Kreis Böblingen Kapazität reicht nur noch für zwei Wochen

Von Ulrike Otto 

THW und Feuerwehr helfen beim Betten-Aufbau in der BSZ-Turnhalle. Foto: factum/Bach
THW und Feuerwehr helfen beim Betten-Aufbau in der BSZ-Turnhalle. Foto: factum/Bach

Die Kapazitäten im Kreis seien nahezu erschöpft. Der Landrat Roland Bernhard lobt dennoch das professionelle Management und weist die Kritik des Leonberger Oberbürgermeisters zurück.

Kreis Böblingen - Sollte die zweite Turnhalle des Berufsschulzentrums Leonberg komplett mit 170 Menschen bezogen sein, wächst die Zahl der Asylbewerber in Leonberg auf 534, davon sind allein 460 auf dem Gelände zwischen Berufsschule und Krankenhaus untergebracht. Mehr Flüchtlinge gibt es derzeit nur in Sindelfingen (750).

In Böblingen sind es 319. In beiden Städten werden derzeit aber weitere Unterkünfte für die Asylbewerber hergerichtet, darunter etwa die zweite Turnhalle der Gottlieb-Daimler-Schule. „Unsere Kapazitäten reichen definitiv nur noch für diese und die kommende Woche. Für die Zeit danach haben wir aktuell noch keine weiteren Plätze“, erklärt Dusan Minic, der Pressesprecher des Landratsamtes. Etwa 185 Flüchtlinge würden dem Kreis Böblingen im Moment zugeteilt – pro Woche. Nach einer Verfahrensänderung würden den Landkreisen nun aber keine Asylbewerber vom Balkan mehr zugeteilt. Diese blieben angesichts der geringen Erfolgsaussichten in den Landesaufnahmeinrichtungen.

Kritik des Leonberger Oberbürgermeisters Bernhard Schuler am Krisenmanagement Kreises weist der Landrat zurück. „Das Krisenmanagement ist professionell. Die Mitarbeiter in den betroffenen Bereichen im Landratsamt gehen bis an ihre Leistungsgrenze“, erklärt Roland Bernhard. Schuler hatte eine verlässliche Prognose für die Aufteilung von Flüchtlingen für die kommenden sechs Monate gefordert. „Wir müssen im Moment von Tag zu Tag und Woche zu Woche handeln, verlässliche Prognosen für sechs Monate sind derzeit schwierig“, sagt Bernhard. Das größte Problem sei, dass dem Kreis nicht genügend Unterkünfte genannt würden. „Wir brauchen deshalb keine Belehrungen zum Krisenmanagement, sondern konkrete Angebote zur Unterbringung von Flüchtlingen“, kontert der Landrat

Weitere Notunterkünfte in Planung

Mit Stand heute verfügt der Kreis über 2130 Plätze in zehn Kommunen. 22 reguläre Gemeinschaftsunterkünfte gibt es, dazu fünf Notunterkünfte in Turnhallen und einer leer stehenden Schule. Weitere Notunterkünfte sollen folgen.

Die angedachte Option, Wohncontainer auf Grundstücken aufzustellen, die von Kommunen wie etwa Rutesheim angeboten werden, scheitert derzeit an der fehlenden Verfügbarkeit. Einzig in Weil der Stadt kann dies noch in diesem Jahr realisiert werden, wenn auch verspätet. Dort sollen 50 Container aufgestellt werden, die der Kreis in der Türkei gekauft hat. „Ursprünglich sollten diese in der kommenden Woche geliefert werden. Doch nun stecken sie buchstäblich im Flüchtlingsstrom fest und werden wohl erst Ende November bei uns ankommen“, berichtet der Pressesprecher Minic.

Der Kreistag hatte im Juli den Kauf von 150 dieser Wohncontainer genehmigt. Der Rest werde erst im kommenden Jahr lieferbar sein. Kürzlich wurden zudem in Holland gebrauchte Großzelte eingekauft.

Auch auf dem privaten Sektor ist der Kreis aktiv und sucht weitere Wohnungen. Derzeit laufen zudem Verhandlungen mit dem Eigentümer eines leer stehenden Bürogebäudes im Gewerbegebiet Hertich in Leonberg. „Wir sind derzeit auf mehreren Baustellen unterwegs. Außer den beiden Berufschulturnhallen sind aber keine weiteren Unterkünfte gesichert“, verdeutlich der Landkreissprecher. Die Situation sei allgemein sehr schwierig. Einige Immobilienbesitzer würden ihre Objekte zu nicht vertretbaren Preisvorstellungen anbieten. Schließlich geht es um Steuergeld. „Trotz Notlage müssen wir da in einem vernünftigen Rahmen bleiben“, erklärt Dusan Minic.

Zahlen und Fakten: Asylbewerber im Kreis Böblingen

Kapazitäten
Der Landkreis Böblingen betreibt derzeit 22 staatliche Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber in zehn Städten und Gemeinden. Dazu kommen fünf angemietete Wohnhäuser mit mehreren Wohnungen sowie fünf Notunterkünfte in vier Schulturnhallen und in der bisher leer stehenden Rappenbaumschule Sindelfingen. Insgesamt verfügen diese Unterkünfte über 2130 Plätze.

Verteilung
Nach heutigem Stand verteilen sich diese Plätze wie folgt auf die Kommunen: Sindelfingen: 750 PlätzeLeonberg: 364 (ohne zweite Turnhalle am BSZ)Böblingen: 319Herrenberg: 216Renningen: 153Gäufelden: 113Aidlingen: 74Holzgerlingen: 52Weil der Stadt: 40

Geplant
Derzeit werden weitere Gebäude umgebaut: die zweite Turnhalle am BSZ und Gottlieb-Daimler-Schule I, eine städtische Turnhalle in Böblingen (statt kaufmännischem Schulzentrum), ehemalige DRK-Zentrale in Böblingen, ehemaliges Hotel Panda in Sindelfingen, ein Gebäude in Gäufelden. Die geplante Gemeinschaftsunterkunft in Nufringen verzögert sich aufgrund rechtlicher Schwierigkeiten derzeit.

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