Bei dem schweren Unfall in Herrenberg im Juli 2016 starb ein Autofahrer. Foto: Archiv/SDMG

Die Polizei registriert erneut einen Anstieg bei den Unfallzahlen auf den Straßen im Kreis Böblingen.

Böblingen - Es war ein aufsehenserregender Prozess, bei dem in der vergangenen Woche das Böblinger Amtsgericht einen Herrenberger Taxifahrer zu drei Jahren Gefängnis verurteilt hat. Im vergangenen Juli hatte der 44-Jährige einen schweren Unfall Verkehrsunfall zwischen Gäufelden und Herrenberg verursacht. Dabei starb ein 24 Jahre alter Autofahrer. Die vier Fahrgäste im Taxi wurden alle so schwer verletzt, dass sie bis heute unter den Folgen des Unfalls leiden. Ohne jeden Grund sei der Taxifahrer bei starkem Regen viel zu schnell unterwegs gewesen, und das obwohl die Mitfahrer im Auto den Mann mehrfach darum gebeten hatten, langsamer zu fahren. Von einem „Bündel an gravierenden Sorgfaltspflichtverstößen“, sprach der Böblinger Richter in seiner Urteilsbegründung.

Dieser Unfall im Juli war einer der spektakulärsten des vergangenen Jahres, doch bei weiten nicht der einzige mit tödlichem Ausgang. Insgesamt verloren 2016 elf Menschen bei zehn Unfällen ihr Leben auf den Straßen im Kreis Böblingen, zwei mehr als im Jahr zuvor. Insgesamt registrierte die Polizei im Kreis sieben Prozent Unfälle mehr als 2015. 11 874 mal krachte es im vergangenem Jahr im Kreisgebiet zwischen Bondorf und Weissach. Der Polizei-Vizepräsident Burkhard Metzger vom Polizeipräsidium Ludwigsburg, das auch für den Kreis Böblingen zuständig ist, führt dies auf den immer dichter werdenden Verkehr zurück. „Die Verkehrszunahme bringt immer­ mehr Verkehrsunfälle mit sich.“

Müllfahrzeug erfasst Fußgänger

Besonders gefährdet sind Verkehrsteilnehmer auf zwei Rädern: Motorrad- sowie Radfahrer. Drei Biker und ein Radler verunglückten tödlich. Tragisch war auch der Tod eines Fußgängers Anfang November in Waldenbuch. Ein Müllfahrzeug erfasste beim Rückwärtsfahren den 84 Jahre alten Mann. Der Müllwagenfahrer hatte den Spaziergänger in der Sackgasse übersehen. Bereits im Februar hatte hatte ein Lastwagenfahrer in der Böblinger Straße in Sindelfingen einen Radler erfasst. Dieser wurde bei dem Unfall getötet.

Laut der Polizei, die am Dienstag die Unfallstatistik veröffentlichte, ereignen sich die meisten Unfälle in der Zeit des Berufsverkehrs zwischen 6 und 9 Uhr sowie 15 und 18 Uhr. Besonders gestiegen ist die Zahl von Unfällen auf Autobahnen. Hier verzeichnet die Polizei für die Fernstraßen in den Kreisen Böblingen und Ludwigsburg eine Steigerung um 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Zahl der Verletzten ist 2016 gestiegen. 240 Schwerverletzte und 1212 Leichtverletzte registrierte die Polizei im vergangenen Jahr. Im Jahr zuvor waren es noch 226 Personen mit schweren und 1122 mit leichten Verletzungen gewesen.

Junge Fahrer und Senioren sind Risikogruppen

Laut der Polizei sind die meisten Unfälle die Folge von Vorfahrtsverletzungen. Bei fast jedem fünften Unfall war dies die Ursache. 16 Prozent der Kollisionen sind auf Fehler beim Abbiegen zurückzuführen. Bei den Unfallbeteiligten fallen erneut zwei Gruppen besonders auf: die jungen Autofahrer unter 25 Jahren sowie die Senioren. Die jungen Leute sind häufig viel zu schnell unterwegs, die Senioren wiederum haben besondere Probleme mit den Vorfahrtsregeln an Kreuzungen.

Gestiegen ist auch der Anteil von verunglückten Radfahrern. Sie waren an 396 Unfällen in den Kreisen Böblingen und Ludwigsburg beteiligt, das sind drei Prozent mehr als im Vorjahr. 163 mal waren Fußgänger beteiligt, 44 der Unfälle hatten die Spaziergänger selbst verursacht.

Vor allem die Autobahnen in der Region Stuttgart, die zu den verkehrreichsten in Deutschland gehören, sind sehr unfallträchtig. Im Bereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg stieg die Zahl der Unfälle auf den Autobahnen um 24 Prozent auf 4783. Als Ursache für die starke Zunahme sieht die Polizei die lang andauernden Großbaustellen auf den Autobahnen 8 und 81. Während der Bauarbeiten wurde die Verkehrsführung mehrfach geändert, was auch Autofahrer, die die Strecke kennen, verwirrte und es deshalb häufiger krachte. Drei Personen starben im vergangenen Jahr bei Unfällen auf den Autobahnen im Kreis Böblingen.