Minister Alexander Bonde bei Biobauer Bodamer (links) mit Foto: factum/Weise

In Begleitung von Mitarbeitern und Journalisten will der baden-württembergische Verbraucherschutzminister Alexander Bonde (Grüne) sich ein Bild von den unterschiedlichen Stufen der Lebensmittelkontrolle machen. Dafür besucht er den Biobauernhof der Bodemers nördlich von Ehningen.

Kreis Böblingen - Als die Anzeige des Thermometers zum Stillstand kommt, zeigt sie 2,4 Grad Celsius an. So kalt ist es in der Fleischauslage des Ehninger Hofladens, das zum Biobauernhof der Familie Bodemer gehört. Der Lebensmittelkontrolleur Swen Georgi nickt: Alles ist im grünen Bereich. Für die Schweineschnitzel, die sich in der Auslage aneinanderreihen, wären sogar sieben Grad Celsius noch in Ordnung.

Swen Georgi ist einer von sieben Lebensmittelkontrolleuren, die im Böblinger Landratsamt arbeiten. Sie überprüfen insgesamt etwa 5000 Betriebe. Dazu gehören Landwirte, Hofläden, Schnellimbisse, gehobene Restaurants und Kantinen. Normalerweise kommen die Prüfer ohne Ankündigung. Am Montag ist das anders gewesen: In Begleitung von Mitarbeitern und Journalisten will der baden-württembergische Verbraucherschutzminister Alexander Bonde (Grüne) sich ein Bild von den unterschiedlichen Stufen der Lebensmittelkontrolle machen. Dafür besucht er nicht nur den Biobauernhof der Bodemers nördlich von Ehningen, sondern auch den Bioladen der Familie mitten in der Gemeinde. Mit dabei sind auch zwei Tierärztinnen und ein Experte für Futtermittelüberwachung. Die Veterinärmedizinerin Petra Jost kontrolliert beispielsweise, ob sich die Schweine auf dem Hof ihre Klauen in den Spalten zwischen den Bodenbrettern einklemmen können. Doch bei den Bodemers ist alles in Ordnung.

Die Lebensmittelkontrolleure arbeiten eher unspektakulär

Wenn in Deutschland Dioxin in Bio-Eiern gefunden wird oder der gefährliche Ehec-Keim auf Sprossen, wenn also wieder einmal ein Lebensmittelskandal die Bundesrepublik erschüttert, rückt die Arbeit der Lebensmittelkontrolleure für einige Wochen in den Fokus der Aufmerksamkeit. Ansonsten gehen sie eher unbemerkt ihrer normalerweise unspektakulären Arbeit nach: Betriebe auf Sauberkeit und eine nachvollziehbare Buchführung inspizieren, Proben nehmen, bei kleineren Missständen Gegenmaßnahmen vereinbaren. Etwa 2,3 Betriebe schafft ein Kontrolleur durchschnittlich am Tag. „Bei einem Großbetrieb brauche ich allerdings auch mal einen ganzen Tag, während ich Marktstände teilweise innerhalb von fünf Minuten kontrollieren kann“, erklärt Georgi. Heute steht er nicht unter Zeitdruck: Er nimmt sich viel Zeit, um dem Minister und den Journalisten seine Arbeit zu erläutern.

Doch so entspannt geht es bei den Lebensmittelkontrolleuren nicht immer zu, denn es fehlt an Mitarbeitern: „Eigentlich bräuchten wir nicht sieben, sondern 14 Stellen“, sagt Manfred Koch, der Amtsleiter für Veterinärdienst und Lebensmittelüberwachung im Böblinger Landratsamt. Auf diese Zahl käme man, wenn man berechne, wie oft die 5000 Betriebe im Landkreis aufgrund ihrer spezifischen Risiken kontrolliert werden müssten. „Ein Frischfleischbetrieb ist risikoreicher, da sollte man alle vier bis sechs Wochen nachschauen“, sagt Koch. „Bei einem Händler, der nur Bier in Flaschen vertreibt, reicht eine Überprüfung alle vier bis sechs Jahre aus.“

Von den errechneten 14 Stellen ist man noch weit weg

36 neue Stellen für Tierärzte, Futter- und Lebensmittelkontrolleure hat die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg dieses Jahr geschaffen, bis 2014 sollen 44 weitere Lebensmittelkontrolleure dazukommen. Auch der Kreis profitiert davon: Von Ende 2013 an werden acht statt sieben Mitarbeiter die Lebensmittelbetriebe unter die Lupe nehmen. Von den errechneten 14 Stellen ist man allerdings noch weit entfernt.

Wenn die Prüfer Mängel bemerken, erfährt die Öffentlichkeit von ihnen bislang nichts. Hätte Swen Georgi im Hofladen der Bodemers ein zu warm gelagertes Schweineschnitzel gefunden, hätte er bislang mit der Ladenbetreiberin Renate Bodemer vereinbart, bis wann sie den Mangel beseitigen muss. Dann wäre er noch einmal vorbeigekommen, um die Umsetzung zu überprüfen. Vom 1. September an haben die Kontrolleure neue Möglichkeiten: Verstößt ein Betrieb so massiv gegen das Lebensmittelgesetz, dass die Prüfer ein Bußgeld von mindestens 350 Euro verhängen, wird das Ergebnis auf der Homepage des Landesverbraucherschutzministeriums veröffentlicht. Dabei wird der Name des Betriebes, das Datum der Kontrolle und die Art des Verstoßes genannt. 2011 hätte es nach diesem System etwa zwanzig Warnungen im Kreis Böblingen gegeben.

In Berlin etwa gehen manche Bezirke noch weiter: Sie veröffentlichen alle Prüfergebnisse von Imbissen und Restaurants, illustriert mit lachenden Smileys für saubere und mit traurigen für schmutzige Betriebe. Auch in Baden-Württemberg wäre das eine „sinnvolle Ergänzung“, findet Alexander Bonde – bislang fehle aber eine bundesweite gesetzliche Grundlage dafür.

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