kommunalen Markungsputzeten. Bei der landkreisweiten Aktion im vergangenen März beteiligten sich hier laut AWB mehr als 4000 Menschen in 22 Städten und Gemeinden.

Schwerpunkt bei der diesjährigen Aktion liegt auf Zigarettenstummeln

Auch in diesem Jahr finden vom 13. bis zum 21. März wieder eine Vielzahl solcher Frühjahrsputzaktionen im gesamten Kreisgebiet statt – zum Beispiel in Aidlingen, Böblingen, Ehningen, Holzgerlingen, Herrenberg, Grafenau, Sindelfingen und Weil im Schönbuch. In diesem Jahr liegt der Fokus besonders auf Zigarettenkippen. Diese gehören laut AWB nicht nur zu den am häufigsten vorkommenden Abfällen im öffentlichen Raum, sondern stellen aufgrund ihrer Inhaltsstoffe auch eine erhebliche Belastung für Böden, Gewässer und die Umwelt dar und verursachen erhebliche Kosten bei der Reinigung.

Wer selbst eine Putzaktion organisieren möchte, kann diese noch bis zum 11. März über Abfallwirtschaftsbetrieb unter awb-bb.de/wildermuell anmelden.