Bis zu 20 Anlagen könnten im Kreis Böblingen entstehen. Foto: dpa

Der Landrat Roland Bernhard setzt auf Diplomatie und handfeste Beteiligungen beim Thema Windenergie. Zehn Standorte für Windkraftanlagen hat der Stuttgarter Regionalverband im Landkreis Böblingen auserkoren.

Leonberg/Böblingen - Er wedelt nicht direkt mit Geldscheinen, aber er preist das Leonberger Modell an, um mehr Windrad-Standorte im Landkreis Böblingen zu schaffen: Der Landrat Roland Bernhard setzt auf Diplomatie und handfeste Beteiligungen beim Thema Windenergie.

Zehn Standorte für Windkraftanlagen hat der Stuttgarter Regionalverband im Landkreis Böblingen auserkoren (siehe Grafik). So weit wie am Leonberger Frauenkreuz ist man allerdings noch nirgendwo: Dort wird derzeit auf dem Gelände des kreiseigenen Kompostwerks an der Autobahn mit einem „Testmast“ die konkrete Windausbeute erhoben. Außerdem laufen Verhandlungen über eine Beteiligung für die Stadt Leonberg – für Bernhard ist das ein „beispielhaftes Projekt“. Und er wirbt dafür, auch die anderen von der Region ausgewiesenen Standorte zu entwickeln. Angesichts eines Investitionsvolumens von rund sieben Millionen Euro kommt im kommunalen Bereich vor allem der Abfallwirtschaftsbetrieb hierfür in Frage – der hat Millionenrücklagen (für eine eventuelle Sanierung von Deponien) und bereits eine „Naturstrom GmbH“ gegründet.

Der Verband Region Stuttgart (VRS) hat insgesamt zehn Standorte im Landkreis Böblingen ausgewiesen, an denen Windkraftanlagen Vorrang vor anderer Nutzung haben. Dabei steht vor allem das nördliche Kreisgebiet mit den Höhenzügen bei Perouse sowie den Hochflächen dies- und jenseits des Würmtales im Fokus. Außerdem gibt es noch Randstandorte in Jettingen oder am Waldenbucher Hasenhof. „Wir wissen, dass der Landkreis Böblingen nicht der windreichste ist“, sagt der Landrat Bernhard, „umso wichtiger wird es sein, die Standorte zu entwickeln.“

An jedem Standort sind mindestens zwei Rotoren möglich

„Außerdem wollen wir eine koordinierende Rolle für die Städte und Gemeinden bei allen anderen Standorten übernehmen“, lässt Bernhard recht diplomatisch verlauten. Die nun ausgewiesenen Flächen für Windkraft des VRS berücksichtigen bereits viele mögliche Hindernisse. Sie sind mit den Kommunen abgestimmt. Auch die notwendige Windstärke und die Abstandsregeln zur Wohnbebauung wurden einbezogen. Keine Windräder wird es an besonderen landschaftlichen oder kulturellen Orten geben. Davon wurden in der Region Stuttgart 33 identifiziert – keiner davon liegt im Landkreis Böblingen. Für die tatsächliche Entwicklung der Standorte müssen potenzielle Investoren aber noch Gutachten etwa im Bereich Naturschutz erstellen, Windmessungen an Ort und Stelle erheben und die Bedürfnisse von etwa Flugsicherung und Bundeswehr berücksichtigen. „Hier wartet viel Detailarbeit. Wo wir können und selbst Erfahrung durch unser eigenes Projekt in Leonberg haben, unterstützen wir Kommunen und Investoren“, sagt Wolf Eisenmann, der Umweltdezernent im Böblinger Landratsamt.

An jedem der Standorte ist der Bau von mindestens zwei Windrädern möglich. Damit sind 20 oder mehr Windkraftanlagen im Landkreis Böblingen denkbar. Die neue Landesregierung will den Anteil der Windkraft an der Stromproduktion von derzeit knapp einem auf zehn Prozent bis 2020 erhöhen. Eisenmann versichert: „Wir werden jede Initiative, die wirtschaftlich Sinn macht, mit Rat und Tat unterstützen.“

Auch Bürger können sich beteiligen

Mit Änderungen am Landesplanungsgesetz hatte die Landesregierung die Ausweisung von Flächen für Windkraftanlagen vorangetrieben. Die bisher geltenden Regionalpläne des VRS bestehen deshalb ab dem kommenden Jahr nicht mehr. Deshalb hatte der Regionalverband seine Pläne bis Mitte des Jahres überarbeitet und neue Standorte für die Nutzung von Windenergie ausgewiesen. Der jetzt vorgestellte und von der Verbandsversammlung beschlossene Entwurf bildet die Grundlage für die neuerliche Beteiligung der Kommunen, der Träger öffentlicher Belange, der anerkannten Naturschutzverbände.

Auch die Öffentlichkeit kann sich an dem Verfahren beteiligen, das im Verwaltungsdeutsch „Teilfortschreibung des Regionalplans“ nennt. Die Phase der Anhörungen wird sich über einen Zeitraum von drei Monaten von September bis November 2012 erstrecken. Daran anschließend muss dann die Regionalversammlung über die einzelnen Einwände oder Änderungswünsche entscheiden. Am Ende steht entweder der Beschluss über die Fortschreibung des Regionalplans durch das Regionalparlament. Oder, wenn die Änderungen allerdings zu gravierend sind, muss die Öffentlichkeit in einem neuen Verfahren erneut angehört werden.

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